NBA-Profi über Dallas, Dirk und seine Zukunft Maxi Kleber: „Ich will ja gar nicht so viele Würfe“

Von Thomas Brandstetter

Bleibt er oder bleibt er nicht: NBA-Profi Maximilian Kleber könnte die Dallas Mavericks nach der Saison verlassen. Foto: Witters/Jerome MironBleibt er oder bleibt er nicht: NBA-Profi Maximilian Kleber könnte die Dallas Mavericks nach der Saison verlassen. Foto: Witters/Jerome Miron
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Würzburg. Selbstverständlich hätte er – etwas flapsig ausgedrückt – sagen können: Rutsch mir den Buckel runter. Ich bin in Urlaub und will nicht gestört werden. Aber unabhängig davon, dass man ihn wahrscheinlich schon mächtig ärgern müsste, damit er solche Wörter wählen würde – irgendwie kann man sich gar nicht ausmalen, dass Maximilian Kleber derart reagiert.

Im Gegenteil: Schreibt man dem gebürtigen Würzburger Basketballer eine kurze WhatsApp-Nachricht mit der Bitte, sich vielleicht noch kurz auszutauschen, ruft er wenig später zurück. Bekommt man das dann nicht mit, probiert er es sogar mehrfach. Steht die Leitung dann, entwickelt sich – wie immer – ein sehr angenehmer Plausch mit einem Profisportler, der in der besten Liga der Welt nach einem für einen Rookie durchaus erstaunlich gelungenen ersten Jahr sich im zweiten noch steigern konnte.

Herr Kleber, Für Sie war es – im Gegensatz zum Klub, der die Playoffs im dritten Jahr in Folge verpasst hat – ein erfolgreiches Jahr...

„Auf jeden Fall. Das zweite Jahr ist auch ein bisschen leichter, wenn man sich dann besser auskennt. Man weiß genauer, was der Coach von einem will, wie die NBA überhaupt tickt und worauf man aufpassen muss. Es gibt ja immer auch diese Phasen in einer Saison, in denen du körperlich einbrichst, in denen du müde wirst, einfach durch die enorme Anzahl der Spiele. Im zweiten Jahr bist du darauf besser vorbereitet. "

Foto: Witters/DaleZanine

82 Partien absolviert jeder NBA-Klub in der regulären Saison, also von Mitte Oktober bis Mitte April. Die Taktung des Spielplans könnte bei Athleten anderer Sportarten Angstzustände und Muskellähmungen hervorrufen. 

Kleber stand in 71 Begegnungen auf dem Parkett, im Schnitt jedesmal über 21 Minuten, in denen er 4,6 Rebounds sich krallte und 6,8 Punkte warf. Nicht schlecht für einen Europäer, der von der Bank kommt.

Für den Klub ist die Saison enttäuschender verlaufen als geplant. Geht das aufs Gemüt?

„Es war phasenweise schon extrem frustrierend, weil du als Sportler natürlich immer gewinnen und deine Ziele erreichen willst. Das Problem war halt: Wir hatten viele neue Spieler, und man kann nie vorhersagen, ob es als Team dann auch passt oder nicht. Leider hat es nicht geklappt. Und dann, wenn es nicht klappt, kommt die Phase mit den Trades, dem Spielertauschen, den Nachverpflichtungen. Du weißt: Irgendwas wird passieren. Du weißt aber nicht, was aus dir wird. Da machst du dir natürlich deine Gedanken. Andererseits darf dich das natürlich nicht zu sehr ablenken, weil du weiter Leistung bringen musst und weißt: Es gehört zum Geschäft. "

Foto: imago images/Susanne Hübner

Nach allem, was man so hört, könnte Kleber jetzt – nach einem für NBA-Verhältnisse normalen, eher schmächtigen Rookie-Vertrag mit erst knapp unter und dann gut über einer Million Dollar im Jahr – eine sehr ordentliche Aufstockung seines Salärs winken. Kleber ist vertragslos, er und sein Agent können frei verhandeln. Allerdings kann Dallas bei jedem Angebot gleichziehen und den Spieler so auf jeden Fall an sich binden. Maximilian Klebers Zukunft entscheidet sich im Juli, ab Monatsbeginn darf mit Spielern verhandelt werden. Ab dem 6. dürfen Verträge dann unterschrieben werden. Alles geregelt von der stärksten Liga der Welt. „Es ist gerade ein Geduldsspiel“, sagt Kleber. 

Die Mavericks scheinen nun, nach dem Abschied von Dirk Nowitzki, um Luka Doncic und Kristaps Porzingis eine neue Mannschaft aufbauen zu wollen. Aber die Wahrscheinlichkeit, dass Sie in Dallas bleiben, erscheint eher nicht so groß, oder?

„Ich wäre nicht abgeneigt zu bleiben. Ich fühle mich hier wohl. Ich kenne mich hier aus, ich kenne die Leute. Der Wohlfühlfaktor spielt schon mit. Aber natürlich: Am Ende hängt es von vielem ab, auch davon, welche Angebote reinkommen. Man muss realistisch sein, auch als Spieler: Man muss verstehen, dass es ein Business ist. Für mich ist am wichtigsten: Wie ist die Gesamtsituation? Trainer, Spielsysteme, der Klub, und dann natürlich auch das Geld. Ich würde jetzt nicht sagen: Nur weil ich da oder dort am meisten krieg, da gehste jetzt dahin. Ich möchte ja auch spielen. "

Foto: Philipp Hülsmann

Ihre Stärke ist die Verteidigung. Ein Pfund, mit dem Sie wuchern können in dieser vor allem von der Offensive geprägten Liga. 

„Genau. Ich glaube, da habe ich auch den größten Schritt vom letzten Jahr zu diesem Jahr gemacht, Beinschnelligkeit und so. Und ich gehe auch davon aus, dass ich jetzt im Sommer, wenn ich viel Zeit zum Trainieren habe, mich nochmal verbessern kann. Ich glaube, dass ich ein guter Verteidiger bin, und ich würde mich natürlich freuen, in Dallas zu bleiben, weil ich auch glaube, dass ich bei diesem Neustart gut mit reinpassen würde. Mit Doncic und Porzingis haben wir zwei extrem gute Offensivspieler, sehr balldominant. Ich will ja gar nicht so viele Würfe, ich brauche das nicht. Ich will schauen, dass ich die richtigen Plays mache. "

Foto: imago images/Hubert Jelinek

Ihr Heimatverein s.Oliver Würzburg, der ja mit dem Europe-Cup-Finale international erstaunlich erfolgreich war, will Sie gerne irgendwie einbinden, damit Sie mithelfen, den Standort attraktiver zu machen. Wie schaut das konkret aus? 

„Das ist natürlich nicht ganz so leicht, weil ich ja vor allem erst mal in den USA bin. Aber ganz grundsätzlich: Wir haben uns unterhalten und Ideen ausgetauscht. Ich bin in Würzburg groß geworden, und ich verbinde natürlich ganz viel Heimat, Familie, enge Freunde damit. Es ist eine ganz besondere Verbundenheit, und wenn ich zurückdenke, dann waren es wirklich tolle Jahre in Würzburg."


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