Reporter unterwegs bei Fußball-WM 2018 WM-Blog „Fussland“:Der Rückblick auf die Fußball-WM in Russland

Von Benjamin Kraus | 16.07.2018, 23:19 Uhr

Benjamin Kraus arbeitet seit 2009 für die Sportredaktion der NOZ-Medien – und besucht mit der Fußball-WM 2018 in Russland sein erstes großes Turnier als Reporter. Hier bloggt der 36-Jährige über seine ganz persönlichen Erlebnisse beim Weltturnier.

WM-BLOG „FUSSLAND“June 11, 2018 at 5:17 PMWM-Blog „Fussland“: Am Dienstag geht es losBenjamin Kraus arbeitet seit 2009 für die Sportredaktion der NOZ-Medien – und besucht mit der Fußball-WM 2018 in Russland sein erstes großes Turnier als Reporter. Hier bloggt der 36-Jährige über seine ganz persönlichen Erlebnisse beim Weltturnier. Foto: WittersSven MechelhoffJune 11, 2018 at 6:13 PMAm Dienstagmorgen um 10.45 Uhr hebe ich ab mit dem Flugzeug nach Moskau – Zeit, um mich vor meiner ersten WM als Reporter vor Ort an meine Fußball-Sozialisation zu erinnern.Sommer 1990: Lothar Matthäus rennt los hinter der Mittellinie, lässt gefühlt die ganze Elf der Jugoslawen stehen. Dann schießt er aus 22 Metern den Ball knallhart ins linke Eck. Das Tor zum 3:1 beim 4:1-Sieg der Nationalelf im ersten Spiel auf dem Weg zum WM-Titel 1990 in Italien ist der erste Fußball-Moment, an den ich mich erinnern kann. Es traf der Franke, der beim 1. FC Herzogenaurach das Kicken gelernt hat – wenige Kilometer entfernt von meinem Elternhaus, wo ich das Spiel im TV verfolgt habe.Damals war ich acht Jahre alt. Heute weiß ich: Das 1:0 durch Matthäus mit Ballannahme aus der Luft, Drehung und Schlenzer ins Eck war das sportlich weit wertvollere Tor. Und ich weiß noch einiges mehr, über Matthäus und den professionell organisierten Fußball – Dinge, die kritische Distanz zu einigen Vorgängen abseits des Spielfeldes entstehen haben lassen, aber nie dafür gesorgt haben, dass meine Liebe zum Spiel an sich erkalten konnte.Darüber will ich bei dieser WM für Sie berichten: Über das beste Spiel der Welt, über meine Eindrücke beim Blick hinter die Kulissen, wann immer er möglich ist. Und von Land und Leuten: Bei meiner ersten Reise nach Russland im Februar habe ich die Menschen als gastfreundlich und zugänglich kennengelernt – ich bin gespannt, ob nun dort eine ähnliche Stimmung entsteht wie beim Sommermärchen 2006 in Deutschland.Falls Sie Fragen, Anregungen oder Kritik während der WM haben, mailen Sie mir: Über b.kraus@noz.de bin ich auch in Russland erreichbar. Ansonsten freue ich mich, wenn wir uns an dieser Stelle ab und zu lesen.Benjamin KrausJune 12, 2018 at 6:40 AM Es geht los: Osnabrück verabschiedet mich wie zuletzt mit herrlichen Sonnenaufgang. In Russland muss ich mich wohl erstmal auf kühlere Temperaturen einstellen. Benjamin KrausJune 12, 2018 at 6:49 AM Was macht ein WM-Reporter im Zug zum Flug? Natürlich arbeiten. Ich schreibe mein Interview fertig mit dem gebürtigen Mühlheimer Erik Stoffelshaus, der als Sportdirektor von Lokomotive Moskau gerade russischer Meister geworden ist. Er bringt uns seinen Werdegang und den russischen Fussball nahe - mehr bald hier! Benjamin KrausJune 12, 2018 at 7:04 AM Benjamin KrausJune 12, 2018 at 10:42 AM Alles bereit zum Abflug - wir lesen uns heute Abend aus Russland, bis später... Benjamin KrausJune 12, 2018 at 3:22 PM Hallo aus Moskau - hier ist es ungleich kälter als in Deutschland. Knapp 20 Grad und Regen. Benjamin KrausJune 12, 2018 at 3:23 PM Erste WM-Grüße im Terminal Benjamin KrausJune 12, 2018 at 3:24 PM Sogar Zlatan ist schon da Benjamin KrausJune 12, 2018 at 3:29 PM Auf geht's ab geht's - durch den berühmten Verkehr in Moskau. Wir sind gespannt. Benjamin KrausJune 12, 2018 at 3:42 PM Vorstadt-Ansichten von der Stadtautobahn Benjamin KrausJune 12, 2018 at 3:52 PM Das Stadion von Dinamo Moskau, wo Kevin Kuranyi einst spielte. Bei der WM wird es nicht benötigt. Benjamin KrausJune 12, 2018 at 4:02 PM Der Finanzdistrikt. Sehr repräsentativ - aber viele der Geschäftsräume sollen infolge der Wirtschaftskrise leer stehen. Benjamin KrausJune 12, 2018 at 4:12 PM Hallo vom Lushniki - Austragungsstätte des Eröffnungsspiels und der ersten Partie der deutschen Elf Benjamin KrausJune 13, 2018 at 12:50 AM So sieht es übrigens im Viertel unseres Hotels aus: Moskauer Idylle Benjamin KrausJune 13, 2018 at 12:58 AM Benjamin KrausJune 13, 2018 at 12:58 AM Benjamin KrausJune 13, 2018 at 1:12 AMTag 1 in Moskau:Wer auf Reisen geht, erlebt was – sagt man. Für mich lief der Trip nach Moskau – bis ich heute am Abend auf den Boden der Tatsachen landete.Läuft ja wie ein Länderspiel. Dieser Satz fiel nach 10 Siegen in 10 WM-Qualifikationsspielen für Deutschland oft in unserer Sportredaktion, wenn anspruchsvolle Aufgaben locker abgearbeitet wurden. Nun habe ich ihn in Moskau gesagt. Mit Blick auf die reibungslose Anreise.Es gibt ja Kollegen, denen der Ruf vorauseilt, dass immer irgendwas passiert – was sich dann bestätigt. Kaputte Autos, brennende Züge: alles schon da gewesene Schlachtfelder auf Reporter-Reisen, diesmal nicht: Freie Plätze in der Bahn, schnelle Kontrollen am Flughafen, freundliche und sogar schlanke Sitznachbarn im Flugzeug.Selbst der als chaotisch verrufene Verkehr in Moskau traf mich nicht: Auf vollen, aber stets rollenden Straßen nahm ich Eindrücke der Mega-City auf: 16-stöckige Wohnblöcke an achtspurigen Magistralen, das Bankenviertel mit futuristischen Wolkenkratzern, dazwischen alles in Bewegung, auf dem Sprung.Akkreditierung am Stadion abgeholt, im Hotel eingecheckt:  Ein Länderspiel. Doch dann wollte ich diesen Text nach Hause schicken - und kam nicht ins Internet. Ich ging zur Rezeption. Dort fuhr mir der rot livrierte Concierge – ehe ich mein Problem überhaupt fertig geschildert hatte - über den Mund: „Das muss erst freigeschalten werden, entspannen Sie sich.“Entspannen? Sagt ein Mann aus Moskau, jene Stadt, die wie keine zweite für Hektik steht? Na gut, dachte ich und ging in mich: Was sagt mir der Tag über die Chancen Deutschlands bei der WM? Genannte Kollegen der selbst erfüllenden Prophezeiung haben Abstiege, Spielabbrüche und Insolvenzen begleitet. Wie ich meinen WM-Wetteinsatz platziere, weiß ich nun: Deutschland marschiert bis ins Finale, scheitert dann tragisch. Benjamin KrausJune 13, 2018 at 10:24 AM Hallo aus Watutinki - genauer gesagt von Trainingsgelände von ZSKA Moskau, dem Armeeklub, bei dem die deutsche Elf heute ihr Auftakttraining in Russland absolviert. Benjamin KrausJune 13, 2018 at 10:27 AM Wir befinden uns etwa 40 Kilometer vor Moskau im Wald, das Handynetz reicht gerade nicht für die Übertragung von Bildern, daher reichen wir das später nach. Hier sind etwa 1000 Menschen - viele Medienvertreter und viele Kinder - die jetzt in lauten Jubel ausbrechen, weil die Nationalspieler den Platz betreten. Los geht's mit lockerem Kreisspiel. Benjamin KrausJune 13, 2018 at 10:53 AM Benjamin KrausJune 13, 2018 at 10:58 AM Benjamin KrausJune 13, 2018 at 11:09 AM Jetzt eine Spielform 7 gegen 7 auf engstem Raum. Gündogan trifft, die Kinder jubeln. Schön. Benjamin KrausJune 13, 2018 at 11:10 AM Gündogan trifft, die Kinder jubeln. Schön Benjamin KrausJune 13, 2018 at 11:33 AM Ein paar Leute sind da zum Zugucken. Natürlich vor allem Medienvertreter. Was fehlt: Kaltgetränke und Stadionwurst Benjamin KrausJune 13, 2018 at 11:35 AM Tempo ist durchaus drin in der Einheit, am Ball können die Jungs natürlich alle was. Lockerheit ist da, der nötige Zug aber auch Benjamin KrausJune 13, 2018 at 11:42 AM So, Feierabend auf dem Platz - und die Jagd der Autogrammjäger beginnt. Und die der Kameraleute aus aller Herren Länder auch. Lustig die händeringenden Versuche der DFB-Medienleute, sie aufzuhalten. Benjamin KrausJune 13, 2018 at 12:57 PM So sah übrigens der Andrang der Fans vor dem Trainingsgelände aus: Die Deutsche Elf offenbar auch bei den einheimischen Russen recht beliebt. Benjamin KrausJune 13, 2018 at 12:58 PM Deshalb müssen die Soldaten, die hier mit ihren Kasernen übrigens sowieso das ganze Umfeld okkupiert haben, in den Einsatz. Benjamin KrausJune 13, 2018 at 12:59 PM Einschwören auf die gemeinsame Aufgabe Benjamin KrausJune 13, 2018 at 1:00 PM Wir sind übrigens soeben im Teamhotel der Nationalelf angekommen - im Vatutinki Complex. Hier die Nachricht: Die DFB-PK verschiebt sich auf 14.45 Uhr deutsche Zeit. Benjamin KrausJune 13, 2018 at 1:03 PM So sieht das Teamhotel von außen aus Benjamin KrausJune 13, 2018 at 3:03 PM Los geht es: Pressekonferenz in Watutinki mit Bundestrainer Joachim Löw und DFB-Präsident Reinhard Grindel. Benjamin KrausJune 13, 2018 at 3:16 PM Wie im Theater Benjamin KrausJune 13, 2018 at 3:22 PM Löw: Draxler (heute im Rasen hängengeblieben) und Khedira (Rücken) haben dosiert trainiert, sollten aber morgen wieder voll trainieren können. Benjamin KrausJune 14, 2018 at 12:28 AM Die berühmten Moskauer Metrobahnhöfe - stylisch. Hier Troparyovo im Südwesten der Stadt. Benjamin KrausJune 14, 2018 at 1:14 AM Blick aus dem Hotelzimmer um 2 Uhr morgens Ortszeit - so früh zieht in diesen Breiten der Morgen auf in den kurzen Sommernächten Benjamin KrausJune 14, 2018 at 1:25 AMTag 2 in Moskau:Gestern habe ich über die horizontale Reise nach Russland berichtet. Heute kann ich von einer vertikalen Reise in Moskau erzählen.Auf und nieder, immer wieder – ein Party-Klassiker. Ich fand die Sache erst ermüdend, dann machte sie mich wütend. Unser 1100 Betten großes und 22 Stockwerke hohes Hotel mit sozialistischem Rest-Charme erlebt einen Aufzug-Engpass, wenn alle nach dem Frühstück aktiv werden. Auch ich wollte aus der elften Etage runter. Klingt nach 30 Sekunden, wurde eine dreißigmal längere Odyssee.Erster Stopp auf der 10: Eine Frauengruppe aus Korea strömt herein. Ihr Raumempfinden ist anders als meins: Für mich ist die Kabine voll, als noch drei von ihnen draußen stehen. Für sie passen alle rein –atmen kann danach keiner mehr.Auch danach halten wir auf jeder Etage, wo immer neue Leute Einlass begehren, aber mit Blick auf uns in der Sardinenbüchse davon absehen. Etwa der Kollege aus Augsburg, der uns auf der Sieben angrinst - resigniert ob der vollen Kabine, amüsiert ob der gackernden Koreanerinnen, die jeden Stopp feiern.Als sich die Tür auf der eins schließt, wo keiner mehr wartete, weil die Faulpelze dort sich doch noch für die naheliegende Treppe entschieden haben, scheint die Tortur überstanden. Doch dann das Unfassbare: Der Aufzug fährt plötzlich ganz hoch, in den 22. Stock! Das Gegacker der Asiatinnen wirkt nun panisch, in mir steigt Groll auf.Also wieder abwärts, wieder Stopp auf jeder Etage. Allerdings entschädigt nun der Blick in die ungläubigen Gesichter der ungeduldigen Leute auf den Fluren: Sie haben natürlich keine Ahnung, warum wir wieder auftauchen – wir wissen es ja selbst nicht. Spätestens, als der Augsburger uns erst mit offenem Mund anstarrt und dann die Hände über dem Kopf zusammenschlägt, habe ich einen Lachkrampf. Als wir im Erdgeschoss aus dem Lift fallen, kann mich nichts mehr schocken. Das Moskau-Chaos erlebe ich nun als Entspannungsprogramm. Benjamin KrausJune 14, 2018 at 9:57 AMMeine Meinung zum WM-Start in Russland: Das Turnier kostet über 10 Milliarden Euro - das geht deutlich billiger. Der komplette Kommentar hier.Benjamin KrausJune 14, 2018 at 10:03 AM Benjamin KrausJune 14, 2018 at 1:01 PMNachtrag zum Team Deutschland: Der Eindruck vom Quartier in Watutinki - es ist definitiv anders als im Campo Bahia.Benjamin KrausJune 14, 2018 at 1:02 PM Gleich geht es zum Stadion zum Eröffnungsspiel, die Vorfreude steigt - wir lesen uns mit ersten Eindrücken ab ca. 14 Uhr Deutscher Zeit. Benjamin KrausJune 14, 2018 at 2:08 PM Hallo vom Vorplatz des Luschniki-Stadions. Das Volksfest ist schon in vollem Gange, hier treffen sich Menschen aus allen Erstellen. Die Vorfreude steigt Benjamin KrausJune 14, 2018 at 2:59 PM Verschwommener Blick in den langen Metrotunnel. Die Abordnung Perus macht Stimmung, obwohl sie gar nicht spielt... Benjamin KrausJune 14, 2018 at 2:59 PMBenjamin KrausJune 14, 2018 at 3:00 PM Peru macht Stimmung Benjamin KrausJune 14, 2018 at 3:01 PM Kolumbianer mit Luftballons Benjamin KrausJune 14, 2018 at 3:01 PM Die berittene Polizei passt auf, muss aber nicht eingreifen. Die Leute freuen sich einfach, dass die WM nun losgeht... Benjamin KrausJune 14, 2018 at 3:01 PMBenjamin KrausJune 14, 2018 at 3:02 PM EIn Jongleur, der was kann am Ball... Benjamin KrausJune 14, 2018 at 3:02 PM Und Lenin passt auf, dass vor dem Stadion alles läuft. Bisschen verwundert dürfte er sein ob des bunten Auflaufs. Benjamin KrausJune 14, 2018 at 3:07 PM Osnabrück meets Brazil in Russia: NOZ-Reporter Benjamin Kraus (links) mit der Osnabrückerin Selina Dey, ihrem Freund Guilherme aus Sao Paulo und dessen Begleiter. Benjamin KrausJune 14, 2018 at 3:09 PM Eine spannende Geschichte verbindet Selina und Guilherme: Beide haben sich auf dem Brasilien-Urlaub der Osnabrückerin im vergangenen Jahr kennengelernt. Nun besucht der Fußballfan Russland - und Selina hat sich gesagt: Wenn er schon mal so nah bei mir ist, muss ich zu ihm. Das ist die Magie eines Weltturnieres - so werden Nähe und Ferne plötzlich ganz neu definiert. Guilherme hat ihr dann auch noch eine Karte fürs Eröffnnungsspiel der WM besorgen können - jetzt ist die Freude groß. Für die beiden geht es nach zwei tagen Moskau dann auch noch weiter nach Sotschi. Benjamin KrausJune 14, 2018 at 3:14 PM Wir begeben uns dann mal ins Stadion und gucken, wie es dort aussieht. Bis gleich... Benjamin KrausJune 14, 2018 at 3:21 PM Tagesaufgabe für heute. Mal sehen, ob ich bei der PK was verstehe. Benjamin KrausJune 14, 2018 at 3:46 PM Aus den Katakomben des Stadions Benjamin KrausJune 14, 2018 at 3:47 PM Blick von der Empore hinter dem Stadion auf die Sperlingsbetge hinter der Moskwa, wo das Fanfest steigt Benjamin KrausJune 14, 2018 at 3:49 PM Und nun der erste Blick ins Stadion, das sich langsam füllt. Die Spannung steigt. Bald beginnt hier die Eröffnungsfeier der WM 2018 Benjamin KrausJune 14, 2018 at 3:54 PM Mein Arbeitsplatz beim Eröffnungsspiel. Lappy auf den Knien, passend gebrandeter Trinkbecher oben drauf. For the food of the Game. Oder so. Benjamin KrausJune 14, 2018 at 4:26 PM Wie in Wimbledon - eine grüne Pläne auf dem Platz. Regnet es? Ach nee - die Eröffnungsfeier fängt an. Benjamin KrausJune 14, 2018 at 5:02 PM Survived Opening Ceremony. Jetzt aber los. Benjamin KrausJune 14, 2018 at 11:54 PM Benjamin KrausJune 14, 2018 at 11:58 PMHier die Bilanz der WM-Eröffnungsfeier in einem Text: Die FIFA-Familie landet eine Reminiszenz an Wimbledon und ächtet vorbildlich Pyrotechnik.Benjamin KrausJune 15, 2018 at 12:09 AM Benjamin KrausJune 15, 2018 at 12:19 AMTag 3 in Moskau

Wer Gänse haut, schlägt auch Schwäne – diesen gewöhnungsbedürftigen Witz erzählte mir jüngst ein Kollege aus Münster, der auch hier in Moskau verweilt.

Doch um Zotenqualität soll es hier nicht gehen, sondern um echte, gute Stimmung und großes Gefühl. Denn Letzteres kam auf, als ich vor dem Eröffnungsspiel aus der Metrostation „Sportivnaja“ heraustrat und mittendrin landete im Treiben auf dem Stadionvorplatz. Dort wurde nicht weniger als die Zusammenkunft der Welt gefeiert – aber unschuldig, unvermarktet, unvoreingenommen. Einfach großartig. Die Stimmung vor dem Stadion trieb mir die Gänsehaut auf den Arm.

Da waren Araber in weißen Gewändern und mit hohen Turbanen auf dem Kopf, die zu schweben schienen auf ihrem Weg zum Stadion. Da waren rot bemalte Peruaner, die aus vollem Halse sangen und feierten, dass sie auch da waren, obwohl ihr Team noch gar nicht spielte. Da waren Kolumbianer in ihren gelben Trikots, die sich Trommeln umgeschnallt hatten und die Umstehenden animierten, sich zu den unbekannten Rhythmen zu bewegen. Da waren bunt bemalte Russinen in kurzen Röcken, die das ganze Treiben erst amüsiert beobachteten – und sich nach der Aufforderung durch die Südamerikaner nicht lange zum Tanzen bitten ließen.

Und da waren Guilherme im Brasilien-Shirt und Selina im Deutschland-Trikot (siehe auch unten). „Es ist Wahnsinn, wie oft wir beide schon angesprochen worden sind: Auf das 7:1 vor vier Jahren und wie wir damit als Paar umgehen“, sagte die Osnabrückerin, die ihren Freund im letzten Jahr beim Brasilien-Urlaub kennengelernt hat, und erklärte: „Wenn er nun schon bei mir in der Nähe ist, muss ich ja zu ihm kommen.“ In der Nähe heißt in diesem Fall also Moskau – besser könnte man gar nicht beschreiben, wie die Welt zusammenrückt bei einer WM.Benjamin KrausJune 15, 2018 at 8:20 AMEin perfekter WM-Auftakt für die Russen - da gab es sogar während der Pressekonferenz für den russischen Trainer das Lob von Putin höchstpersönlich.Benjamin KrausJune 15, 2018 at 1:08 PMBenjamin KrausJune 15, 2018 at 1:22 PMMeine Meinung zur gestrigen WM-Eröffnung: Die Party lief perfekt für Putin.Benjamin KrausJune 16, 2018 at 4:26 AMSo sieht die Lage aus vor dem Auftakt der Nationalelf morgen gegen Mexiko: Hunger entwickeln, lautet das Ziel.Benjamin KrausJune 16, 2018 at 6:26 AMAuf seine WM-Premiere morgen gegen Mexiko freut sich Youngster Joshua Kimmich - hier ein kleines PorträtBenjamin KrausJune 16, 2018 at 9:55 AMTag vier in Moskau: Die lieben KollegenGestern hatte ich die WM als Fest der Kulturen gefeiert. Nun weiß ich auch, wie anstrengend es ist, wenn Mentalitäten aufeinanderprallen.Journalismus ist vielfältig, das merkt man auch hier bei der WM. Während ich diesen Text schreibe, erzählt hinter mir der ewig erblondete Uli Köhler zum 23. Mal live für Sky Sports News HD Wertigkeit Ultra Supreme in die Kamera, dass er weiß, wie der Bundestrainer mit der ewig vollen Haarpracht am Sonntag aufstellen wird – obwohl er wohl so viel weiß wie ich: sicher nichts mit Sicherheit.Beim Eröffnungsspiel war es noch verrückter. Nach der Pressekonferenz hatte ich Stress: nur zwei Stunden für vier Texte, darunter der Kommentar auf Seite eins unserer Zeitung. Ich beginne also, das große Rad zur Ukraine, der Krim und der WM zu drehen. Plötzlich fangen fünf Kollegen aus Südamerika um mich herum an loszuschreien.Ich denke erst, sie wollen sich prügeln. Dann stelle ich fest: Sie arbeiten. Sportjournalismus in Brasilien heißt wohl, per Whatsapp Sprachnachrichten zu versenden – die man mit 200 Dezibel ins Handy schreit. Wortfetzen wie „joga de futebol“ zeigen: Es geht wirklich um die WM.Gut, die sind bald fertig, glaube ich – aber sie schreien tatsächlich zwei Stunden lang. Denn als jeder seinen Kommentar gerufen hat, fangen sie an, sich gegenseitig zu interviewen. Als ich das Wort „Putin“ eintippe, brüllt mir von rechts einer „Russia“ und „do brasil“ ins Ohr, während der links von mir sitzende Herr das Handy über meinen Kopf hält. Die Ansage des anderen hätte er angesichts der Lautstärke draußen im Stadion noch einfangen können.Als ich zum Andruck meinen letzten Text losschicke, bin ich geschafft. Dann klopfen mir zwei der Brasilianer anerkennend grinsend auf die Schulter. Als ich sie ansehe, merke ich: Auch sie sind völlig fertig. Wenigstens das.Benjamin KrausJune 16, 2018 at 10:26 AM Jetzt geht es zur Abschluss-Pressekonferenz der deutschen Mannschaft vor dem Mexiko-Spiel und danach zum offiziellen Fanfest - wir berichten hier live. Stay tuned! Benjamin KrausJune 16, 2018 at 11:36 AM Hallo von der Pressekonferenz Benjamin KrausJune 16, 2018 at 11:39 AM Julian Draxler ist da. "Es ist immer wichtig, ein Turnier gut zu beginnen. Wir wollen einen Sieg zum Auftakt. Der 4:1-Sieg beim Confederations Cup gegen Mexiko vor einem Jahr sollte nicht überbewertet werden - auch wenn man die eine oder andere Verwundbarkeit beim Gegner festgestellt hat" Benjamin KrausJune 16, 2018 at 11:41 AM Der Spieler von Paris St Germain weiß nicht, ob die Tatsache, dass er heute auf dem Podium sitzt, heisst, dass er morgen spielt - man solle gleich Bundestrainer Joachim Löw fragen. Benjamin KrausJune 16, 2018 at 11:45 AM Draxler wird viel zu Mesut Özil gefragt, weil ein paar Beobachter die These vertreten, er wirke aktuell lustlos. "Mesut ist gut drauf, macht Späße, hat genauso Lust auf den Auftakt wie alle." Benjamin KrausJune 16, 2018 at 11:49 AM Letztes Statement von Draxler: "Ich glaube nicht, dass die wilde Party, die die Mexikaner angeblich gefeiert haben, irgendeine Rolle spielen wird noch in den Köpfen morgen. Ich weiss nicht, ob das alles wahr ist, was darüber geschrieben wurde - auf jeden Fall war es lustig, das zu lesen." Benjamin KrausJune 16, 2018 at 11:50 AM Jetzt ist Bundestrainer Joachim Löw da Benjamin KrausJune 16, 2018 at 11:53 AM Löw: "Es ist ein gutes Gefühl, dass die WM jetzt für uns losgeht. Alle Spieler sind fit. Mesut Özil hat zwei Extra-Einheiten gemacht. Zur Startelf habe ich noch ein, zwei Überlegungen im Kopf. Wie die aussehen, muss ich aber erst heute Abend mit der Mannschaft besprechen." Benjamin KrausJune 16, 2018 at 11:55 AM Eben eine Verwarnung von der FIFA-Frau kassiert, weil ich ein Foto vom Podium machen wollte. Geht ja auch nicht, ein Bild von Löw. Benjamin KrausJune 16, 2018 at 11:57 AM Löw über Neuer: "Alles ist da: Beweglichkeit, Ausstrahlung, fußballerische Qualität. Es ist der Manuel Neuer, den wir kennen." Er wird also spielen. Benjamin KrausJune 16, 2018 at 12:00 PM Löw: "Man spürt, dass der Pegel der Anspannung bei allen Spielern steigt. Wir wollen ein Zeichen setzen gegen Mexiko. Den Anspruch haben wir, das erste Spiel zu gewinnen" Benjamin KrausJune 16, 2018 at 12:01 PM Löw über Draxler: "Julian hat beim Confed Cup nochmal eine Entwicklung gemacht bezüglich seiner Gradlinigkeit. Er kann der Mannschaft viel geben." Ob der PSG-Spieler in der Startelf steht, hat er nicht verraten. Benjamin KrausJune 16, 2018 at 12:07 PM Löw spricht über die Mitfavoriten: Spanien, Frankreich, Brasilien, Deutschland, auch England. "Andere Mannschaften haben in der Ausbildung einiger Spielertypen sehr viel aufgeholt" Benjamin KrausJune 16, 2018 at 12:09 PM   Letzte Antwort zur deutschen Mentalität: "Wir haben bisher in den ersten Spielen immer unsere Leistung auf den Platz gebracht. Wir haben die Vorbereitung immer aufs erste Spiel ausgerichtet. Ich bin guter Dinge, dass wir auch diesmal wieder voll fokussiert sein werden" Benjamin KrausJune 16, 2018 at 12:13 PM   Das war es von der PK - so semi-erhellend. Gut, dass morgen für Deutschland auch endlich der Ball rollt. Wir lenken den Fokus jetzt aufs Fanfest. Falls man dort Fotos machen darf, gibt es hier Eindrücke in Bild und Ton. Bis später! Benjamin KrausJune 16, 2018 at 12:40 PM   Da drüben ist es - das FIFA-Fanfest. Bemerkenswert: Die schicke Gondelbahn, die Fest und Stadion über die Moskwa perfekt verbinden würde, hatte noch nie geöffnet. Sie steht stets - russische Sicherheits-Philosophie. Benjamin KrausJune 16, 2018 at 12:43 PM   Follow the Moskwa... Benjamin KrausJune 16, 2018 at 1:05 PM   Sporteinheit in der Mittagssonne. Sollte es Klagen über mangelnde Stimmung auf dem Fanfest geben, liegt das daran, dass die Leute nach dem Hochlaufen auf die Sperlingsberge schon platt sind. Benjamin KrausJune 16, 2018 at 1:09 PM   Bild des Tages. Der Motor läuft bei der Maschine, der Typ hinten steht in Badehose bei den Polizisten. Benjamin KrausJune 16, 2018 at 1:10 PM   Skyline Moskau Benjamin KrausJune 16, 2018 at 1:14 PM   Vorbereitungen Benjamin KrausJune 16, 2018 at 1:23 PM   Skyline2 - das Luschniki-Stadion Benjamin KrausJune 16, 2018 at 1:25 PM   Hier das WM-Studio der russischen TV-Kollegen von "Match!", die jene Skyline stets im Hintergrund der Gäste zeigen Benjamin KrausJune 16, 2018 at 1:28 PM   Security-Check Benjamin KrausJune 16, 2018 at 1:34 PM   Angekommen - Zwischenstand zwischen Opa und dem ABC 1:1. Benjamin KrausJune 16, 2018 at 1:37 PM   Netter Hintergrund - noch gemütlich gefüllt. Ist ja noch früh am Tag. Benjamin KrausJune 16, 2018 at 2:10 PM   Was man mit Kaneraperspektive alles machen kann - hier sieht es aus wie bei der Nature One, der DJ gibt auch entsprechend Gas, da gerade Spielpause ist Benjamin KrausJune 16, 2018 at 2:11 PM   Wobei man in der Tat zugeben muss - Es wird voller. Benjamin KrausJune 16, 2018 at 2:14 PM   Aktuell die Argentinier hier auf der Fanmeile in Moskau klar in der Überzahl. Aber ein paar Isländer sind auch da. Könnte eine gute Nummer werden gleich Benjamin KrausJune 16, 2018 at 2:32 PM   Da! (Wie wir Russen sagen) Deutschland ist auch am Start Benjamin KrausJune 16, 2018 at 2:42 PM   Mexiko ist auch am Start Benjamin KrausJune 16, 2018 at 8:24 PM   Ja wir sind noch da Benjamin KrausJune 16, 2018 at 8:25 PM   Ja, auch abends ist hier was los Benjamin KrausJune 17, 2018 at 1:22 PM   Abschließende Eindrücke vom Fan-Fest - tagsüber Benjamin KrausJune 17, 2018 at 1:23 PM   ...und bei Abendstimmung Benjamin KrausJune 17, 2018 at 1:24 PM   So, Matchday: Jetzt geht es ins Luschniki-Stadion zum Auftaktspiel der Nationalmannschaft gegen Mexiko. Wir lesen uns ab 15 Uhr... Benjamin KrausJune 17, 2018 at 1:28 PM   Mexiko ist bereit Benjamin KrausJune 17, 2018 at 1:50 PM   Auf dem Weg nach Luschniki... Benjamin KrausJune 17, 2018 at 2:43 PM   Gut drauf: Die Damen des Biersponsors vor dem Stadion Benjamin KrausJune 17, 2018 at 2:44 PM   Was die beiden genau hier machen, weiß ich nicht. Interessanter Kleidungsstil liegt aber vor. Benjamin KrausJune 17, 2018 at 2:52 PM   Was die FIFA vor allem kann: Laut. Hier vor dem Stadion eine der vielen Animationsbühnen. Die Mexikaner findens gut. Benjamin KrausJune 17, 2018 at 3:10 PM   Blick ins Stadion. Die Ruhe vor dem Sturm Benjamin KrausJune 17, 2018 at 4:24 PM   Mexiko hat heute mit Sicherheit kein Auswärtsspiel Benjamin KrausJune 17, 2018 at 4:30 PM   Aus Osnabrück heute vor Ort: Henning Niemann (Mitte) und Daniel Klostermann. Die beiden aus Schledehausen sind mit dem Fanclub Nationalmannschaft unterwegs. Mehr dazu zu gegebener Zeit - jetzt erst einmal viel Spaß beim Spiel! Benjamin KrausJune 17, 2018 at 4:41 PM Auf geht's ab gehts Benjamin KrausJune 17, 2018 at 10:05 PMJo, der Auftakt ging mal schön in die Hose. Aber eine letzte Hoffnung gibt es noch... Benjamin KrausJune 17, 2018 at 10:07 PMHier ist die Einzelkritik aus Moskau zum dann doch eher pomadigen Auftritt der Nationalelf.Benjamin KrausJune 18, 2018 at 9:24 AM   Guten Morgen! Hier die Reaktionsgeschichte von gestern Abend. Was ehrlich gesagt am meisten überrascht hat: dass alle offenbar so überrascht waren von den Mexikanern...www.noz.deBenjamin KrausJune 18, 2018 at 10:46 AM   Beim DFB heisst es heute übrigens: Schotten dicht! Keine Termine für Medien, kein offizielles Training. Sogar die schon angekündigte PK mit Philipp Lahm zur EM-Bewerbung 2026 wurde abgesagt. Zu gross ist wohl die Angst, dass diese in ein negatives Licht fällt angesichts der sportlichen Krise und der auch damit noch nicht ausgeatandenen Causa Özil/Gündogan/Erdogan Benjamin KrausJune 18, 2018 at 10:48 AM Aber wir sind ja flexibel und können reagieren: auf zum Leningrader Bahnhof, zum Besuch der Osnabrücker Partnerstadt Twer, die etwa eine Stunde und 45 Minuten mit der Lastotschka (regionalbahn) vor den Toren Moskaus auf dem Weg nach St. Petersburg liegt Benjamin KrausJune 18, 2018 at 10:50 AM So präsentiert heute die Gratiszeitung in Moskaus Metro den Sieg Mexikos gegen Deutschland Benjamin KrausJune 18, 2018 at 10:53 AM Am Leningrader Bahnhof, wo die Orientierung schon schwieriger ist, weil es abseits des Zentrums fast keine Schilder und Hinweistafeln in nicht-kyrillischer Schrift gibt. Hier schreibe ich nun meinen Nachdreher-Text zum Spiel. Benjamin KrausJune 18, 2018 at 8:55 PM Guten Morgen! So sieht Twer von oben aus Benjamin KrausJune 18, 2018 at 9:02 PMTag sechs in Russland: Reaktion wie im Film

Auch in Russland machen Securitys nur ihren Job. Aber konsequenter und cooler als die Deutschen, wie ich in Moskau erlebe.

Zufahrt zum Teamquartier der Nationalelf. Am Eingang überstehen wir Check der Akkreditierungen, Unterboden-Prüfung des Autos per Spiegel, Blick in die Laptoptaschen im Kofferraum. Fünf Minuten dauert die Nummer, dann das Problem: Unser Autokennzeichen steht nicht auf einer handschriftlich verfassten Liste, mit der ein Wachmann hinter der Schranke herumfuchtelt.

An den Tagen zuvor gab es keine Liste. So pocht unser Fahrer, ein Kollege, der seit etwa 1986 alle großen Turniere mitgemacht hat, aufs Prinzip. Zuletzt habe er stets drinnen geparkt, der riesige Parkplatz hinter der Schranke sei völlig leer. Als die Argumente nicht verfangen, setzt er auf Aussitzen. Denn der Druck steigt: Hinter uns begehren inzwischen 15 weitere Autos Einlass – sie blockieren auf der gut befahrenen Straße vor der Einfahrt den Verkehr.

Das löst ein riesiges Hupkonzert aus . Als die ersten Leute ungehalten aussteigen und zu uns kommen, erklären wir das Problem und zeigen auf die Wachleute. Deren Reaktion aber ist filmreif und grandios . Sie schieben sich Sonnenbrillen vor die Augen und gucken demonstrativ in die andere Richtung, als ginge sie das alles nichts an.

Wir geben auf und parken draußen – in der einzigen noch freien Parkbucht an der Straße. So haben wir Glück: Viele Kollegen hinter uns stehen auch nicht auf dieser dubiosen Liste, sie parken wild. Als wir nach getaner Arbeit zurückkommen, werden ihre Autos gerade abgeschleppt – die Rangierarbeiten dazu lösen erneut ein Verkehrschaos aus. Die Wachmänner hinter den Sonnenbrillen haben ein leichtes Grinsen auf den Lippen. Und drinnen kehrt ein einsamer Hoteldiener seelenruhig den leeren Parkplatz.Benjamin KrausJune 18, 2018 at 9:02 PMDer Kurz-Kommentar zum Ausscheiden der Nationalelf, verfasst nach Spielschluss am SonntagSelten hat eine Deutsche Nationalelf so verdient ein WM-Spiel verloren wie gegen Mexiko. Trotz allen Talents und aller Technik: Es reicht nicht, den Ball ein bisschen durch die Reihen laufen zu lassen. Konsequentes Halten der Position, um der Elf Stabilität zu geben? Kaum zu sehen, vor allem nicht bei Joshua Kimmich und Timo Werner. Sprints am Limit, wie sie Mexiko zeigte? Kaum zu sehen, vor allem nicht bei Toni KroosoderMesutÖzil. Die Elf aus Weltmeistern und Confed-Cup-Siegern hat Riesen-Potenzial – gestern war sie eine Ansammlung satter Weltstars und undisziplinierter Jungstars.Ins Bild der BräsigkeitpasstdieArtundWeise, wie sich alle von MexikosKontertaktik überraschen ließen. Bundestrainer Joachim Löw hatte zuletzt betont, wie viele Teams ihreGegner inzwischen früh anlaufen. Nun aber kein Mittel gegen den guten alten Betonriegel plus Umschaltspiel zu haben kann nicht der AnsprucheinesTopteams sein. Und jetzt? Werden wir die Beschwörung des Geistes von Sotschi aus 2017 erleben. Erfolgt aber auf dem Platz keine klare Steigerung, sehen wir wohl schon gegen Schweden das Ausscheiden eines amtierenden Weltmeisters. Es wäre selbst verschuldet – aber keine Überraschung mehr.Benjamin KrausJune 18, 2018 at 11:53 PMHier die abgehängte Analyse zum missratenen Auftakt der deutschen Elf: Was fehlt und was es braucht.Benjamin KrausJune 19, 2018 at 12:36 AM Hallo aus Twer, der Partnerstadt Osnabrücks. Wir begeben uns auf WM-Spurensuche in der russsichen Provinz Benjamin KrausJune 19, 2018 at 12:37 AM Schön ist es hier Benjamin KrausJune 19, 2018 at 12:39 AM ...auf der Wolga Benjamin KrausJune 19, 2018 at 12:40 AM ...in der auch gebadet wird. Benjamin KrausJune 19, 2018 at 12:40 AM Schön ists im Stadtpark. Und die WM? Benjamin KrausJune 19, 2018 at 12:41 AM ...hier im Stadtpark Benjamin KrausJune 19, 2018 at 12:51 AM ...bei diesen Mädels im Stadtpark... Benjamin KrausJune 19, 2018 at 12:55 AM Und hier WM-Fieber beim Public Viewing. Zugegeben - Dienstag, wenn die Russen wieder spielen, wird mehr los sein als am Montagabend bei den Engländern Benjamin KrausJune 19, 2018 at 3:54 AM Public Viewing in gemütlich Benjamin KrausJune 19, 2018 at 5:54 AM Fazit: Das WM-Fieber in der Provinz - genauer: in Osnabrücks Partnerstadt - eskaliert jetzt nicht unbedingt völlig. Aber die Leute nehmen schon Notiz von dem Weltereignis. Mehr dazu in ein paar Tagen an dieser Stelle. Benjamin KrausJune 19, 2018 at 7:59 AM Guten Morgen aus Twer. Auf zum Einsatz in einen neuen Tag! Erste Aufgabe: Pünktlich die Kreuzung räumen.... Benjamin KrausJune 19, 2018 at 1:02 PMTag sieben in Moskau: Stau gehört einfach dazu

Moskau ist Staustadt – auf allen Straßen und Wegen. Wie ich feststelle, tun Moskowiter alles dafür, dieses Image zu pflegen.

Als wir auf der Autobahn bei überraschend fließendem Verkehr raus in Richtung Watutinki fahren, kann ich nicht glauben, was ich auf der Gegenfahrbahn sehe: ein quer über allen drei stadteinwärts führenden Spuren stehender Lkw. Aber nicht, weil der Fahrer einen Unfall gebaut oder sonst wie die Kontrolle über sein Gefährt verloren hat.

Der Fahrer ist absolut aktiv am Steuer: Er versucht, sein tonnenschweres Gefährt rückwärts aus einer Baustellengrube zu rangieren – direkt auf die Autobahn. Klar sichert jemand dieses riskante Manöver ab: Aber kein Verkehrspolizist oder sonst irgendein Offizieller, sondern auch nur ein Arbeiter. Der muss inzwischen die heranfahrenden Autos gar nicht mehr warnen. Sondern er hält nur stoisch mit beschwichtigenden Gesten das Hupkonzert aus. Hinter dem Lkw hat sich ein drei Kilometer langer Stau gebildet.

Auf diese Weise Chaos produzieren? In Deutschland undenkbar, in Moskau guter Ton. Etwa, wenn sich die Autobahn ungefähr alle zwei Kilometer am Moskauer Stadtring teilt und alle sich erst in letzter Sekunde auf die richtigen Fahrspuren einfädeln – vor allem, wenn diese schon voll sind. Manöver, die letztlich alle Spuren verstopfen. Die Folge: der komplette Verkehrsinfarkt.

Aber der Moskowiter muss als Stauproduzent kein schlechtes Gewissen haben. Die Polizei geht mit schlechtem Beispiel voran. So herrscht an den Zugängen zum Roten Platz jeden Tag ein anderes Sicherheitskonzept. Einzige Gemeinsamkeit: Nachvollziehbar für Besucher ist es nie. Stets sind mindestens 60 Prozent der Wege gesperrt, mal diese, mal jene – mal alle. Dass man einen Kilometer läuft und dann komplett zurückgeschickt wird, ist völlig normal.

Wer bei den Sicherheitsleuten nach Gründen für die Sperrung oder dem besten noch offenen Weg fragt, erntet kein Mitgefühl – nur ein gleichgültiges Achselzucken. Ähnlich verhält es sich übrigens, wenn man ungeduldig wird in einer etwas längeren Schlange an der Essens- und Getränkeausgabe, was neben den Deutschen vor allem den Mexikanern ganz gern passiert. Aber es ist nicht so, dass sich das Thekenpersonal davon irgendwie aus der Ruhe bringen ließe.

Die Ungeduld der Menschen ob der Zeitverzögerungen ist aber trotzdem zu spüren – bei Touristen und bei Einheimischen. Logisch, dass sie dann mit ihren eigenen Waffen zurückschlagen.Benjamin KrausJune 19, 2018 at 3:28 PM Und weiter geht die Reise: Otkrytie Arena (Spartak-Stadion), Polen gegen Senegal Benjamin KrausJune 19, 2018 at 3:56 PMHier die angekündigte Geschichte über die beiden Osnabrücker WM-Fahrer Henning Niemann und Daniel Klostermann von den Sportfreunden Schledehausen.Benjamin KrausJune 19, 2018 at 5:01 PM Vor dem Einlauf der Teams Benjamin KrausJune 19, 2018 at 5:04 PM Krasser Platz heute - vierte Reihe. Hier bekommt man einen guten Eindruck vom hohen Tempo des Fussballs auf Weltniveau Benjamin KrausJune 19, 2018 at 6:05 PM Meinen die Kollegen das ernst??? Benjamin KrausJune 20, 2018 at 12:01 AM Adieu von Spartak - aus der gleichnamigen Metro-Station. War ein schönes Spiel! Benjamin KrausJune 20, 2018 at 12:09 AM Nochmal ein kleiner Schwenk nach Twer: Das Publikum beim Public Viewing war diesmal deutlich größer... Benjamin KrausJune 20, 2018 at 12:12 AM ...und der Jubel ob des zweiten Sieges im zweiten Spiel auch. Russland steht so gut wie im Achtelfinale - das kann nur gut sein für das Turnier. Benjamin KrausJune 20, 2018 at 12:12 AM Auf dem Rückweg zum Hotel hier in Moskau sehe ich viele freudige Menschen und sogar den einen oder anderen Autocorso - erwacht da etwa langsam ein schlafender Fußball-Fan-Riese? Benjamin KrausJune 20, 2018 at 12:20 AM Benjamin KrausJune 20, 2018 at 12:25 AM Benjamin KrausJune 20, 2018 at 5:03 AMTag acht in Moskau: Ringe in den Augen

Alles dreht sich – beim Blick auf den Metroplan, stelle ich fest. Der Besuch in Moskaus Wodkamuseum hat damit nichts zu tun.

In Madrid habe ich einst den dämlichsten Streit aller Zeiten angefangen. Ob der Frage, welche Ringbahn wir nehmen. Ich wollte rechts herum, meine Begleitung links herum. Wir debattierten, ließen drei Züge fahren. Dann merkten wir: Es ist egal. Wir mussten so oder so acht Stationen überwinden, den Halbkreis fahren – von elf nach fünf Uhr oder andersrum.

Moskau ist herausfordernder angesichts der Ziele Wodka-Museum und Spartak-Stadion. Ersteres ist im Kreml von Ismailovo – am äußeren Metroring. Letzteres ist über den inneren Ring zu erreichen. Und ich will pünktlich zum Anstoß in der Otkrytije-Arena zum Polen-Spiel sein.

Es klappt, obwohl sich ob der Ringe kurz alles dreht vor meinem Auge. Die Verköstigung am Ende der Museumsrunde ist daran unschuldig: Es gibt keinen Hochprozentigen, nur eine Kräuter-Mischung . Zumindest habe ich die Dame so verstanden, die das Pinneken gefüllt hat.

Spaß hatte ich schon zuvor, beim Lesen der Erklärtexte zu den Devotionalien in den Vitrinen. Zuerst ist aus meiner Sicht alles korrekt dargestellt: Wodka, erfunden von Polen, kultiviert von Russen, reglementiert in der Produktion durch Sowjets. Als die jüngere Zeit Thema ist, kann ich mir aber ein Lachen nicht verkneifen. Gorbatschow war unfähig, dazu ein schlechter Mensch, entnehme ich sinngemäß der Tafel – und wie kam er auf die Schnapsidee, die Abgabe ans Volk zu rationieren? Dass Jelzin wieder alles freigab, sei auch Mist gewesen angesichts seiner Sauferei und der Tatsache, dass Alkoholismus in Russland weiter ein Problem ist. Unter Putin gebe es nun Stabilität, endet der Text – ohne Erklärung, in welcher Hinsicht.

Na dann: Nasdrovje!Benjamin KrausJune 20, 2018 at 11:03 AM Gemütlicher Arbeitsplatz in der Sonne vor der Partie Portugal vs. Marokko. Noch drei Stunden bis zum Anpfiff Benjamin KrausJune 20, 2018 at 12:11 PMNachgereicht: Die Analyse zur Niederlage der Polen gegen den Senegal von heute aus der ZeitungBenjamin KrausJune 20, 2018 at 12:41 PM Erkenntnisse aus der ersten Woche zur Stimmung in Moskau: Die WM passt perfekt zur Stadt: Beide kommen lärmend und laut daher. Beim Fanfest auf den Sperlingsbergen werden bei den Liveübertragungen auf den Leinwänden die Mikrofone bis zum Anschlag aufgedreht. Auch die in den Pausen auf der Bühne performenden Musiker hört man noch unten am Ufer der Moskwa. Ihre Spannbreite ist groß: Vom House-DJ mit wummernden Bässen bis zum in die Jahre gekommenen Schmalzlocken-Sänger, der als russische Mischung von Udo Lindenberg und Jürgen Drews durchgeht. Den Fans aus Südamerika – klar in der Überzahl  - sind die Stilbrüche egal: Sie feiern alles. Benjamin KrausJune 20, 2018 at 12:42 PM Ruhiger lassen es viele einheimischen Anhänger angehen: Wie Slawa, seine Frau Olga (ganz links) und die beiden Kinder (rechts), die interessiert das bunte Treiben auf dem Fanfest betrachten. „Es ist toll, all die Leute aus der ganzen Welt zu sehen“, sagt Slawa, der als Anwalt im Ölsektor arbeitet, also zur Finanzelite gehört. Dafür, dass er neben dem Wikingerhelm ein HSV-Trikot trägt, entschuldigt er sich fast: „Ich fand das Team um Rafael van der Vaart gut.“ Dass Hamburg abgestiegen und im DFB-Pokal wieder an einer Kleinstadt namens Osnabrück gescheitert ist, wusste der Moskowiter gar nicht. Die WM ist wichtiger: Den 5:0-Auftaktsieg der Russen hat er im Luschniki-Stadion erlebt, jetzt will er an Tickets für das Achtelfinale in Nishni Nowgorod kommen. Benjamin KrausJune 20, 2018 at 12:43 PM Körperkult auf dem Fanfest? Klar. Wenn die Sonne auf das Areal brennt, verzichten zumindest die an Armen und Oberkörper trainierten Fans aufs Trikot am Körper. Die Tattoo-Dichte steigt dann – so ist das beim Fußball. Wer nicht mithalten kann, improvisiert: So wie Svetlana Kuzuvova. Die Lehrerin aus Moskau lässt sich auf dem Weg zum Fanfest von ihrer Freundin schnell die russische Flagge auf den Oberkörper malen. Auf die Bitte, ein Foto davon machen zu dürfen, sagt sie: „Nur, wenn Ihr meinen Instagram-Account puscht.“ Wir recherchieren ihn und lesen: „Natural blonde with brain.“ Wer mag da widersprechen? Benjamin KrausJune 20, 2018 at 12:43 PMDie Kneipenmeile in Moskaus Innenstadt zwischen Arbat und Kreml ist der zweite Hotspot für die WM-Besucher aus aller Welt: Bis in die tiefe  Nacht hinein feiern dort Fans aus aller Welt die WM, das Leben und sich selbst. Fast schüchtern betrachten Uliana und Elena aus einem Straßencafé die Szenerie: Die beiden Frauen sind aus der 30 Kilometer entfernten Vorstadt Puschkino ins Zentrum gekommen, „um die WM-Atmosphäre zu erleben, von der im Fernsehen alle reden.“ Immer wieder deuten die etwa 30-jährigen Frauen amüsiert auf neu auftauchende kostümierte Besucher. Das Fußball-Fest der Völker fasziniert.Benjamin KrausJune 20, 2018 at 3:05 PM Spiel vier, Portugal gegen Marokko - letztmals fürs erste im Luschniki, bevor es morgen in den Süden des Landes geht. Benjamin KrausJune 20, 2018 at 5:33 PM Ein Soldaten-Spalier für die abfahrenden Fans vor der Metro-Station. Benjamin KrausJune 21, 2018 at 12:18 AM Benjamin KrausJune 21, 2018 at 1:07 AMTag neun in Russland: Mit dem Zug in den SüdenVerkehrte Welt bei der WM, finde ich: Russland hängt Deutschland leistungstechnisch ab. Nachher folgt die Probe aufs Exempel.Erst habe ich darüber gelacht, nun habe ich nur noch Spott dafür übrig: für seit Jahren von Institutionen des öffentlichen Nah- und Fernverkehrs in Deutschland immer wieder vorgebrachte, aber nie gehaltene Versprechungen, den Service bezüglich freier und stabiler Internetzugänge zu verbessern.Was ist eigentlich gerade Status bei der Deutschen Bahn? Gefühlt ist Free WiFi wegen technischer Probleme verschoben auf 2025. Einführung dann auf ausgewählten Strecken. In jedem vierten Waggon hinter dem Speisewagen und nur abseits von Tunneln und sonstigen Hindernissen wie dicken Schaffnern, die den Antennen-Einstrahlungssektor blockieren. Hinweis-Durchsage: „Im Falle einer umgekehrten Wagenreihung suchen Sie mit dem mitgebrachten Geigerzähler nach Netzausschlägen.“Wer Internet als Neuland betrachtet, festigt seinen Status als digitales Entwicklungsland – analog zur bisherigen sportlichen WM-Ausbeute haben uns die Russen hier meilenweit abgehängt. Wer von einem Moskauer Flughäfen mit dem Zug in die Stadt fährt, bekommt darin sofort den freien W-Lan-Zugang angeboten: kostenlos ins Internet. In allen Stadien, Restaurants, Hotels und in der Metro im Großraum Moskau dasselbe Programm: stabile, schnelle W-Lan-Verbindungen. Auch das Handynetz mitsamt der mobilen Daten funktioniert hier.So wage ich mich nun ans Experiment: Digitale Live-Berichterstattung von Zugreise nach Sotschi, wo die Nationalelf am Samstag antritt. 24 Stunden lang geht die Fahrt über 1600 Kilometer durch das riesige Land. Start ist ab 10 Uhr. Wer wissen will, wie lange das Netz hält, liest hier gerne nachher ein bisschen mit.Benjamin KrausJune 21, 2018 at 9:10 AM Angekommen am Kassler Bahnhof. Und jetzt? Wird's spannend Benjamin KrausJune 21, 2018 at 9:16 AM Gefunden. Drei Sperren und vier Durchsuchungen später. Mal Sehen, ob mein Ticket gilt... Benjamin KrausJune 21, 2018 at 9:18 AM Oben links auf der Tafel steht übrigens "Adler" - der Stadtteil von Sochi. Da will ich hin. Benjamin KrausJune 21, 2018 at 9:22 AM Das Publikum: eher so der klassische Russland-rReisende. Auf den ersten Blick eher wenige WM-Fans aus dem Ausland. Also ein klassisches Russland-Erlebnis. Benjamin KrausJune 21, 2018 at 9:35 AM Das wird spannend - mein Name steht nicht auf der Liste. Die Sprecherin verschwindet mit meinem Ticket samt Reisepass irgendwo im Gewusel... Benjamin KrausJune 21, 2018 at 9:35 AM Hier kommt keiner einfach so rein Benjamin KrausJune 21, 2018 at 9:57 AM  Abfahrt - hat doch noch geklappt. Frau Nummer drei hat mich durchgewinkt - ich glaube, sie hat einfach aufgegeben. Benjamin KrausJune 21, 2018 at 9:59 AM   Das ist meine Bleibe für die nächsten 24 Stunden. Unten ist Sergej, der mit seiner Frau Sveta und seinem Sohn auch zum Spiel fährt Benjamin KrausJune 21, 2018 at 10:39 AM   Digitale Informationen Benjamin KrausJune 21, 2018 at 10:40 AM   Wir passieren die Vororte von Moskau. Es wird grüner und dünner besiedelt. Benjamin KrausJune 21, 2018 at 12:10 PM   So sieht es im Zug aus Benjamin KrausJune 21, 2018 at 12:12 PM   Der Bahnhof Benjamin KrausJune 21, 2018 at 12:13 PM   Erster Stopp: Ryazan Benjamin KrausJune 21, 2018 at 2:25 PM   Zweiter Stop - eher keine richtige Station 😂 Benjamin KrausJune 21, 2018 at 2:31 PM   2. Station: Mitschurinsk Benjamin KrausJune 21, 2018 at 4:56 PM   Grüße aus Woronesch Benjamin KrausJune 21, 2018 at 4:59 PM   Magnus (links) und Karl hier im Speisewagen kommen aus Norwegen, sind aber Schweden. Sie glauben an die Chance ihres Teams am Samstag. Benjamin KrausJune 21, 2018 at 5:58 PM   Zwischenstop irgendwo im Nirgendwo. Versorgung wird gesichert Benjamin KrausJune 21, 2018 at 6:01 PM   Bahnhof-Sonnenuntergang-Stimmung. Ein Drittel der Strecke ist geschafft. Liski soll das hier heißen. Benjamin KrausJune 22, 2018 at 9:33 AM   Guten Morgen vom Schwarzen Meer. Benjamin KrausJune 22, 2018 at 9:35 AM   Das sind Magnus und Sohn Fabian - Schweden, die in Oslo/Norwegen leben und auch zum Spiel fahren - und wie Gabians Bruder Carl zuversichtlich sind, dass auch gegen Deutschland was geht. Benjamin KrausJune 22, 2018 at 9:35 AM   Dort hinten: Sotschi Benjamin KrausJune 22, 2018 at 9:37 AM   Schon ganz nett hier am Schwarzen Meer - und die Nacht war überraschend ruhig Benjamin KrausJune 22, 2018 at 9:37 AM   Frühstück im Zug Benjamin KrausJune 22, 2018 at 9:42 AM   Steinige Küste hier am Schwarzen Meer - dafür aber mit viel Platz für die Badenden Benjamin KrausJune 22, 2018 at 9:45 AM   Zwischendurch dann aber auch ab und an so Rimini-Style Benjamin KrausJune 22, 2018 at 9:46 AM   Aber mit Fussball-Branding Benjamin KrausJune 22, 2018 at 3:08 PM   Hallo vom Strand in Sotschi-Adler Benjamin KrausJune 22, 2018 at 3:16 PM   Kleiner Rundumblick - hinten im Stadion gleich sie Abschluss-PK der Nationalelf Benjamin KrausJune 22, 2018 at 3:20 PM   Am Stadion. Interessante Zusatztribünen neben der Anzeigetafel. Benjamin KrausJune 22, 2018 at 4:42 PM   Training im Fischt-Stadion. Nicht dabei: Mats Hummels. Er wird auch gegen Schweden mit einer Halswirbelverletztung wohl fehlen. Benjamin KrausJune 22, 2018 at 4:44 PM   Die Ruhe vor dem Sturm morgen Benjamin KrausJune 22, 2018 at 4:49 PM   Blick hinter das Stadion sufs Schwarze Meer Benjamin KrausJune 22, 2018 at 11:34 PM   Fischt@night Benjamin KrausJune 22, 2018 at 11:40 PM   Sieht gut aus - ist aber irgendwie nur eine Hülle. Sochi-Adler um Mitternacht. In Meppen ist um diese Zeit sicher mehr los. Benjamin KrausJune 22, 2018 at 11:53 PM   "Sochi Park" - das ist es, in der Tat. Ein gigantischer künstlicher Freizeitpark Benjamin KrausJune 23, 2018 at 12:07 AM   Absurde Sache: das da unten zu Beginn des Videos (hoffentlich zumindest zu hören) sind Arbeiter, die um 1 Uhr nachts die Mauer der Strandpromenade ausbessern. Rechts ein paar Meter weiter geht die Touri-Musik ab - für vielleicht 15 Gäste, wobei die Lautstärke für das 100fache reicht Benjamin KrausJune 23, 2018 at 12:24 AM   Hotel der Mannschaft. Alles dunlel. Schlafen gehen scheint eine gute Idee zu sein. Benjamin KrausJune 23, 2018 at 12:41 AM1600 Kilometer in einem Text: Hier die Reisereportage vom Trip mit dem Zug von Moskau nach Sotschi.Benjamin KrausJune 23, 2018 at 1:15 AMSo ist die Lage vor dem ersten und hoffentlich nicht letzten Finale der deutschen Mannschaft: Die Vorschau zum Schweden-Spiel in SotschiBenjamin KrausJune 23, 2018 at 1:15 AM Benjamin KrausJune 23, 2018 at 1:38 AM    Klappt es heute mit einem Sieg in Sotschi gegen Schweden: Ganz am Ende des Kurzvideos vom Abschlusstraining gibt es zumindest eine Reaktion auf diese Frage... Benjamin KrausJune 23, 2018 at 1:48 AMReporter unterwegs: Tag1 in SotschiDie lange Zugfahrt nach Sotschi (siehe unten) hat meinen Gleichgewichtssinn gestört. Das habe ich beim Radfahren gemerkt.24 Stunden über russische Bahngleise – da fasst man schon mal wirre Gedanken. Beispiel: Die Russen haben einst nicht aus militärstrategischen Überlegungen breitere Spurweiten bei ihren Bahnschienen gewählt, sondern in weiser Voraussicht. Damit schwankende Doppelstockwaggons des 21. Jahrhunderts bei der Fahrt weniger leicht umfallen.Ab und an hatte ich das Gefühl, dass das gleich passiert, als ich in meiner Koje die Wackelei massivst gespürt habe. Später half sie mir beim Einschlafen, in der Nacht ist sie wohl in meinen Körperkreislauf eingedrungen. So die Erklärung für die Ereignisse, als ich in Sotschi am Bahnsteig wieder festen Boden unter den Füßen betreten habe.Erst habe ich die Schaffnerin angerempelt. Dann habe ich eine am Boden stehende Bierflasche umgetreten. Später bin ich mit dem Knie an einem weit sichtbaren Begrenzungspoller hängen geblieben. Ich habe beim Laufen offenbar weiter versucht, die Schwankungen im Zug auszugleichen. Plötzlich waren sie weg – und ich lief rum wie ein Betrunkener.Das kann ja lustig werden, dachte ich, als ich am Hotel ein Rad ausgeliehen habe, um über die Strandpromenade zum Training der Nationalelf im Fischt-Stadion zu fahren. Vor allem, als ich gesehen habe, dass neue Wackelei dazukommt: Auf dem Radweg gibt es Bodenschwellen zur Reduzierung der Geschwindigkeit – für Fahrer nervige Hindernisse, die es sonst nur dort gibt, wo reiche Menschen wohnen, die den Durchgangsverkehr vor ihrer Haustür vertreiben wollen.29 dieser Schläge passiere ich auf dem Weg zum Stadion. Als ich ankomme, fühle ich mich vermöbelt wie nach einem Boxkampf.Benjamin KrausJune 23, 2018 at 12:27 PM   Mittagspause für die Nationalspieler: Joshia Kimmich und Antonio Rüdiger nutzten das eben für einen kleinen Abstecher zum Strand. Gesehen vom NOZ-Reporter unterwegs Benjamin KrausJune 23, 2018 at 12:35 PM   Kimmich übrigens dabei mit zwei Meter Abstand zu Rüdiger. Man könnte böswillig sagen: Schon wieder eine nicht gut gelungene Raumaufteilung. Aber lassen wir den Spott. Heute Abend gilt es. Benjamin KrausJune 23, 2018 at 2:27 PM Grüsse vom Strand. Und... Benjamin KrausJune 23, 2018 at 2:29 PM ...Grüsse von den Osnabrücker Fans der Nationalelf um Christian Hempen aus Belm (Rechts, 2. von vorn) - Story to come in diesem Kanal. Benjamin KrausJune 23, 2018 at 3:05 PM   Eine schöne Stimmung nun tagsüber am Strand: Normale Touristen sowie Fussballfans aus aller Welt - vornehmlich aus Schweden, aber auch aus Deutschland - baden im Meer oder hängen in den Strandbars ab, um Fussball zu schauen. Benjamin KrausJune 23, 2018 at 7:22 PM So liebe Freunde, jetzt wird es ernst. Do or die, 1/6. Auf gehts. Benjamin KrausJune 24, 2018 at 1:24 AMWow, was für ein Spiel. Hier kommen ein paar unsortierte erste Gedanken, als Blitz-Kommentar direkt am Samstagabend.Benjamin KrausJune 24, 2018 at 3:53 AM Frage: Wohin geht es wohl als Nächstes? Benjamin KrausJune 24, 2018 at 4:15 AM Das Gewitter, das sich schon tagsüber über Sotschi angekündigt hat, entlud sich nun recht heftig in der Nacht. Am Flughafen ist alles nass - der Kurort verabschiedet mich mit viel Wasser. Benjamin KrausJune 24, 2018 at 8:39 PM Das dürfte die kleinste Maschine sein, mit der ich je geflogen bin: Auf mit 50 Mitreisenden im Propellerflugzeug nach Wolgograd! Benjamin KrausJune 24, 2018 at 8:40 PM Angekommen im ehemaligen Stalingrad - ein geschichtsträchtiger Ort des 2. Weltkrieges. Wir sind am Sonntagmorgen die einzige Maschine auf dem Rollfeld. Benjamin KrausJune 24, 2018 at 8:42 PM Ich begebe mich hier für eineinhalb Tage auf Spurensuche auf der Vergangenheit. Motto: Die WM auf dem alten Schlachtfeld von Stalingrad. Vier Spiele finden hier statt, unter anderem am Montag Saudi-Arabien gegen Ägypten und am Donnerstag Polen gegen Japan Benjamin KrausJune 24, 2018 at 8:43 PM Wie hier die "Alte Mühle" ein komplett im Zustand des 2. Weltkrieg erhaltenes Haus. Beklemmend. Benjamin KrausJune 24, 2018 at 8:44 PM Die Einschusslöcher...   Benjamin KrausJune 24, 2018 at 8:45 PMBenjamin KrausJune 24, 2018 at 8:46 PM   Verkehrsansicht mit O-Bus.   Benjamin KrausJune 24, 2018 at 8:47 PM Verkehrsansicht Eisenbahn, hinten auf dem Berg die große Gedenkstatue "Mutter Heimat". Die werden wir morgen besuchen. Benjamin KrausJune 24, 2018 at 8:48 PM Hier das Stadion in Wolgograd. Im Medienarbeitsbereich habe ich am Sonntag sechs Stunden verbracht, um die Geschichten zum dramatischen 2:1-Sieg der Nationalelf zu schreiben. Benjamin KrausJune 24, 2018 at 8:51 PMEtwa diese hier über Timo Werner, der nach der Partie ein paar interessante Sachen gesagt hat.Benjamin KrausJune 24, 2018 at 8:52 PMHier die Einzelkritik von gestern: Reus und Werner die Besten, Müller und Boateng fielen eher ab.Benjamin KrausJune 24, 2018 at 8:54 PMUnd hier eine kleine Story zu den Auftritten von Sebastian Rudy - überraschend drin, schnell wieder raus - und Marco Reus, der bei seiner WM-Startelf-Premiere gleich traf.Benjamin KrausJune 24, 2018 at 9:01 PM Die Alte Mühle. Morgen geht es weiter auf Spurensuche in der Stadt Wolgograd, am Nachmittag dann zum Fußball. Mehr dann hier auf diesem Kanal. Benjamin KrausJune 24, 2018 at 9:34 PM Gute Nacht aus Wolgograd   Benjamin KrausJune 24, 2018 at 11:49 PMTag zwölf  in Russland. Der Rückblick auf Sotschi.Ist das Kunst? Oder kann das weg? Das habe ich mich nicht nur einmal in zwei Tagen in Sotschi-Adler gefragt.Wahnsinn, was die hier hingebaut haben. Aber auch Wahnsinn, was von alledem langfristig nicht genutzt wird. So meine Gedanken, als ich durch den Olympiapark laufe. Für die Winterspiele 2014 auf demselben Breitengrad wie Nizza am Mittelmeer – ein absurdes Projekt – haben sie ein 650 Millionen Euro teures Stadion hingestellt. Und nun zur WM für 54 Millionen Euro umgebaut, für sechs Fußballspiele nach FIFA-Regularien. Bevor angesichts eines fehlenden Profifußballklubs bald ein Zweitligist aus St. Petersburg dorthin verpflanzt wird.Ungenutzt daneben thront die Curlinghalle, auch viele Häuser im olympischen Dorf stehen leer. Aushänge mit Angeboten zeigen an: Sie finden keinen Käufer. Leben soll der Freizeitpark ins Viertel bringen. Er steht für das, was den Touristenort Sotschi-Adler charakterisiert: Kitsch. Viel bunt blinkende Kulisse, kaum Substanz dahinter.Dazu passen die nach 23 Uhr fast leeren Beachbars an der Strandpromenade, deren Musikboxen dennoch so viel Lärm fabrizieren, als würden Tausende eine wilde Party feiern. Echtes Leben auf den Straßen gibt es nur im alten Ortskern jenseits des Flusses Msymta und im 30 Kilometer entfernten Sotschi-Stadt. Adler bleibt ein Kunstprodukt. Hauptbeschäftigung der am Strand urlaubenden Russen: Ideale Fotos von ihren durchtrainierten (Männer) und gebräunten (Frauen) Körpern für die sozialen Netzwerke schießen. Alles Fassade halt.Aber ich will nicht zu sehr lästern. Sotschi-Adler hat mir Sonne, Strand, ein Bad im Meer, großartige Begegnungen und ein überragendes Fußballspiel geschenkt. Nun ist der grüne Haken dran. Und jetzt, frei nach Oliver Kahn: Immer weitermachen.Benjamin KrausJune 25, 2018 at 11:48 AM Hallo aus Wolgograd. Hier eine Laterne mit alten Kriegswunden. Benjamin KrausJune 25, 2018 at 11:51 AM Der Obelisk mit dem ewigen Feuer   Benjamin KrausJune 25, 2018 at 3:45 PM Beeindruckend: Die Statue Mutter Heimat. Über 80 Meter hoch, 8000 Tonnen schwer Benjamin KrausJune 25, 2018 at 3:46 PM Blick in die Halle des Ruhmes mit Ehrenwache der Soldaten. Benjamin KrausJune 25, 2018 at 3:47 PM Wir verlassen jetzt vorerst den historischen Pfad der Stadt - später eine längere Geschichte dazu. Jetzt geht es erstmal ins Stadion. Benjamin KrausJune 25, 2018 at 3:56 PM Ägypten gegen Saudi-Arabien. Aussentemperatur etwa 38 Grad. Angemessen für die Teams - sportlich nicht mehr furchtbar relevant. Benjamin KrausJune 25, 2018 at 9:54 PM Auf Wiedersehen Wolgograd - es war beeindruckend.  Benjamin KrausJune 26, 2018 at 3:51 AM Guten Morgen aus Kasan   Benjamin KrausJune 26, 2018 at 3:52 AM Schick hier. Bald mehr. Jetzt geht es erstmal ins Bett nach dem Nachtflug aus Wolgograd. Benjamin KrausJune 26, 2018 at 3:53 AM Zum Sonnenaufgang heisst es: Gute Nacht 😊   Benjamin KrausJune 26, 2018 at 3:16 PM

Mein Trip nach Wolgograd: Party unter der Dusche

Historisch aufgeladen, faszinierend und oft skurril-exotisch: So habe ich Wolgograd erlebt – den heißesten Ort der WM.

Wolgograd ist für mich persönlich ein Ort der Schweißproduktion. Gestern standen 39 Grad auf dem Tacho. Da wollte ich nach getaner Arbeit im Hotel schnell unter die kalte Dusche. Leichter gesagt als getan.

Valeria, eine junge Russin, die mir die Stadt gezeigt hat, kommentierte die folgende Episode so: Du wohnst bei einem Armenier. Für den ist Autowaschen wichtig: Dafür hat er seine Waschanlage vor dem Hotel. Danach kommt das gute Leben: Für das hat er seine Karaoke-Bar – und eben die Party-Dusche.

So kann man sie bezeichnen. Als ich die Kabine betrete, finde ich keine konventionellen Wasserhahn-Armaturen, sondern nur merkwürdige Knöpfe in der oberen Hälfte und futuristisch anmutende Hebel in der unteren. Ich drücke wahllos auf den ersten Knopf: Ein Blitzlicht erzittert über meinem Kopf. Ich drücke links: lila Neonlampen fangen an zu flackern. Ich drücke rechts – und der Schreck fährt mir in die Glieder: Ein Radio geht an, Musik dröhnt aus einer Box in der Decke – und zwar ohrenbetäubend laut, sodass ich fast aus der Duschkabine falle.

Nachdem ich die anderen Knöpfe genutzt habe, um den Loveparade-Sound ein wenig leiser zu stellen, bin ich immer noch keinen Schritt weiter. Wo geht das verdammte Wasser an? Nackt zur Rezeption laufen und nachfragen? Keine Option. Ich drehe, drücke, ziehe und zerre also an den unteren Hebeln – irgendwann überwinde ich den eingebauten Sperrmodus, gegen den eine Kindersicherung in Autos der letzte Dreck ist.

Dass mir das erst nur beim kalten Wasserhahn-Regler gelingt, versteht sich. Wenigstens war ich nach der ganzen Hitze und Aufregung dann deftig abgekühlt.Benjamin KrausJune 26, 2018 at 7:52 PM Der Himmel über Kasan am Abend Benjamin KrausJune 26, 2018 at 7:53 PM Das Programm für morgen Benjamin KrausJune 26, 2018 at 7:55 PM Das ist übrigens die größte Leinwand Europas. Benjamin KrausJune 26, 2018 at 8:00 PM Auf vielfachem Wunsch: hier der Blick in die Partydusche in Wolgograd. Benjamin KrausJune 26, 2018 at 8:05 PM Hier noch ein letzter Einblick in den Gedenkpark Wolgograd: wie sich der russische Krieger schützend vor die Mutter Heimat stellt. Benjamin KrausJune 26, 2018 at 8:11 PM Zurück hierher nach Kasan: Eine für russische Verhältnisse reiche Stadt. Viele leuchtende Glasfassaden, viele Grünflächen, extrem saubere und gepflegte Strassen und Wege. Und in der Tat ein Ort, an dem viele Einflusse aufeinanderprallen: russische, europäische, asiatische. Dazu christliche, orthodoxe und muslimische. Spannend. Morgen gibt es an dieser Stelle mehr Bilder, wenn es wieder hell ist. Gerade eben ist die Sonne schon untergegangen. Benjamin KrausJune 26, 2018 at 11:59 PMRückblick auf Wolgograd: Russische VerhältnisseDen Tag in Gedanken rekapitulieren - das mache ich gerne, wenn ich etwas erlebt habe. Fast hätte ich diesmal deshalb den Flug nach Kasan verpasst.Montagabend in Wolgograd, 22:45 Uhr und die Frage: Wie kann ich mit Bus oder Bahn den Nachtflug nach Kasan um 01:30 Uhr erreichen? Schwierige Recherche angesichts der Tatsache, dass ich hier bisher alles zu Fuß erledigt habe – oder von Valeria im Auto herumgefahren worden bin.Valeria. Jung, hübsch, typisch Russin – oder? Für die 26-jährige, frisch verheiratete und in Wolgograd verwurzelte Frau kommt die Familie an erster Stelle: Der Mann, Eltern und Schwiegereltern, die Verwandten in Weißrussland, die trotz bis zu 30 Stunden Reisezeit regelmäßig besucht wird. Der Fokus auf das Private kennzeichnet viele Russen – vielleicht auch bedingt durch nicht immer einfache politische Verhältnisse.Umgekehrt ist Valeria beeindruckend weltoffen und reflektiert unterwegs: Für ihr Alter, als Bürgerin einer Stadt weitab von Zentraleuropa. Ihr Deutsch ist perfekt, das Umswitchen auf Englisch klappt, als ihre Freundin dazukommt. „Was ich bei vielen meiner Freunde nicht verstehe: Sie wollen alle nach Moskau. Ich frage mich immer: Warum?“, sagt sie. Und das ist nicht typisch russisch.Moskau. Sehnsuchtsort aller Russen, Beschleuniger für Karrieren, Sprungbrett ins internationale Business. Für Valeria steht die Stadt nur für teure Mieten in alten Hochhäusern, Dauerstau, Hektik. Wer mit ihr in der wärmsten WM-Stadt das entspannte Leben in den Parks und an der Wolga-Promenade genossen hat, kann sie verstehen.23:30 Uhr. Meine Gedanken sind abgeschweift, das System aus O-Bussen, Trams und weiteren Fahrzeugen auf drei bis zwölf Rädern werde ich nicht mehr knacken. Ich nehme mir ein Taxi zum Airport. Kasan kann kommen.Benjamin KrausJune 27, 2018 at 2:14 PM Irrfahrt durch Kasan: alle Zufahrten zum Stadion sind gesperrt. Ob wir es pünktlich zum Anstoss Schaffen? Benjamin KrausJune 27, 2018 at 9:08 PM Hätten wir es mal nicht geschafft - hier der Moment, in dem alle Träume der Titelverteidigung unwiderruflich geplatzt sind Benjamin KrausJune 27, 2018 at 9:22 PMMein Kommentar zu den Ereignissen: Deutschland wird hier in Russland keiner vermissen. Arrogant, ignorant, überheblich.Benjamin KrausJune 27, 2018 at 9:23 PMHier der durcheinandergewürfelte Hühnerhaufen in der EinzelkritikBenjamin KrausJune 27, 2018 at 11:59 PMEs gibt aber auch schone Geschichten aus Kasan - etwa über die Zeit, die ich mit dem Belmer Christian Hempen und seiner Truppe erleben durfte. Hier die schon angekündigte Story.Benjamin KrausJune 27, 2018 at 11:59 PMTrotz WM-Aus: Gern wieder nach KasanKasan ist anders: reich, bunt, jung, immer leuchtend, stets attraktiv. Benjamin Kraus hätte nichts dagegen, bei Gelegenheit wiederzukommen.Am späten Abend vor dem Spiel der Nationalelf gegen Südkorea – „Matchday minus one“, im FIFA-Jargon– schickt mir Christian aus Osnabrück über Whatsapp seinen Standort: Er ist nur 500 Meter entfernt und sagt, ich soll in die Fußgängerzone kommen. Es lohne sich. Ich überlege kurz, sage dann zu – und bereue es keine Sekunde.Denn so tauche ich ein in diese wunderschöne Stadt, die europäische, arabische und asiatische Einflüsse genauso vereint wie christliche, muslimische und orthodoxe. Die Fassaden glänzen, die Straßen sind sauber, aber nicht künstlich clean wie etwa in Dubai. Hier tobt Leben vor den prunkvollen Kirchen, die direkt neben Moscheen mit riesigen Minaretten stehen – und keiner regt sich darüber auf. Im Gegenteil: Die Menschen sind stolz darauf.Hier ist Tatarstan, weniger Russland: Das wird mir klar, als wir mit Adeliya ins Gespräch kommen. Die kleine junge Russin erzählt uns von ihrer autonomen Region, die reich ist an Öl- und Gasvorkommen, daher eine starke Position hat im Gebilde der Russischen Föderation. Es ist nicht so, dass Adeliya lästert über Putin. Dennoch spürt man bei ihr ein großes Selbstbewusstsein gegenüber der fernen Zentralregierung – und das habe ich so weder in Moskau noch in Twer, Wolgograd oder Sotschi erlebt.Wir haben Adeliya in einer Coyote-Ugly-Bar kennengelernt – eine Welt-Feier, zu der neben Kasanern WM-Fans aus allen Erdteilen kamen. Wer diese Stimmung erlebt, hat wenig Verständnis für viele bierbäuchige Mitglieder des Fanclubs Nationalmannschaft. Die haben drei Kilometer weiter einen eigenen Club gemietet und feiern nur unter sich. Viele von ihnen haben Kasan gar nicht erlebt.Benjamin KrausJune 28, 2018 at 11:22 PMBergfest bei der WM: Partnerbörse bei der WMMit Menschen aus anderen Ländern in Kontakt kommen? Nichts leichter als das bei einer WM, stellte ich die letzten Tage in Russland fest.Natalia aus Twer, Valeria aus Wolgograd, Adeliya aus Kasan – starke und faszinierende Frauen aus Russland, die mir zuletzt die Kultur und das Wesen dieses Landes eindrücklich nähergebracht haben. Natürlich alles auf konventionellem und platonischem Wege, versteht sich – ich habe meine beiden Frauen zu Hause. Zum Bergfest der WM vermisse ich meine Verlobte und die eineinhalbjährige Tochter sehr.Ein Kollege (Name ist der Redaktion bekannt) ist da etwas anders als ich unterwegs. Ungebunden und unter 30, nutzt er die neuesten technischen Errungenschaften zur Erkundung des weiblichen Geschlechtes in Russland: die Partnerbörse Tinder auf dem Handy. Das französische Satire-Magazin „Quotidien“ hat dazu übrigens recherchiert, dass die Kommunikation auf dieser Plattform an WM-Abenden in Moskau elfmal so hoch sein soll wie sonst – ein Effekt, der auch von vergangenen Turnieren schon bekannt ist. Lustig ist der TV-Beitrag der Franzosen dennoch: Sie haben Reporter losgeschickt, um junge Russinnen am Kreml zu fragen, ob sie speziell ausländische Partner suchen – und einige von ihnen haben etwas zu ehrlich und direkt geantwortet. Woraufhin ein Sportbeauftragter der Stadt in bekannter Beckenbauer-Manier ins TV-Mikrofon sprach: Man freue sich jetzt schon auf die vielen WM-Babys in neun Monaten.So weit ist mein Kollege nach meinen Informationen noch nicht – allerdings, so sagt er, habe er nach dem Aus der deutschen Elf etwas mehr Zeit, die Recherche zu intensivieren. Ein erstes Treffen mit einer Anwältin sei durchaus vielversprechend verlaufen – und die WM ist ja noch lange nicht vorbei.Benjamin KrausJune 28, 2018 at 11:25 PMIch bin mir nicht sicher, ob ich die Story an dieser Stelle schon verlinkt hatte: Wolgograd ist das Thema. Fußball auf dem einstigen krassesten Schlachtfeld des 2. WeltkriegesBenjamin KrausJune 29, 2018 at 10:50 AM Hallo vom Roten Platz in Moskau Benjamin KrausJune 29, 2018 at 10:51 AM Lenin-Mausoleum mit Kreml im Hintergrund Benjamin KrausJune 29, 2018 at 10:54 AM Und natürlich die berühmte Basilika Benjamin KrausJune 29, 2018 at 11:01 AM Und mitten auf dem Roten Platz natürlich Thema: Die FIFA-WM. Benjamin KrausJune 30, 2018 at 4:19 PMEinwurf aus der Sportredaktion: Die WM geht weiterVon Harald Pistorius

Unser WM-Reporter Benjamin Kraus bleibt in Russland. Wir gönnen ihm – nur an dieser Stelle – eine kleine Pause, um zu erklären, warum wir so entschieden haben.

Die ersten Kollegen anderer Zeitungen saßen schon in der Maschine, die die „Die Mannschaft“ nach Hause brachte. Reisepläne wurden gecancelt, Hotel- und Flugbuchungen storniert. Das Motto: #Nchtswwg.

Jo mei, ist die WM denn vorbei? Nein, sie geht jetzt richtig los! Die besten Teams der Vorrunde treffen in den immer reizvollen K.-o.-Spielen aufeinander, in denen alles möglich und eine Entscheidung garantiert ist.

Jetzt laufen die Stars und die Fans in Russland zur Hochform auf. Wer den Fußball liebt, schaut jetzt erst recht hin. Wer glaubt, dass aus dieser WM die Luft raus ist, weil Deutschland die Luft ausgegangen ist, zeigt dieselben Untugenden wie das Team um und von Joachim Löw: Hochmut und Selbstherrlichkeit.

Okay: Alle, die nur in jedem zweiten Jahr ihre Leidenschaft für die Nationalelf entdecken, sind aus ihrer patriotischen Pflichterfüllung entlassen. Für alle anderen geht die WM weiter, sie dürften sich darauf freuen. Deshalb berichtet unsere Redaktion genauso motiviert und engagiert wie bisher – alles andere würden unsere Leser zu Recht komisch finden.

Deshalb bleibt unser Reporter Benjamin Kraus in Russland. Er hat schon vorher andere Geschichten gesucht als die, die in der etwas sterilen, künstlichen Atmosphäre im DFB-Mediacenter entstanden sind. Er war auf den Schlachtfeldern von Wolgograd, ist 24 Stunden mit dem Zug nach Sotschi gereist und hat von Menschen und Begegnungen erzählt.

Wir wissen nicht, was er noch auf Lager hat – aber wir sind sicher, dass sich das Lesen weiter lohnt.

Genau wie die WM.Benjamin KrausJune 30, 2018 at 4:20 PM Ich sage an dieser Stelle: Vielen Dank für das Vertrauen nach Osnabrück. Ich werde mein Bestes geben, um die verbleibenden zwei Turnierwochen bestmöglich zu informieren und zu unterhalten - nach aktuellem Stand der Planungen aus Moskau, St. Petersburg, Nischni Nowgorod und Samara. Benjamin KrausJune 30, 2018 at 4:32 PMNach dem Aus in Kasan: Einschlagen bei Volunteers

Bitte lächeln: Eine Aufforderung, der ich mich nicht entziehen kann, wenn die vielen reizenden Volunteers bei der WM ihren Job machen.

Es ist nur drei Stunden her, dass die Nationalelf aus dem WM-Turnier geflogen ist – und ich bin noch sauer deshalb: Als Fußballfan, weil ich mich abgesehen von der zweiten Halbzeit gegen Schweden nie richtig identifizieren konnte mit einer Nationalelf, die viel zu langsam spielte – und als Fußballexperte, weil ich angesichts der Kräfteverhältnisse zwischen Deutschland und Südkorea glaube, sagen zu können, wie vermeidbar dieses Ausscheiden war.

In diese tristen Gedanken versunken, laufe ich durch das Tor am Stadioneingang –plötzlich winkt mir eine schwarzhaarige Schönheit zu, strahlt mich aus braunen Augen an. Sie wünscht mir auf Englisch einen schönen Abend und erklärt mir, dass ich nur ihrem Kollegen vier Meter weiter Bescheid sagen muss, wenn ich einen Shuttle-Service ins Stadtzentrum nutzen will. Zur Bestätigung winkt mir der auch ins rote Volunteer-Outfit gekleidete Jüngling zu - mit der übertriebenen Plastikhand mit dem riesigen Zeigefinger, die er über der echten rechten Hand trägt.

Diese Plastikteile regen mich echt auf. Genau wie diese ständigen Aufforderungen vieler Volunteers, dass man beim Vorbeilaufen mit diesen freundschaftlich einschlagen sollte. Jetzt gerade hätte ich jedenfalls Lust auf ein etwas anders geartetes Einschlagen.

Ich sah offenbar so wütend aus, wie meine Gedanken waren. Denn die Frage der schwarzhaarigen Schönheit („You are from Germany, eh?“) holt mich zurück in die reale Welt – und ihr spitzbübisches Lächeln lindert meine Wut. Ich lächle ergeben, lasse mir ein Shuttle rufen - und habe einen anderen Gedanken: Über die Organisation bei diesem Turnier kann man nicht meckern.​Benjamin KrausJune 30, 2018 at 4:35 PMHier eine Geschichte über die spezielle WM-Euphorie in Russland. Die Russen entdecken das Fußballfieber und hoffen auf den ganz großen Coup.Benjamin KrausJune 30, 2018 at 4:47 PMÜberragendes Spiel da gerade übrigens in Kasan bei Frankreich gegen Argentinien. Ungefähr achtmal so viel Tempo drin wie beim Auftritt der deutschen Elf dort in Tatarstan vor ein paar Tagen...hier nochmal eine Analyse zum Ausscheiden der Nationalmannschaft und ihre PerspektivenBenjamin KrausJuly 1, 2018 at 9:36 AM Moin moin aus Moskau! Mensch, das waren noch Zeiten, als Rudi für Deutschland stürmte...hier fotografiert in der Metro-Station am Luschniki-Stadion Benjamin KrausJuly 1, 2018 at 9:41 AM Wie reinigen wir bei Regen vor dem Stadion die Strasse? Mit Wasser. Schon klar. Benjamin KrausJuly 1, 2018 at 3:42 PM Und pünktlich zum Anstoss bei Russland gegen Spanien: Schönes Wetter. Ein gutes Omen. Aber für wen? Benjamin KrausJuly 1, 2018 at 3:47 PM Gerade auch in Moskau: Die in der Amateurfussballszene bekannten Dmitri Vollmer und Constantin Jelezneacov. Story to come über die Reisegruppe Benjamin KrausJuly 1, 2018 at 3:54 PM Kann losgehen Benjamin KrausJuly 1, 2018 at 6:49 PM Krass. Episch Benjamin KrausJuly 1, 2018 at 8:49 PMDieser Text ist mir als bekennenden Grundsatz-Gegner des Videobeweises nicht leicht gefallen. Aber auch ich muss anerkennen: So wie bei der WM könnte das was werden. Hier die Analyse.Benjamin KrausJuly 1, 2018 at 10:54 PM Moment des Tages Benjamin KrausJuly 1, 2018 at 11:50 PMAngekommen in der Mentalität Moskaus: Mit den eigenen WaffenManchmal ist mehr einfach mehr – so das Motto der Russen, das ich in Moskau gelernt habe. Jetzt passt er sich an.Wie reinigt der Russe die Straße vor dem Stadion bei Regen? Nicht mit dem Besen – sondern mit noch viel mehr Wasser, das er mit viel Druck aus seinem Reinigungsfahrzeug auf den Boden knallt. Was macht der Russe, wenn auf der Autobahn eine Ausfahrt verstopft ist und dazu auch die rechten beiden Fahrspuren von Leuten, die sich seitlich einordnen wollen? Er blockiert auch noch die dritte Fahrspur ganz links, um sich über diesen Weg rechts reinzudrängeln. Wie reagiert der Russe nachts im Club, wenn man ihm sagt, dass man definitiv keinen Wodka mehr vertragen kann? Er lacht sich kaputt und winkt seiner Freundin, die ein neues Tablett mit Pinneken anschleppt.Immer noch einen draufsetzen, einen an sich schon krassen Fakt weiter ausdehnen, negative externe Effekte dabei ignorieren: So läuft es hier, jetzt habe ich es kapiert. Und ich passe mich an. Ich unternehme zunächst nichts gegen meinen riesigen Berg an Schmutzwäsche, so lange er sich am Fuß stabil ausbalanciert und mit dem Gipfel nicht an die Zimmerdecke stößt. Ich lege die Wäsche auch nicht einfach vor ein russisches Reinigungsfahrzeug. Sondern ich trage den Berg erst ab, wenn ich heute nach St. Petersburg reise und im WM-Lager eines Fußballkollegen die Waschmaschine nutzen kann. Ich bestelle im Club eine Runde deutsches Schwarzbier – sensationell, dass es dies hier gibt – und amüsiere mich über die Gesichter der Russen, die nun noch mehr Wodka brauchen, um den seltsamen Geschmack wegzuspülen und am Ende deshalb viel betrunkener sind als ich. Und ich werde demnächst erstmals in Moskau Auto fahren – macht schon mal die Bahn frei!Benjamin KrausJuly 2, 2018 at 8:36 AM Auf geht's ab geht's. Mal schauen was der Hochgeschwindigkeitszug in Russland kann. Es geht nach St. Petersburg. Benjamin KrausJuly 2, 2018 at 5:33 PM Blick aus dem Schnellzug: Russische Wasserlandschaften Benjamin KrausJuly 2, 2018 at 5:35 PM Ein Dorf am See Benjamin KrausJuly 2, 2018 at 5:38 PM Blick in den Sapsan - den Hochgeschwindigkeitszug Benjamin KrausJuly 2, 2018 at 5:41 PM Ernsthaft jetzt? Deutsche Kneipe in St. Petersburg Benjamin KrausJuly 2, 2018 at 5:41 PM Blick aus dem Zugfenster Benjamin KrausJuly 2, 2018 at 5:41 PMBenjamin KrausJuly 2, 2018 at 5:42 PMBenjamin KrausJuly 2, 2018 at 5:50 PMHier kommt übrigens die angekündigte Geschichte über die Osnabrücker WM-Besucher Dimka Vollmer und Costa Jelezneacov.Benjamin KrausJuly 2, 2018 at 5:56 PM Hier übrigens ein Video, wie die Russen in der Fußballkneipe "Kafe Liga Pub" in Moskau den Sieg ihrer Elf gefeiert haben Benjamin KrausJuly 2, 2018 at 11:58 PMAuf nach St. Petersburg: Aufbruch mit HindernissenSt. Petersburg: Stadt der weißen Nächte. Die will ich gern erleben. Fast hätte ich aber zunächst einen Tag am Flughafen erlebt.Abflug war geplant nach St. Petersburg um 6.15 Uhr – aber am Schalter erfahren wir: Der Kollege aus Fulda hat sich bei der Online-Buchung um einen Tag vertan.Ich schlucke den Spruch, der Kollege sei wohl bei der zeitgleichen Nutzung der Flirt-App Tinder auf der Tastatur ausgerutscht, herunter. Die Wahrheit ist: Auch ich habe Fehler gemacht. Die Absicherung hat gefehlt. Also Alternativen suchen. Nach 30 Minuten Irrlauf durch den Flughafen und viel Übersetzungschaos erhalten wir zwei Umbuchungsangebote: Fantastilliarden Rubel für Abflug 10.30 Uhr, ein paar Prozent billiger für 17.30 Uhr.Wir lachen uns kurz kaputt über diese Optionen und setzen Plan D aufs Gleis: Der Sapsan, ein eleganter Hochgeschwindigkeitszug, schafft die über 700 Kilometer nach St. Petersburg in vier Stunden, wir starten um 9.45 Uhr. Das Ticket ist preiswert, und als wir den Zug betreten, die Überraschung: Wir sitzen im Speisewagen – und erhalten über 25 Euro Freiverzehr.Wir kommen mit den Sitznachbarn ins Gespräch: Andrew aus Atlanta sieht aus, als nütze er den Freiverzehr oft. Er verliert das Interesse an uns, als wir ehrlich auf die Frage antworten, wie uns das US-Bier schmeckt, das FIFA-Sponsor und sein Arbeitgeber ist. Onofre aus Brasilien reißt Witze über irgendein 7:1 und erzählt, wie er seine Passion Sportfotograf lebt, weil er als Tennislehrer genug Geld verdient: in Palo Alto im Silicon Valley als Nachbar von Marc Zuckerberg.Eigentlich wäre dessen Datenkraken-Firma der perfekte FIFA-Sponsor, denke ich. „Fan-IDs bitte über Facebook bestellen“ – mit dieser Idee sollte ich so viel Geld machen, dass ich auch bald Zuckerbergs Nachbar sein kann. Oder sinnlos Flüge buchen.Benjamin KrausJuly 3, 2018 at 4:10 PM Benjamin KrausJuly 3, 2018 at 9:02 PM Hier kommt St. Petersburg - fast ein bisschen wie Venedig Benjamin KrausJuly 3, 2018 at 9:02 PMBenjamin KrausJuly 3, 2018 at 9:03 PM Straßenansichten Benjamin KrausJuly 3, 2018 at 9:04 PM Flussansichten Benjamin KrausJuly 3, 2018 at 9:04 PM Raumschiff-Ansichten Benjamin KrausJuly 3, 2018 at 9:05 PM WM-Grüße aus St. Petersburg! Benjamin KrausJuly 3, 2018 at 11:53 PMRussland und die WM: Hauptsache richtig lautWenn ich aus Russland zurückkomme, bin ich wahrscheinlich taub. Oder muss zumindest zum Ohrenarzt.Vor dem Anstoß in St. Petersburg mache ich halt auf der Plattform des Raumschiffs – nichts anderes ist dieses gigantische Stadion auf der Flussinsel der Neva, das auch gigantisch teuer war und gigantisch viel Geld in dunkle Kanäle versickern ließ. Jetzt hasten die letzten Fans aus Schweden und der Schweiz zu den Eingängen. Nur ich genieße noch den Blick über das im Sonnenlicht schimmernde Wasser der Ostsee – und merke auf einmal, wie ruhig es ist. Und wie angenehm das ist.Denn mit Russland ist die WM eine perfekte Symbiose eingegangen: Beide waren schon vorher laut, jetzt treiben sie sich gegenseitig täglich zu neuen Krawall-Eskalationen – nicht erst, seit die Russen den Autokorso mit Hupkonzert für sich entdeckt haben. Auch die Stadionregie setzt im Rahmenprogramm der Spiele vor allem auf Lautstärke und Bass – damit automatisch jeder mitwippt zum WM-Song von Will Smith. Das würde man angesichts der Qualität dieses Musikstücks sonst kaum machen.Richtig grandios wird es, wenn in der Moskauer Metro die Fenster geöffnet werden und das Rumpeln und Gequietsche des fahrenden Zuges im engen Tunnel alle Gespräche erstickt – aber nur so lange, bis Mexikaner den Versuch starten, durch Schlachtrufe den Höllenlärm noch zu übertönen. Stark waren auch die Kolumbianer, die nachts im Club Fußballgesänge anstimmten gegen den Lärm der Musik aus derart übersteuerten Boxen, die jeder deutsche Tüv sofort konfisziert und entsorgt hätte.So träume ich vor dem Stadion vor mich hin. Dann stört ein übermotivierter Volunteer meine Ruhe: Da sei der Eingang, ich würde das Spiel verpassen, sagt er. Ich tue so, als hätte ich ihn nicht gehört.Benjamin KrausJuly 4, 2018 at 9:06 PM Eindrücke aus St. Petersburg um 5 Uhr morgens Benjamin KrausJuly 4, 2018 at 9:08 PM Hier unsere "Reisegruppe" an der Neva Benjamin KrausJuly 4, 2018 at 9:09 PM Kein Stress beim Sightseeing Benjamin KrausJuly 4, 2018 at 9:09 PM Krasses Licht Benjamin KrausJuly 4, 2018 at 9:10 PM An der Neva Benjamin KrausJuly 4, 2018 at 9:11 PM Blick in den Hafen Benjamin KrausJuly 5, 2018 at 1:40 AMHier eine Geschichte zum Thema Sicherheit bei der WM: Wie Russland mit riesigem finanziellen und personellen Aufwand sein Prestige-Projekt absichert.Benjamin KrausJuly 5, 2018 at 1:40 AMHier noch der Spielbericht zum Achtelfinale Schweden gegen die SchweizBenjamin KrausJuly 5, 2018 at 11:58 AMNach dem Achtelfinal-Sieg der Schweden: Schlaflos in St. PetersburgWas ist verrückter in St. Petersburg: Bier kaufen um Mitternacht oder Sightseeing um fünf Uhr früh? Beides war ein Erlebnis.23:48 Uhr, die Arbeit ist getan. Ich will die Stadt entdecken. Lukas, Matthias und Sebastian – Osnabrücker, die eine Wohnung in St. Petersburg gemietet und mich aufgenommen haben – haben dieselben Pläne. Aktion eins: Bier kaufen. Doch als wir den 24-Stunden-Shop betreten, sind die Regale mit Bierflaschen abgedeckt – und Angelina, Dascha und Natascha lachen uns aus.Alkoholverkauf sei nach 22 Uhr in Russland verboten, Ihr müsst Shops finden, die es mit dem Gesetz nicht so genau nehmen, sagen sie. Dann zeigen uns die jungen Frauen einen, zwei Straßen weiter. Als wir das Bier auf den Tresen stellen, öffnet die Kassiererin den Schraubverschluss aller Flaschen – Angelina dreht sie wieder zu. „Die Frau kann dann sagen, ich habe offene Getränke verkauft. Da ist die Polizei nicht so streng“, erklärt Angelina. Als wir die Sinnlosigkeit der Aktion ansprechen, lacht sie und sagt: „Das ist das beste Gesetz der Welt. Weil es ein russisches Gesetz ist.“Dann sitzen wir in St. Petersburg. Die weißen Nächte sind ein Erlebnis, das Leuchten der Altbau-Fassaden im Dauer-Dämmerlicht ist beeindruckend. Die Frauen erzählen über ihren Job im Fan-ID-Center („Putin hat eine eigene Fan-ID, aber Regierungschef Medvedev nicht – und darf trotzdem ins Stadion. Ein Skandal!“) und lachen über Vergleiche zwischen St. Petersburg und Osnabrück. Angelinas Konter gegen unser Argument, in beiden Städten würde es viel regnen: „Der Regen hier ist besser. Russischer Regen.“Nach Hause gehen können die Frauen nicht: Die Zugbrücken auf dem Weg sind nachts geöffnet für die Kreuzfahrtschiffe, die den Binnenhafen verlassen. Als sie um fünf Uhr morgens schließen, laden sie uns ein zur Überquerung und einem letzten Blick auf ihre Stadt. Sie ist europäisch geprägt, gar nicht so sehr russisch. Trotzdem ist sie laut Angelina die beste der Welt.Wir behalten sie in guter Erinnerung.Benjamin KrausJuly 5, 2018 at 12:20 PMHier kommt übrigens noch ein Pro und Contra dazu, dass Joachim Löw weitermachtErst mal die beste Lösung für allePro: Löw bleibt als Konstante

Von Johannes Kapitza

Als Joachim Löw und der DFB vor der WM ihre verlängerte Zusammenarbeit bis 2022 fixierten, wagte niemand an ein Aus in der Vorrunde zu denken. Trotzdem ist es nur konsequent, dass Löw nach dem herben Rückschlag nicht aufgibt.

Seit 2006 ist er Bundestrainer. Er hat das DFB-Team zum Weltmeistertitel 2014 geführt. An seiner fachlichen Kompetenz gibt es kaum Zweifel. Ja, er hat im Vorfeld und bei der WM Fehler gemacht . Aber: Für die unterirdischen Leistungen auf dem Platz waren in allererster Linie die Spieler verantwortlich, etliche mit ausreichender Klasse und Erfahrung ausgestattet. Viele der Kicker haben das zu spät, aber dennoch schnell eingesehen und den Bundestrainer in Schutz genommen. Am historischen Aus hat sicherlich auch Löw seinen Anteil, aber der ist nicht so erdrückend, dass er sein Amt komplett infrage stellen müsste.

Die Signale aus der DFB-Führung sowie von Trainerkollegen aus der Bundesliga waren eindeutig: Das Vertrauen in Löw ist nach wie vor groß, dass auch mit ihm ein Neustart gelingt.

Es spricht auch für Löw, dass er an einem Tiefpunkt und in einer Phase des Umbruchs nicht einfach geht. Einen Rücktritt hätte ihm niemand verübelt, aber er ist anscheinend noch hungrig. Er will es besser machen und nicht mit einem historischen WM-Aus in die Geschichtsbücher eingehen. Den DFB wird es freuen: Adäquater Ersatz wäre nicht so schnell zu finden gewesen.

Löw und sein Stab werden sich hinterfragen. Mit welcher Taktik und welchem Personal soll der Neuaufbau gelingen? Welchen Führungsstil braucht es? Wie lässt sich ein hungriges Team formen? Keine einfachen Fragen, aber die Hoffnung ist groß, dass Löw Antworten findet. Bei der Europameisterschaft 2020 werden die Ansprüche und Erwartungen wieder wachsen. Da ist es gut, wenn ein erfahrener Löw noch als Konstante eine neue Generation der Nationalmannschaft auf ihren ersten Schritten begleitet. Seine Amtszeit bis 2022 ermöglicht es dem Verband zudem, langfristig einen Nachfolger zu suchen.Belastung für den NeuaufbauKontra: Löw hätte zurücktreten sollen

Von Benjamin Kraus

Es gibt Kollegen, die nach dem WM-Aus in Stammtisch-Manier erklärten, Löw sei faul geworden und arbeite nichts mehr. Dazu sei er entrückt, was man daran sehe, dass er sich mit dem Taxi in Berlin gern in Richtung Sonne chauffieren lasse, um seine Sonnenbrille wirksam tragen zu können.

So weit unter der Gürtellinie sollte man nicht ansetzen mit seiner Kritik, denn die fällt rein in der Sache deutlich genug aus: Der Bundestrainer hat es bei der WM 2018 nicht geschafft, eine Ansammlung großartiger Fußballer zu einer effizient agierenden Mannschaft zu formen, die nicht Gequältheit wie in Russland, sondern Esprit und Spielwitz ausstrahlt. Er lag falsch mit seiner Philosophie des Ballbesitzfußballs ohne Tempowechsel und Überraschungsmomente – es fehlte Energie, die Löw in Russland wie alle Deutschen nicht einzubringen vermochte. Er traf personell falsche Entscheidungen wie die Ausbootung von Leroy Sane und die wirre Rochade vor dem dritten Gruppenspiel gegen Südkorea – einschließlich der Nominierung des späteren Totalausfalls Leon Goretzka und des erneuten Verzichts auf einen körperlich starken Stürmer in der Startelf. Und er hatte taktisch keine Antworten auf das schnelle Umschaltspiel der Gegner, das viele als neuen Megatrend der WM 2018 bezeichnen, obwohl es nicht viel mehr als der alte Wein Konterfußball in neuen Schläuchen ist.

Löw hatte seine Zeit, er feierte großartige Erfolge wie den WM-Titel 2014. Nun zeichnet er mit dem Vorrunden-Aus aber auch verantwortlich für das größte WM-Scheitern einer deutschen Nationalelf aller Zeiten.

Der 58-Jährige ist jetzt zwölf Jahre im Amt . Dass ausgerechnet mit ihm nun beim von Teammanager Oliver Bierhoff geforderten Neuaufbau der dafür benötigte frische Wind einziehen soll, ist nicht zu erwarten. Stattdessen wird sein Festkleben am Trainerstuhl und jeder nicht überzeugende und deutliche Sieg in den kommenden Spielen die Stimmung rund um die Nationalelf noch tiefer in den Keller ziehen: So ist Löw für den Neuaufbau eher eine Belastung als eine Hilfe.Benjamin KrausJuly 5, 2018 at 8:22 PM Nachklapp aus St.Petersburg - so sieht es aus, wenn nachts im Sommer die Brücken geöffnet werden Benjamin KrausJuly 6, 2018 at 3:40 AMVorbereitungen auf den Roadtrip: Nur 2200 KilometerWenn Sie diese Zeilen lesen, sitzt Benjamin Kraus schon im Auto auf dem Weg zum Viertelfinale nach Nischni Nowgorod. Zumindest, wenn es ihm gelungen ist, vorher seinen Kram zu erledigen.Was macht ein WM-Reporter, wenn kein Spiel stattfindet? Natürlich Urlaub – so die weitverbreitete Meinung, die auch meine Osnabrücker Fußballkollegen, die mich für ein paar Tage begleiten, zunächst hatten. Ich habe sie belehrt, in die Stadt geschickt und mich für diese Zeilen in die Hotellobby gesetzt – mit Abstand zu den Mexikanern, die hier in der Tat spielfreie Tage und ihren Urlaub verbringen. Ihnen reichen kalte Getränke, mexikanisches Trallala aus dem Handylautsprecher und der Anblick der russischen Servicekräfte für eine gute Zeit. Ich lege Wert auf die Steckdose in der Ecke für den Akku des Laptops und einen stabilen Tisch. Jenen im Hotelzimmer habe ich durch einen verärgerten Tritt nach einem Internetausfall aus dem Gleichgewicht gebracht. Unbeabsichtigte Folgen konsequenter Zweikampfführung, die nicht viele Deutsche in Russland gezeigt haben.Nicht weiter tragisch, Freitagmorgen um 06:30 Uhr ist sowieso Abfahrt. Mit einem Auto, dass ich aber erst suchen muss: Ein Kollege, der es zuletzt nutzte und schon abgereist ist, hat es in Moskaus Dschungel abgestellt, angeblich irgendwo in der Nähe. Zum Glück funktioniert der Schlüssel per Funk – ich werde im Dunkeln auf leuchtende Blinklichter hoffen. Zuvor muss ich per Finanzspritze im Handyshop die Internetfunktion meines Handys reaktivieren – denn ohne jenes fahren wir wohl eher nach Weißrussland als zum Spiel der Franzosen. Danach wollen wir noch nach Samara zum England-Spiel und wieder zurück: Schlappe 2200 Kilometer auf den Straßen Russlands. Danach brauche ich wohl definitiv Urlaub.Benjamin KrausJuly 6, 2018 at 1:52 PM Grüsse aus dem Auto. 7:45 Stunden Netto-Fahrzeit von Moskau nach Nischni Nowgorood. Benjamin KrausJuly 6, 2018 at 1:53 PM So sah es die ganze Zeit unterwegs aus Benjamin KrausJuly 6, 2018 at 1:54 PM Angekommen am Wolgastrand: Reisegruppe Osnabrück/Fulda ist bereit fürs Spiel Benjamin KrausJuly 6, 2018 at 1:55 PM Schön hier an der Wolga Benjamin KrausJuly 6, 2018 at 1:56 PM Team Frankreich ist schon vertreten Benjamin KrausJuly 6, 2018 at 2:02 PM Überragender Kunstrasen - besser als beim TuS Haste Benjamin KrausJuly 6, 2018 at 2:08 PM Angekommen an der Arena Benjamin KrausJuly 6, 2018 at 5:08 PM Polonaise der Frankreich-Fans zum Stadion in Nischni Nowgorod Benjamin KrausJuly 6, 2018 at 9:45 PMHier ein Stück zum Thema Kommerz rund um die WM, wie die FIFA sich finanziert - und künftig finanzieren will.Benjamin KrausJuly 6, 2018 at 9:50 PMHier der aktuelle Text zum Spiel hier in Nischni Nowgorod: Wie die Franzosen gegen Uruguay ihre Reifeprüfung abgelegt haben.Benjamin KrausJuly 6, 2018 at 9:56 PM Ein kleiner Eindruck vom Autofahren Benjamin KrausJuly 6, 2018 at 11:44 PMErstmals auf Russlands Autobahn: Wie eine Horde WildsäueIch schimpfte gern über das Chaos auf der B68 zwischen Dissen und Bielefeld. Nach der Fahrt nach Nischni Nowgorod halte ich sie für eine Wohlfühl-Magistrale.Befürchtungen, wir würden im morgendlichen Berufsverkehr gar nicht aus Moskau rauskommen, konnten sich zunächst nicht erfüllen: Wir sind zuvor nicht mal aus dem Hotel rausgekommen. Die Tür zum Parkplatz unseres Autos war verschlossen und der Wärter nicht bereit, sie zu öffnen. Dumm hat er geguckt, als wir es doppelt versuchten: Matthias und Sebastian aus der Osnabrücker Reisegruppe behaupteten, sie seien durchgegangen. Sie hatten aber nur die innere zweier Türreihen überwunden und waren dann zurückgekehrt in die Lobby, um uns zu treffen – um dann gemeinsam mit uns an der äußeren Türreihe zu scheitern. Zweites Hindernis nach dem Umrunden des kompletten Hotels: Die Schranke des Parkplatzes nötigte zum Bezahlen – und der Automat dafür war wo? Natürlich vor dem Hotel.Das Chaos auf der Straße begann in Moskaus Vorstädten. Ganz Russland ist offenbar freitags unterwegs: Für 453 Kilometer brauchen wir sieben Stunden und 45 Minuten. Das liegt daran, dass Russlands sogenannte Autobahnen alle 13 Kilometer von Ampeln unterbrochen werden – und daran, dass die Russen fahren wie eine losgelassene Horde Wildsäue.Nur links überholen? Nur eine Handlungsempfehlung. Standstreifen frei lassen? Bei Stau verkehrsfluss-lindernd, Schnapsidee. Wild die Spur wechseln? Gehört zum guten Ton. Traktoren auf der Autobahn? Klar, aber nur überladen und mit volkstümlichen Popanz geschmückt. Wenden auf der Autobahn? Kein Thema. Als mich ein LKW einer Spedition ausgerechnet aus Lotte-Osnabrück mit jenem Manöver ausbremst, stelle ich meinen Fahrstil um – auf russisch. So schaffen wir es doch noch pünktlich zum Anstoß nach Nischni Nowgorod.Benjamin KrausJuly 9, 2018 at 11:04 AM Die Abfahrt aus Moskau - vorbei am Luschnikistadion. (Videos mit freundlicher Unterstützung von Christian Halling). Benjamin KrausJuly 9, 2018 at 11:05 AM Der Stau in Moskaus Vorstädten Benjamin KrausJuly 9, 2018 at 11:05 AM  Blick aus dem Hinterraum Benjamin KrausJuly 9, 2018 at 11:09 AM

Zurück in Moskau: Der verkürzte Trip über Russlands Chaos-Straßen

Ich bin noch etwas verärgert darüber, dass ich das England-Spiel verpasst habe. Grund: Unüberwindliche Entfernungen.

2200 Kilometer am Stück waren an dieser Stelle angekündigt – geschafft haben wir letztlich knapp 900 davon. Nach Aufbruch um 6.30 Uhr am Freitag hatten wir für Teil eins von Moskau nach Nischni Nowgorod durch Russlands Chaos-Verkehr sieben Stunden und 45 Minuten gebraucht. Der Plan, direkt nach dem Frankreich-Spiel 720 Kilometer und zehn Stunden durch die Nacht weiterzufahren nach Samara, war herausfordernd – aber mit vier, fünf Leuten im Auto und damit wechselnden Schlafschicht-Möglichkeiten nicht komplett unmachbar.

Ein Journalisten-Kollege und zwei Fans aus unserer Gruppe haben dann aber unter dem Eindruck des stressigen Auftakts Teil zwei des vorher abgemachten Trips kurzfristig gesprengt mit ihrer Absage. Zuerst war ich richtig sauer darüber und habe unsachlichen, fiesen Spott geübt: Das Handeln sei vergleichbar mit dem Auftritt der deutschen Elf: Blutleer, bequem und ohne Bereitschaft, an die eigene Leistungsgrenze zu gehen, die allerdings die meisten von ihnen vorher bei fußball-fremden Themen in Russland durchaus ausgereizt hätten.

Im Nachhinein muss ich zugeben, dass es vielleicht besser so war. Nicht nur wegen der Tatsache, dass mir eine über 1000 Kilometer lange Rückreise im Auto aus Samara erspart geblieben ist und ich England nun übermorgen in Moskau sehen kann. Sondern auch wegen des Public-Viewing-Erlebnisses am Samstag. Wie sich nicht nur diese 30000 Leute, sondern das ganze Land im Laufe des Turniers hinter der eigenen Elf versammelt und nach dem Schockmoment des Aus respektvoll und mit Applaus verabschiedet hat, war einer der großen emotionalen Momente des Turniers.Benjamin KrausJuly 9, 2018 at 11:14 AM Unterwegs durch Russlands Regen Benjamin KrausJuly 9, 2018 at 11:15 AM Halt am "Rastplatz" Benjamin KrausJuly 9, 2018 at 11:26 AMHier ein Stück, das unter anderem durch die Erkenntnisse unseres Chaos-Roadtrips gespeist wurde. Die WM transportiert Bilder von Russland in die Welt, die mit der Realität in diesem weiten Land nicht so furchtbar viel zu tun haben. Hier steht, wie das läuft und warum das gemacht wird.Benjamin KrausJuly 9, 2018 at 2:41 PM Auch nicht schlecht. Fussball im Schatten der Kremlmauern. Russland haut Argentinien gerade ziemlich weg. Benjamin KrausJuly 9, 2018 at 5:23 PMHier ein Stück zum Aus von Russland - dennoch bleibt ein positives Fazit für das Team und die Fans des WM-GastgebersBenjamin KrausJuly 9, 2018 at 11:47 PMDer Soundtrack der WM: Hallo, Hallo, Hallo, SOS„Das knallt, ist aber kein Genuss.“ So das Urteil einiger Begleiter der letzten Tage zum Soundtrack, der mich durch die WM trägt. Ich finde: Er passt wie die Faust aufs Auge zu diesem speziellen Land.Formatradios sind in Deutschland oft ein Ärgernis: Durch Marktforschung über Hörerverhalten ermittelte Titellisten des geringsten Abschalte-Impulses führen dazu, dass bei vielen Stationen das Gleiche läuft – und sich viele Titel alle drei Stunden wiederholen.In Moskau ist es im Vergleich dazu wie immer: Noch krasser, noch extremer, noch exzessiver. So ist es mit der Einwohnerzahl pro Quadratkilometer in den Hochhaus-Wohnblöcken, mit dem Verkehr, mit der Art und Weise, wie Russinnen und Russen die Nacht durchfeiern – vor allem , wenn die Staatsmacht weit weg ist. Und so ist es auch mit der Musik im Radio.Wobei es unsere Rettung war, dass wir auf der nächtlichen Heimfahrt von Nischni Nowgorod die Radiostation likefm.ru gefunden haben. Sie hat uns aus total übermüdetem Zustand in die Welt zurückgeholt und den Kick für die verbleibenden zwei Stunden Fahrt gegeben. Das Erfolgsrezept des Senders: Nur zwölf Lieder in der Rotation – in 120 Minuten haben wir einen Titel dreimal gehört. Die Hauptzeile des von einer kreischenden Frauenstimme wiederkehrend vorgetragenen Refrains lautete bezeichnenderweise „Hallo, hallo, hallo, SOS“ – die Beats von DJ Antoine dazu trieben uns durch den chaotischen russischen Verkehr in Richtung Sonnenaufgang.Die Überschrift dieses Textes ist somit nicht als Hilferuf zu verstehen: Noch gehen wir das unglaubliche Tempo mit, das dieses Land vorgibt. Kein Wunder, dass Russen eine geringere Lebenserwartung haben als Deutsche – sie erleben all das Chaos jeden Tag. Ich ziehe natürlich auch durch, aber nur noch eine Woche.Benjamin KrausJuly 10, 2018 at 12:27 PM Hallo aus St.Petersburg - Gameday, 1. Halbfinale Benjamin KrausJuly 10, 2018 at 12:28 PM Hier die Jungs die beim nächsten Mal das Event auf ganz neue Beine stellen wollen Benjamin KrausJuly 10, 2018 at 12:29 PM Was er uns wohl sagen will mit seinem Auto-aufkleber? Benjamin KrausJuly 10, 2018 at 12:29 PM Dann mal rein in die Hermitage Benjamin KrausJuly 10, 2018 at 12:37 PM Ääh ja. Oder auch nicht. Bis wir da reinkommen ist das Halbfinale vorbei. Benjamin KrausJuly 10, 2018 at 12:47 PM Dann eben weiter durch die City Benjamin KrausJuly 10, 2018 at 12:50 PM Schon nicht so schlecht hier Benjamin KrausJuly 10, 2018 at 1:01 PM Auch in St. Petersburg: das Fanfest mitten in der Stadt. Benjamin KrausJuly 10, 2018 at 1:06 PM Beeindruckend Benjamin KrausJuly 10, 2018 at 1:17 PM  Blick auf den Park vor dem Eingang zum Fanfest Benjamin KrausJuly 10, 2018 at 1:39 PM   Stadtansicht Benjamin KrausJuly 10, 2018 at 2:07 PM   Lew Jaschin? Benjamin KrausJuly 10, 2018 at 2:09 PM   Gute Atmosphäre und Stimmung hier in St. Petersburg. Langsam zeigen sich auch immer mehr Franzosen und Belgier auf den Straßen. Letztere scheinen leicht in der Überzahl zu sein. Benjamin KrausJuly 10, 2018 at 7:19 PM   Auf dem Weg zum Stadion Benjamin KrausJuly 10, 2018 at 7:19 PM   Blick auf die Ostsee hinter dem Stadion Benjamin KrausJuly 10, 2018 at 7:23 PM   Spannendes Licht... Benjamin KrausJuly 11, 2018 at 9:52 PMHier der Schnellschuss-Bericht vom ersten Halbfinale: Frankreich besiegt Belgien nach Standardtor.Benjamin KrausJuly 12, 2018 at 9:48 PM

Endspurt bei der WM: Ist das echte Stimmung?

Ist das echte WM-Stimmung vor Ort? Eine Frage, die ich aus der Heimat oft gestellt bekomme. Antwort: Ja. WM- Stimmung echt russisch.

Wer von Deutschland aus Indizien sucht für die These, in Russland herrsche keine echte WM-Stimmung, kann fündig werden. Die St.-Petersburg-Arena sei zum Halbfinale nicht voll gewesen, war zu lesen. Und es säßen doch Russen in Trikots anderer Teams im Stadion.

Bewusst platziert? Von Putin persönlich, um Touristen und volle Arenen zu suggerieren, quasi als Jubelperser – oder Jubel-Nordkoreanerinnen, wie bei den letzten Winterspielen? Unsinn. Wer die Russen anspricht, hört zwar, dass sie zur Oberschicht gehören, Tickets wie Trikots oft über den Arbeitgeber – Gazprom, staatliche Eisenbahn – erhalten haben. Fans aber sind sie. Ihre Jerseys drücken Sympathie aus für ein Gastland, auch wenn sie Hymnen so wenig singen wie manch deutscher Nationalspieler.

Und: In St. Petersburg war das Stadion voll – nicht zum Einlauf der Teams, aber beim Anstoß. Fans aus Belgien und Frankreich hatten sich nach der Metrofahrt auf der zwei Kilometer langen Prachtallee zuvor warmgesungen. Die Russen schauten zu, freuten sich – und alle gingen erst im letzten Moment ins Stadion.

Lange haben Südamerikaner den WM-Ton bestimmt, was der guten Laune zuträglich war. Europas Halbfinalisten eroberten nun das Turnier partiell zurück. Der Einzug sangesfreudiger Engländer und heißblütiger Kroaten in Moskaus Metro war ein Erlebnis, ihre Anspannung vor dem größten Spiel seit Jahrzehnten sorgte beim neutralen Besucher für Gänsehaut.

Eine Fan-Invasion aus dem Ausland wird aber auch zum Finale nicht mehr kommen. Zu hoch sind abseits der politischen Lage die Hürden, die Visa- und Fan-ID-Bürokratie an Spontanreisende stellen. Die WM bleibt russisch geprägt. Ein spezielles Erlebnis.Benjamin KrausJuly 12, 2018 at 9:52 PMKroatien hat Aktien auf den WM-Titel und eine unglaubliche Mentalität. Die Analyse der Elf hier - speziell aufgehängt an Perisic und diesem Trainer, der aussieht wie eine Kreuzung aus Bruno Labbadia und Roger FedererBenjamin KrausJuly 12, 2018 at 9:58 PMEngland ist raus - noch nicht reif für den ganz großen Wurf. Hier das Team mit dem Westenträger-Trainer Southgate unter der Lupe.Benjamin KrausJuly 12, 2018 at 11:59 PMVier Wochen in Russland: Noch immer keinen Plan von den PreisenWas kostet es, von A nach B zu kommen? Zu dieser Frage habe ich auch nach vier Wochen in Russland keine klaren Antworten.In meinem alten Fußballverein trug sich nach dem Training stets folgendes Ritual zu: Unser Teamkapitän bestellte Schnitzel mit Pommes und ein Weizenbier. Angesichts der Zeche von 8,10 Euro (ja, das ist über 10 Jahre her und ja, auf dem Dorf in Franken isst man günstig) stellte der Kapitän dem griechischen Wirt stets die gleiche Frage: „Lambi, heute fünf Euro oder zehn Euro?“ Abhängig davon, wie AEK Athen zuletzt gespielt hatte und ob Lambis Frau Makaria gerade Lust hatte, ihrem Mann in der Küche zu helfen, rief der Wirt dann einen der beiden Beträge auf. Ein skurriles, aber dennoch berechenbares System.In Russland geht mir Berechenbarkeit ab, weil ich viele Einflussfaktoren nicht durchschaue.So lauteten die Kosten für gelegentliche Taxifahrten zwischen unserem Moskauer Hotel und dem Flughafen Vnukovo: 1000 Rubel, 2500 Rubel, 3000 Rubel, 4000 Rubel – eine kurios breite Spanne zwischen 12 und 55 Euro. Als Begründung für den Höchstbetrag nannte der Fahrer auf Nachfrage „viel Verkehr“, für den zweithöchsten Betrag führte ein anderer „wenig Verkehr“ an. Nachtzuschläge haben wir akzeptiert  –  beim 1000-Rubel-Tadschiken, der uns gegen Konkurrenz auf dem Trottoir per Tiefstpreis geködert hatte, haben wir fast ein schlechtes Gewissen bekommen.Denn es geht auch zu absurden Zeiten absurd billig: In St. Petersburg habe ich nach Mitternacht nach dem Halbfinalsieg Frankreichs knapp 30 Kilometer durch die volle Stadt über Meeres- und Flussarme zum Flughafen für 0,54 Euro überwunden. Der freie Metro-Zugang an Spieltagen und ein gut gelaunter Sammeltaxi-Fahrer für das letzte Stück durch die Vorstädte machten es möglich. Dessen Alkohol-Promillegehalt am Steuer war übrigens wohl deutlich höher als mein investierter Geldbetrag – dafür hörten alle Mitfahrer noch gratis den geschmetterten Sangesvortrag russischer Volkslieder. Unabhängig von der Kohle: Reisen in Russland ist ein Erlebnis voller Überraschungen.Benjamin KrausJuly 13, 2018 at 6:47 PMHomophobie in Russland. Das ist ein Thema. Auch und gerade bei dieser WM. Hier kommen EinblickeBenjamin KrausJuly 13, 2018 at 11:49 PMEndspurt in Moskau: Bloß keine Experimente mehr beim EssenIsst du denn immer richtig? Diese Frage bekomme ich von meiner Verlobten und meiner Mutter aus der Heimat oft gestellt. Die Antwort: Ja. Sogar richtig gut.No risk, no fun – dachte ich mir, als ich nach einem reisegeplagten, anstrengenden Arbeitstag eine Stärkung gebraucht und in einem Airport-Restaurant in St. Petersburg eine Schwarzmeer-Fischsuppe bestellt habe. Zusammengeschmissener Fisch aus einem über 2000 Kilometer entfernten Meer, auf komplett nüchternem Magen am Flughafen? „Kann eben schon au schiefgehen, klar“, hätte Rotations-Philosoph Jogi Löw gesagt. Im Gegensatz zum Bundestrainer hatte ich in Russland aber mehr Erfolg – Neider würden sagen: Glück. Die Suppe gab meinem total durchhängenden Körper den dringend benötigten Energieschub. Ich schrieb am nächsten Tag den klar besseren Spielbericht und am übernächsten Tag gefühlt drei Zeitungsseiten voll.Deshalb werde ich nun im Turnierendspurt nicht mehr übermütig rotieren. Auch wenn ich schon Lust hätte, so etwas wie Gyros àla Goretzka aus dem Hut zu zaubern und alle zu überraschen. Aber ich bleibe bei Bewährtem: russische Suppen. Sie bekommen mir super, sind nicht total ungesund, hoffe ich – und helfen mir, im Rhythmus dieses Landes mitzuschwimmen.Meine Favoriten: Soljanka, die typisch russische, säuerlich-scharfe Suppe in der Version mit Gemüse und Pilzen. Noch besser: Borschtsch. Die auf Rote Beete basierende Suppe deckt meinen Fleischbedarf und Flüssigkeitshaushalt gleichermaßen. Und man kann deutsche Begleiter im Restaurant beeindrucken, wenn man „Borschtsch“, ein geniales Wort, bei der Bestellung rotzig raushaut – und die russische Bedienung anerkennend nickt. „Irgendwie eben au mal was anderes“, würde Löw sagen. Aber was schmeckt schon dem Bundestrainer in diesen Tagen.Benjamin KrausJuly 15, 2018 at 3:17 PM Standesgemäß mit der Fan-Metro zum Finale Benjamin KrausJuly 15, 2018 at 3:19 PM Das liegt hier in den Katakomben des Luschniki-Stadions - bald wohl auf dem Rasen sichtbar bei der Abschluss-Zeremonie Benjamin KrausJuly 16, 2018 at 8:56 PM

Erstes WM-Finale im Stadion: Tränen in den Augen

Ein WM-Finale im Stadion? Ich hatte ernsthaft gedacht, das ließe mich kalt als professionellen Sportjournalisten.

In der 80. Minute des WM-Finales von Moskau ist mir eingefallen, wann ich das letzte Mal Tränen in den Augen hatte, als ich in einem Stadion saß und über Fußball schrieb. Mir passiert das nicht oft – und ich habe noch nie darüber nachgedacht. Es war im August 2015, als beim VfL Osnabrück der Abbruch im DFB-Pokal gegen RB Leipzig feststand und erklärt werden musste, wie ein Feuerzeugbengel den Traum einer Region und einer toll kämpfenden Elf zunichtemachte.

Es geht übrigens als Allerletztes darum, dass es Osnabrück war – es hätte vielleicht nicht Münster, aber schon auch Meppen sein können. Es geht darum, dass mich eine Mannschaft emotional gepackt hatte: mit ihrem Auftreten, mit bedingungsloser Leidenschaft und Herz, dessen Schlagen man auf der Tribüne gespürt hat. In Moskau ist es wieder passiert: Gekriegt hat mich Kroatien. Wer Fußball liebt, braucht keine Erklärung dafür.

Ich hatte zuvor nicht erwartet, dass mich ein WM-Finale so umhaut. Das lag auch am Spannungsbogen, an den Wochen zuvor, die aufgebaut haben, was sich am Sonntag in Moskau in einem riesigen, Knall mit Gewitter und Feuerwerk auf dem Feld und über dem Stadion entladen hat. Meinen ersten emotionalen WM-Moment – den späten 2:1-Sieg unserer Elf gegen Schweden – hatte die sogenannte Mannschaft mit einem Auftritt der Nicht-Leidenschaft gegen Südkorea selbst wieder einkassiert – umso schöner war es danach, die anderen Teams und ihre Fans auf ihrer emotionalen Achterbahnfahrt durch das Turnier zu beobachten und zu begleiten. Zu den Russen kann ich sagen: Ich werde sicher wiederkommen. Und zu den Kroaten: Ich werde Euch bald erstmals besuchen.Benjamin KrausJuly 16, 2018 at 8:57 PMHier der Spielbericht vom Sonntagabend zum WM-Finale: Kroatien ist Sieger der Herzen, Frankreich ist WM-Sieger.Benjamin KrausJuly 16, 2018 at 9:01 PMHier ein WM-Fazit: Russland hat Maßstäbe und Trends gesetzt. In Katar wird vieles anders. Ein Rückblick und Ausblick.Benjamin KrausJuly 16, 2018 at 9:10 PMSeite-1-Kommentar zum WM-Abschluss: Dem Rausch in Russland folgt der KaterWladimir Putin darf sich als WM-Gastgeber feiern lassen. Perfekte Organisation, großartige emotionale Momente, reibungslose Abläufe, ein sicheres Umfeld: Ausschreitungen oder Terror waren nie ein Thema. Davon und von den vielen bunten Bildern profitiert ein Staatsführer umso mehr, wenn er dabei so dezent auftritt wie Putin während der WM. Russland hat mehr Geld in ein Sportfest gesteckt als je ein Land zuvor in der Geschichte. In den Bau nun teils nicht mehr benötigter Stadien und in die Organisation flossen weit über zehn Milliarden Euro. Der W Fußball-Glamour verdeckt, dass das Geld dem sozialen Sektor fehlt. So drückte die politische Führung, während ihr Volk die bunte WM-Party feierte, die Erhöhung des Rentenalters um fünf bis acht Jahre und jene der Mehrwertsteuer auf 20 Prozent durch. Die nächste Party steigt in Katar, für Russland folgt nach dem Rausch der Kater: Nun wird die Staatsführung den Sicherheitsapparat wieder hochfahren, gegen Abweichungen von der Norm im öffentlichen Leben vorgehen und die Bürger zurück ins Private drängen. Dann werden die Russen sich erinnern, wie schön es zur WM war: Das ist der wichtigste Effekt, der bleibt. Die Menschen haben gelernt, wie freundlich und gut gelaunt Gäste aus dem Ausland sind. Umgekehrt haben Ausländer festgestellt, wie gastfreundlich, aufrichtig und begeisterungsfähig Russen sein können. Alles so anders als in von politischen Konflikten dominierten TV-Nachrichten. Die sind eben nicht das Leben.Benjamin KrausJuly 16, 2018 at 11:54 PMLeaving Russland never easy: Chaos vor dem AbflugLeaving Russland never easy. So in etwa hieß es bei R.E.M.. Mir fällt mit Blick auf das Chaos „Hallo SOS“ in der DJ Antoine-Version wieder ein.Auftrag eins: Mietwagen abgeben am Vnukovo. Leider nicht der Airport, von dem mein Flieger nach Hause geht – das Auto hatte der Kollege gebucht, der schon mit der Nationalelf aus Russland geflüchtet war. Vnukovo ist nur 15 Kilometer entfernt. Dennoch dauert das Projekt hinfahren, Schlüssel abgeben und per Bus zurück sechs Stunden.Straßensperrungen riegeln den Airport ab. Erklärungen oder Umleitungen? Natürlich nicht, nur lachende Polizisten. Reaktion der Leute: Auto auf dem verstopften Zubringer einfach stehen lassen und mit Sack und Pack zum Terminal laufen. Ein Totalchaos. Als ich ebenso vorgehe, ist der Mietwagencounter verwaist. Klar: Wie sollte auch ein Auto dort ankommen? Als ich die Hotline anrufe, sagt der Mitarbeiter, er sei in 15 Minuten da. Er kommt nach 45 Minuten und sagt: Ich habe das Auto gesehen – ist ja ein guter Parkplatz. Starke Ansage für die zweite Reihe einer vierspurigen Straße.Auftrag zwei: Flug erwischen am Sheremetyevo. Leider der Airport, der am weitesten weg ist. Ich bin per Metro und Zug in zwei Stunden da – fix. Dennoch hätte ich in weiteren drei Stunden zum Abflug nie den Check-in geschafft: Die Schlange fluchtwilliger Menschen am „Matchday+1“ ist Wahnsinn.Irgendwann schnalle ich aber, wie es läuft: Eine Frau Typ Babuschka ruft 50 Minuten vor Ultimo Flugnummern in die Halle. Wer sie trotz des Krawalls versteht und winkt, darf an der Schlange vorbei und einchecken. Daraufhin habe ich mich eine Stunde in ein Café gesetzt und diesen Text geschrieben. Sollte er in der Zeitung stehen, habe ich Russland mit den eigenen Waffen geschlagen.Benjamin Kraus