Auftaktspringen Die Favoriten bei der Vierschanzentournee

27.12.2015, 18:28 Uhr

Mit der Qualifikation zum Auftaktspringen beginnt die Vierschanzentournee zum 64. Mal – und wieder gibt es reichlich Favoriten. Das Gros hofft bis zur Entscheidung in Bischofshofen an Dreikönig auf ein spannendes Duell zwischen Weltcup-Gesamtsieger Severin Freund und dem Slowenen Peter Prevc.

„Wenn er gesund bleibt, kann er Peter fordern“, sagt auch Bundestrainer Werner Schuster über den Doppel-Weltmeister von Falun. Oder hält die Serie der Österreicher, die seit 2009 die Sieger stellen, weiterhin an? Vorjahressieger Stefan Kraft fühlt sich stark genug. Doch immer wieder überraschen unbekümmerte Aufsteiger oder Außenseiter.

Der dreimalige Tournee-Sieger Helmut Recknagel schätzt Severin Freund am stärksten ein und sagt: „Die Chancen sind gut, ein Sieg wäre möglich, wenn alles passt.“

 Severin Freund 

Der 27-Jährige ist ein harter, akribischer Arbeiter, der mit jedem seiner Erfolge stabiler und gelassener wird. Der Tournee-Sieg fehlt dem Doppel-Weltmeister von Falun und Mannschafts-Olympiasieger noch in seiner Trophäen-Sammlung, doch die mentale Stärke besitzt Freund inzwischen. Die Rolle des Mitfavoriten nimmt er an, reißt aber keine großen Sprüche, sondern sagt: „Wenn man in der Form und die Zeit reif ist, dann wird es auch passieren.“ Wichtig für den Weltcup-Gesamtsieger sind ein guter Auftakt, aber auch die körperliche und geistige Frische.

 Stefan Kraft 

Der Vorjahressieger geht nicht entspannter in die Tournee, aber mit mehr Erfahrung. Der 22-jährige Österreicher hat sich nach einem schwierigen Start im Weltcup zuletzt in Engelberg Selbstvertrauen geholt. Krafts Stärke ist es, dann am Besten zu sein, wenn es richtig drauf ankommt – „und, dass ich ruhig bleibe, selbst wenn es nicht funktioniert.“ Noch immer schwärmt der Pongauer von seinem Treffen mit Bayern-Profi David Alaba an der Säbener Straße. Sein Lohn für den Tournee-Sieg. Die Österreicher wählen ihn zum Aufsteiger des Jahres.

 Peter Prevc 

Der Slowene ist der konstanteste Springer der vergangenen zwei Jahre und trägt selbst den bitteren Moment von Planica, wo er trotz Punktgleichheit mit Severin Freund den Sieg im Gesamtweltcup verpasst, extrem fair. Es spornt ihn sogar an. Mit drei Saisonsiegen, drei zweiten Plätzen und seinem aggressiven Sprungstil ist er der Favorit auf den Tournee-Erfolg. Der 23-Jährige bringt auch die nötige Ruhe mit. Nicht nur wegen seiner eher mäßigen Englisch-Kenntnisse spricht Prevc wenig. Im Team ist derzeit sein junger Bruder Domen der stärkste Konkurrent.

 Michael Hayböck 

Schanzenrekord in Innsbruck, Tagessieg in Bischofshofen und Zweiter in der Gesamtwertung – an die vergangene Tournee hat der 24-Jährige, der mit seinem Bruder in Salzburg wohnt, gute Erinnerungen. Seither wird er häufig auf der Straße erkannt „oder auf dem Weihnachtsmarkt nach Fotos gefragt“, sagt der Fan des FC Barcelona. Trotz des Generationswechsels im Team und dem etwas holprigen Saisonstart bringt der Hobbypilot und Gefühlsspringer die nötige mentale Stärke mit. Hayböck baut auf die siebenjährige österreichische Siegesserie.

 Kenneth Gangnes 

Der 26-Jährige hat es in seiner Karriere schwer. Zwar schafft es der Student schon mal ins Nationalteam, reißt sich dann aber zweimal das Kreuzband (2010 und 2013) – am gleichen Knie. „Das hat ihn ziemlich zurückgeschmissen“, sagt Trainer Alexander Stöckl. Beim Sommer-Grand-Prix zeigt der Bescheidene mit Platz zwei gute Form, ehe er am Nikolaustag in Lillehammer seinen ersten Weltcupsieg feiert. Die Norweger sind jung und im Kollektiv extrem stark. Für Gangnes sprechen sein „volles Paket an Persönlichkeit“, wie Stöckl sagt und seine Unbekümmertheit.