Versicherungsschutz und Ersatzwohnung Unwetter: Das müssen Mieter, Vermieter und Hausbesitzer wissen

Von dpa | 08.06.2016, 15:04 Uhr

Umgestürzte Bäume, zerstörte Carports, vollgelaufene Keller – die schweren Gewitter hinterlassen vielerorts Schäden. Was können Mieter von ihrem Vermieter verlangen? In welchen Fällen muss die Miete überhaupt noch gezahlt werden? Besteht Anspruch auf eine Ersatzwohnung?

Ist die Wohnung oder das Haus durch Hochwasser vollständig zerstört und nicht mehr unbewohnbar, muss der Mieter keine Miete zahlen. „Er kann die Miete um 100 Prozent mindern“, sagt Anja Franz vom Mieterverein München auf Anfrage. Das gilt auch, wenn der Vermieter nichts für die Überschwemmung kann. Weiterlesen: Unwettergefahr noch nicht gebannt

Pflichten des Vermieters und Rechte des Mieters

Mietminderung: Sind nur einzelne Räume feucht und gar nicht oder kaum mehr bewohnbar, hängt die Höhe der Mietminderung davon ab, welches Ausmaß die Überschwemmung hat. In jedem Fall muss der Mieter seinen Vermieter aber über die Schäden informieren. Er sollte außerdem alles mit Fotos dokumentieren, rät Franz. Weiterlesen: Unwetter in Niedersachsen: Fotos und Video vom Chaos in Damme

Schadenersatz: Wer aufgrund des Hochwassers aus seiner Wohnung ausziehen muss, kann nicht verlangen, dass ihm der Vermieter eine Ersatzwohnung stellt. „Grundsätzlich hat der Mieter bei Flut gegenüber dem Vermieter keinen Anspruch auf Schadenersatz“, sagt Franz. Das gilt zumindest wenn höhere Gewalt – wie zum Beispiel bei einem Unwetter – die Ursache dafür ist. Betroffene, die eine Notunterkunft suchen, sollten sich an die zuständige Gemeinde, die Feuerwehr oder an den Katastrophenschutz wenden.

Weiterlesen: Was sind Tornados und wie entstehen sie?

Für die Kosten einer Unterbringung muss der Vermieter nur aufkommen, wenn er grob fahrlässig gehandelt hätte, erklärt Franz – also etwa Abflussrohre nicht gereinigt oder Ventile nicht gewartet hätte.

Wiederherstellung: Der Vermieter muss sich grundsätzlich darum kümmern, die Räume aufzuräumen und wieder bewohnbar zu machen. Ist das Haus beschädigt, muss er es reparieren lassen. „Die nötigen Maßnahmen dafür, darf er nicht schuldhaft verzögern“, sagt Franz. Andernfalls kann der Mieter unter Umständen doch Schadenersatzforderungen stellen. Kosten für die Reparatur oder die Schadensbehebung kann der Vermieter in der Regel bei seiner Wohngebäude- und Hausratversicherung geltend machen. Jedoch nur, wenn seine Police eine Klausel gegen Elementarschäden hat. Weiterlesen: Warum Starkregen und Sturzfluten oft unterschätzt werden

Kündigen: Ist die Wohnung nicht mehr bewohnbar, kann der Mieter sie unter bestimmten Voraussetzungen fristlos kündigen. Wenn er beispielsweise befürchtet, dass die Folgen der Überschwemmung seine Gesundheit erheblich gefährden, weil fauliges Wasser in den Räumen steht. Doch Vorsicht: „Fristlos Kündigen heißt, dass man sofort ausziehen muss“, erklärt Franz. Wer das will, sollte beim Vermieter zusätzlich zur Kündigung eine ärztliche Stellungnahme einreichen.

Für Hausbesitzer gilt: Gebäude auf Schäden prüfen

Einige Schäden eines Unwetters erkennt man nicht auf den ersten Blick: Auch wenn auf dem Dach keine Pfannen fehlen, kann Wasser eingedrungen sein. Schimmel kann sich im Dachstuhl bilden, eine teure Sanierung droht. Nach einem Sturm sollten Hausbesitzer daher immer ihr Gebäude von oben bis unten kontrollieren. Diese Stellen sind besonders zu beachten:

Dach: Am Dach und an der Fassadenverkleidung kann starker Wind Teile gelöst haben. Hausbesitzer prüfen daher, ob Dachziegel beschädigt und Schindeln, Bretter aus dem Giebelfeld oder von Gauben lose sind. Gleiches gilt für die Solaranlage. Denn herabstürzende Teile können Passanten verletzen, und dafür haftet in der Regel der Hausbesitzer. Weiterlesen: Nach dem Unwetter kommen die Mücken

Dachschrägen: Sind dort Flecken zu sehen? Falls ja, hat wahrscheinlich böiger Wind den Regen nach oben unter die Dachziegeln gedrückt und den Dämmstoff durchnässt. Das muss behoben werden, weil nasser Dämmstoff nicht mehr isoliert und zum Wärmeleiter wird - im Winter steigen dann die Heizkosten. An nassem Holz wachsen zudem Pilze und es fault. Außerdem kann sich Schimmel im Dachstuhl bilden, der über die innere Wandverkleidung in die Raumluft gelangt.

Fassade: Ist Wasser an der Außenwand des Gebäudes heruntergelaufen? Falls ja, muss man prüfen, ob es auch ins Haus gelangt ist. Denn dann kann es ebenfalls zu Feuchteschäden mit Schimmelbefall kommen. Problemstellen sind insbesondere unter den Fensterbrüstungen oder an Fenstern und Türen. Weiterlesen: Warum sind Gewitterwarnungen immer falsch?

Balkon und Fenster: Sind Balkontüren, Fenster und Rollläden sowie deren Führungsschienen in Ordnung? Starker Wind kann sie vor allem am hohen Dach- und Giebelbereich aus den Verankerungen gerissen haben.

Regenrinnen: Hat der Wind Laub und Äste in die Regenabflüsse gedrückt? Diese sollten davon befreit werden, sonst kann der nächste Regen nicht ablaufen. Außerdem müssen Hausbesitzer prüfen, ob schwankende Bäume Regenrinnen und Fallrohre berührt und diese beschädigt haben.

Welche Vorkehrungen am Haus helfen?

Die Angst ist jetzt da: Die starken Regenfälle und rasend schnell steigende Flusspegel haben zahlreiche Ortschaften überflutet. Wie kann man im Fall von Unwetterwarnungen und Hochwasserprognosen das Haus vorsorglich schützen. Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) und das Bundesumweltministerium raten:

Elektrogeräte vom Netz: In allen Räumen, die geflutet werden können, sollten elektrische Geräte und auch die Heizung vom Stromnetz genommen werden. Oder im Ernstfall dann gar die Sicherungsschalter für das ganze Haus umlegen. Sonst kann es im Wasser zu einem Kurzschluss kommen, und das ist beim Ausräumen später eine tödliche Gefahr. Weiterlesen: Über 200.000 Blitze an Gewittertagen über Deutschland

Kanalisation prüfen: Zu viel Regen kann die Straßenkanalisation nicht aufnehmen – und das Wasser drückt durch die Abflüsse ins Haus. Eine Rückstauklappe verschließt von unten die Rohre. Deren Funktionsfähigkeit jetzt überprüfen.

Keller ausräumen: In gefährdeten Räumen, also vornehmlich im Keller, alles rausräumen, was möglich ist. Das gilt besonders für gefährliche Stoffe oder Chemikalien. Wasser darf sie nicht erreichen. In der Eile nicht vergessen: auch den Garten absichern und die Garage ausräumen.

Öltank checken: Ein Heizöltank muss gesichert sein gegen Auftrieb. Er muss notfalls an der Wand verankert oder mit Ballast beschwert werden.

Sandsäcke: Natürlich können bei geringen Überschwemmungen der Straßen Sandsäcke das Haus schützen – sie kommen vor Türen, Fenster und auch Schächte. Diese jetzt vorbereiten und bereitlegen. Auch Schalbretter, wasserfeste Sperrholzplatten und Silikon zum Abdichten tun gute Dienste. Wirkungsvoller sind Dammbalkensysteme, die vor die Eingänge eines Gebäudes gesetzt werden. Passgenau zugeschnittene Einsätze für Eingangs- und Fensteröffnungen gibt es auch im Handel, die sogenannten Schotts. Sie sollten Profildichtungen haben.

Dokumente sichern: Es kann nicht schaden, Notgepäck vorzubereiten. Die wichtigsten Dokumente gehören hinein. Und: Eine Liste des Eigentums erstellen, um später die Schäden einfacher den Versicherungen melden zu können. Hilfreich sind hier Fotos vom Zustand vor der Katastrophe. Die Dateien bei Verwandten oder Bekannten lagern.