Beschwerde deutscher Sprinterinnen Intime Perspektive: Kamera im Startblock "ziemlich unangenehm"

Gina Lückenkemper und die anderen Athletinnen werden neuerdings im Startblock von unten gefilmt. Foto: imago images/Laci PerenyiGina Lückenkemper und die anderen Athletinnen werden neuerdings im Startblock von unten gefilmt. Foto: imago images/Laci Perenyi

Doha. Sie filmen die konzentrierten Gesichter der Sprinterinnen – aber auch ihre nackten Schenkel und den Schritt: Bei der Leichtathletik-WM in Doha sind Kameras in den Startblöcken installiert, die die Athletinnen von unten filmen.

Die deutsche Sprinterin Tatjana Pinto erfuhr erst nach dem Lauf, dass sie von einer Kamera zwischen ihren Beinen im Startblock gefilmt worden war. "Das ist natürlich eine ganz merkwürdige, fragwürdige Position", sagte sie, als ein ARD-Reporter sie aufklärte. 

Ihre Konkurrentin Gina Lückenkemper wusste von den Kameras, die bei der Leichtathletik-WM in Doha die Athletinnen vor dem Start von unten filmen. Auch sie stört sich an der Perspektive: "Wir in unseren kurzen Sachen, wir müssen da immer drüber steigen, das ist ziemlich unangenehm." 

Dass da eine Frau an der Blockentwicklung beteiligt war, mit diesen Kameras, wage ich ehrlich gesagt zu bezweifeln. Gina Lückenkemper, deutsche Sprinterin

Auch aus sportlicher Sicht, kann sie dem neu entwickelten Startblock wenig abgewinnen: Er ist durch die Kameras länger. Damit haderte Lückenkemper, sie verpatzte ihren Start. "Bei mir ist das Problem, dass ich hin und wieder ein bisschen quer ziehe und das verzeihen die Blöcke nicht. Da kriegst du direkt einen Gegenstoß rein und das kann wirklich irritieren", sagte sie im ARD-Interview.

Die 22-Jährige schied mit mäßigen 11,30 Sekunden am Sonntag im Halbfinale ebenso aus wie die 27-jährige Tatjana Pinto (11,29).

Kompromiss: Keine Bilder beim Besteigen des Blocks

Die Beschwerde der beiden über die heiklen Kameraaufnahmen zeigte jedoch Wirkung: Wie der Deutsche Leichtathletik-Verband am Sonntag mitteilte, habe man mit dem Weltverband IAAF einen Kompromiss gefunden. Demnach werden die Bilder der sogenannten "upper cameras" im TV-Kontrollraum des Khalifa-Stadions, im Fernsehen und auf der Stadion-Videowand erst groß gezeigt, wenn die Athleten im Block sitzen, teilte der DLV mit. 

"Es wird nur die finale Blockstellung der Athleten gezeigt", hieß es weiter. Zudem würden die Videodaten nicht gespeichert und täglich gelöscht. Der WM-Einsatz der neuen Kameras im Startblock ist nur bei den 100 Metern und im Hürdensprint vorgesehen. Die Idee der Startblockkamera sei es, die Kommunikation zwischen Athlet und Zuschauern durch eine neue Eventpräsentation zu verbessern.

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