4:2-Sieg gegen Sevilla Gladbach: Tolle Choreo, tolle Tore, gute Chancen

Von Sportredaktion | 25.11.2015, 23:58 Uhr

Schon vor dem Spiel hatte Borussia Mönchengladbach keine Chance mehr auf ein Weiterkommen in der Champions League. Doch der Tabellenfünfte der Bundesliga kämpfte noch für die Chance auf einen Platz in der Europa League – und wie. Mit 4:2 (1:0) bezwang das Team von Trainer André Schubert gegen den FC Sevilla. Es war der erste Champions-League-Erfolg in der Geschichte von Borussia Mönchengladbach.

 Die Choreo: Vor der Partie zeigten die Gladbacher Fans, dass zumindest sie Königsklassenniveau haben. „Immer Underdog und doch ganz groß, bei Borussia war jetzt immer was los!“ Über die komplette Kurve zog sich der Spruch. Darüber Hinweise auf denkwürdige Europapokalspiele der „Fohlen“, wie dem 2:0-Sieg gegen Juventus Turin. Beeindruckend.

 Der Satz zum Spiel: Er fiel bereits vor der Partie und kam ausnahmsweise vom sonst manchmal eher spröde wirkenden Oliver Kahn. Der ehemalige Fußball-Nationaltorhüter, der für das ZDF als Experte arbeitet, trug zum Dienstbeginn ein Sakko. Auf die Frage von Moderator Oliver Welke, der in dicker Winterjacke mit Pelzbesatz bibberte, ob ihm nicht kalt sei, antwortete er: „Ne, ich stand ja 20 Jahre da mit kurzer Hose und hatte nie was zu tun.“

 Der Wechsel des Tages: Bereits in der 13. Minute musste Ibrahima Traoré vom Platz. Der Oberschenkel zwickte. Josip Drmic kam für ihn. Der Stürmer sorgte auf ungewohnter Position auf dem rechten Flügel für einigen Schwung.

 

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 Die Frage des Tages: Hand oder nicht Hand? Der Borussia-Park war sich einig: „Hand“ hallte es durchs Stadion nach Cokes Einsatz bei Raffaels Versuch, zu passen. Aus kürzester Entfernung hatte ihn der Gladbacher getroffen. Schiedsrichter Damir Skomina stand in der Nähe und entschied: Kein Elfmeter. Schon im Hinspiel hatten Elfmeter bei dem Duell der beiden Teams eine wichtige Rolle gespielt. Beim denkwürdigen 0:3 gab es Mitte September alleine drei Elfmeter gegen Mönchengladbach. Auch diesmal bekamen die Spanier einen Elfmeter, am Sieg der Gladbacher änderte das nichts. Banega verwandelte zum 2:4.

 Das Spiel: Die Gladbach-Devise war schnell klar: Mutig nach vorne. Schon nach zwei Minuten zog Raffael aus der Distanz ab und prüfte Sergio Rico im Sevilla-Tor. Die Szene hatte Symbolcharakter. Häufig versuchte es die Borussia mit Schüssen aus der zweiten Reihe. Das Engagement der Borussia wurde mit der Führung belohnt. Bei einer Hereingabe von Granit Xhaka reagierte Stindl geistesgegenwärtig, lief im Gegensatz zur Sevilla-Defensive weiter durch und schob aus kurzer Distanz ein. Gladbach gewann immer mehr die Kontrolle über die Partie, aber schaffte es nicht, das beruhigende 2:0 zu machen. Fast hätte es sich gerächt. In der 63. Minute setzte Konoplijanka (63.) einen Schuss nur knapp neben das Tor. Kurz darauf machte Johnson mit seinem Schlenzer ins lange Eck alles klar. In einer turbulenten Schlussphase hätte Gladbach fast noch den direkten Vergleich für sich entschieden. Die Tore von Raffael und Stindl reichten dafür nicht, weil Vitolo und Banega für Sevilla trafen.

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 Die Statistik: Für die Borussia war es nicht nur der erste Sieg in der Champions League überhaupt, es war auch der erste Erfolg gegen Sevilla nach zuvor drei Niederlagen in diesem Jahr. In der vergangenen Saison hatte sich der fünfmalige deutsche Meister zweimal in der ersten K.o.-Runde der Europa League geschlagen geben müssen. Zum Auftakt der aktuellen Champions-League-Saison hatten die Gladbacher noch unter dem kurz darauf zurückgetretenen Lucien Favre in Sevilla mit 0:3 verloren. Es war der erste Borussen-Sieg gegen eine spanische Mannschaft nach fast genau 30 Jahren. Am 27. November 1985 hatten sich die Gladbacher gegen Real Madrid mit 5:1 durchgesetzt.

 Die Reaktionen: „Wir haben die Tore zur rechten Zeit gemacht und verdient gewonnen. Wir werden jetzt nach Manchester fahren und natürlich alles versuchen. Wir haben jetzt den dritten Platz und den wollen wir auch verteidigen“, sagte Lars Stindl, der Mann des Spiels.

Trainer André Schubert ergänzte: „Wir haben vorher besprochen, dass wir uns diesmal nicht wie im Hinspiel abkochen lassen wollen und von Beginn an mutig dagegen halten wollen. Das ist uns gelungen. Sevilla hatte ein paar Kontersituationen, da wurde mir auch ein bisschen anders. Ich wusste, dass wir gegen eine Topmannschaft spielen, die immer in der Lage ist Tore zu schießen. Aber wir haben es am Ende gut durchgebracht. Es wird schwer in Manchester, aber Kloppo hat es ja vorgemacht.“

Für Granit Xhaka war klar: „Wir waren die bessere Mannschaft und haben verdient gewonnen.“

„Wir wollen diese Reisen gerne machen“, sagte Sportdirektor Max Eberl über die nun realistische Fortsetzung des Europacup-Engagements im Februar.

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 Die Lage: Sieht jetzt schon wieder viel besser aus. Dank des Sieges schob sich die Borussia vor Sevilla auf den dritten Platz, der zur Teilnahme an der Europa League berechtigt. Die Spanier sind mit nur drei Punkten aus fünf Spielen nun Tabellenletzter, Mönchengladbach hat fünf Zähler auf dem Konto. Die Tabellenplätze eins und zwei sind nicht mehr drin, doch am letzten Spieltag kann das Schubert-Team die Europa League sichern. Allerdings muss Gladbach bei Tabellenführer Manchester City antreten. Sevilla empfängt zuhause Juventus Turin. (mit Material von dpa)