Kritik an umstrittener Kampagne Flammender Appell: "Herr Schweinsteiger, zeigen Sie Größe!"

Von Gregory Straub | 08.05.2019, 20:48 Uhr

Mit seiner Beteiligung an einer Kampagne für die "Deutsche Automatenwirtschaft" erntete Bastian Schweinsteiger im vergangenen Herbst viel Kritik. Nun legt die Organisation "Das Blaue Kreuz" nach.

Sportlich schreibt Bastian Schweinsteiger seit einiger Zeit keine größeren Schlagzeilen mehr. Der 34-Jährige lässt seine Karriere seit 2017 in der US-amerikanischen Soccerliga MLS bei Chicago Fire ausklingen. Größere Erfolge sind dort bislang ausgeblieben, doch der Weltmeister von 2014 erfreut sich auf Grund seiner sympathischen Art auch jenseits des Atlantiks vieler Sympathien – genau wie hierzulande.

"Spiel ist nicht gleich Spiel, Herr Schweinsteiger!"

Auch Jürgen Naundorff gibt sich als großer Fan des ehemaligen Stars des FC Bayern aus. Als "ein Vorbild für unzählige Menschen" bezeichnet der Bundessekretär des "Blauen Kreuzes" in Deutschland den 121-fachen deutschen Nationalspieler. Und doch findet Naundorff auch kritische Worte für "Schweini", der seit dem vergangenen Jahr das prominente Gesicht der Deutschen Automatenwirtschaft ist und in einer breit angelegten Kampagne für "sauberes Spiel" plädiert. "Das Allerwichtigste ist, dass du fair und sauber spielst, egal wo, und was du spielst", lautet der Slogan von Schweinsteiger auf Plakaten und in einem Videoclip.

Genau das prangert das Blaue Kreuz, das sich in Deutschland für suchtgefährdete und suchtkranke Menschen sowie deren Angehörige einsetzt, in einer am Dienstag herausgegebenen Pressemitteilung an.

Bundessekretär Naundorff richtet sich in seiner Botschaft direkt an Schweinsteiger: "Spiel ist nicht gleich Spiel, Herr Schweinsteiger! Nein, es ist eben nicht '... egal, wo und was du spielst'. Auch wenn Sie das behaupten! Wenn sich ein Fußballspieler auf dem Rasen verausgabt, dann zeigt er Einsatzfreude, Kreativität, Spielwitz und nicht selten körperliche Höchstleistung – wie Sie es eindrucksvoll getan haben und zu einem Vorbild für unzählige Menschen wurden. Dagegen ist der Automatenindustrie nur am finanziellen Einsatz des Spielers gelegen. Viele Spieler sind überschuldet. Die Kreativität beim Automatenspieler ist gleich Null. Spielwitz wandelt sich zu Stumpfsinn und statt körperliche Höchstleistung zu erbringen, wird beim Spieler seelischer Dauerstress erzeugt."

Kritik an Schweinsteiger-Kampagne für Automatenwirtschaft

Neben hunderten Plakaten kursiert auch ein Video mit Bastian Schweinsteiger, das im vergangenen Herbst über mehrere Wochen in knapp 500 Kinos in Deutschland gezeigt wurde. In dem pathetisch aufgezogenen Clip spricht Schweinsteiger an seine Zuhörer gerichtet aus dem Off die bedeutungsschwangeren Worte: "Das Faszinierende am Spiel ist ja, dass es so einfach ist. Eine Hand voll Regeln, mehr braucht man nicht."

Marlene Mortler, die Drogen- und Suchtbeauftragte der Bundesregierung, zeigte sich bereits im Herbst im Gespräch mit unserer Redaktion skeptisch, was die aufwändige Aktion der Deutschen Automatenwirtschaft betrifft: "Wenn sie (Deutsche Automatenwirtschaft) so dick aufträgt, wie dies mit der aktuellen Kampagne geschieht, dann müssen wir sie unbedingt beim Wort nehmen. Hübsche Bilder und Versprechungen allein genügen ganz sicher nicht."

Einer ähnlichen Meinung ist man offenkundig auch beim "Blauen Kreuz", wo man an Schweinsteiger appelliert: "Wir fordern Sie auf, sich nicht weiter in den Dienst einer Industrie zu stellen, die den finanziellen und damit nicht selten einhergehenden seelischen Ruin ihrer Nutzer einkalkuliert. Noch schlimmer: sie wehrt sich entschieden, süchtigen Spielern, die sich sperren lassen wollen, diesen Schutz zu gewähren. Herr Schweinsteiger, zeigen Sie Größe wie auf dem Rasen und arbeiten Sie nicht länger mit der Deutschen Automatenwirtschaft zusammen. Werben Sie stattdessen für suchtpräventive Maßnahmen! Denn Sucht ist eines der größten gesellschaftlichen Probleme der Gegenwart. Damit spielen Sie gekonnt einen Pass in die Mitte der Gesellschaft. Selbst spielfrei lebende Glücksspielabhängige können so am Ball bleiben."

Schweinsteiger selbst hat sich bislang nicht zur Kritik an seiner Teilnahme an der Kampagne geäußert. Von der Deutschen Automatenwirtschaft gab es jedoch ein Statement, in dem es unter anderem heißt: "Bastian Schweinsteiger steht für Fairness und klare Regeln im Spiel. Jetzt unterstützt er die Deutsche Automatenwirtschaft in deren Einsatz für Fairness und Regeln. Werbung für das Spiel ist das nicht."