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Ausgleich folgt der Nackenschlag Drama in der Nachspielzeit: Lotte verliert 1:2 gegen Fortuna Köln


Lotte. Lange herrschte Fußball-Magerkost am Autobahnkreuz – doch in der Schlussphase eskalierte die Partie völlig: Die Sportfreunde Lotte verlieren ein zweikampfintensives Spiel in der 3. Liga gegen Fortuna Köln nach dem Ausgleich in der 91. Minute durch einen umstrittenen Elfmeter in der Nachspielzeit mit 1:2.

Lottes Trainergespann Nils Drube und Sven Hozjak musste den gelbgesperrten Alexander Langlitz ersetzen: Jeron Al-Haizameh, der in Zwickau angeschlagen gefehlt hatte, begann für ihn als Rechtsverteidiger. Zudem rotierten Maximilian Oesterhelweg und Felix Drinkuth für Sinan Karweina und Jonas Hofmann in die Startelf mit 4-3-3-System. Fortuna Köln setzte ein klares 4-4-2 dagegen – etwas überraschend mit dem Franzosen Anatole N’Gamukol im Sturm neben Hamdi Dahmani. 

Fußball-Feinkost war kaum erwartet worden beim Gastspiel des Tabellen-15. beim mit acht Toren in 12 Spielen bezüglich der Trefferquote schwächsten Heimteam. Das ungemütliche Wetter und der niedrige Zuschauerzuspruch einschließlich des Stimmungs-Boykotts der heimischen Freibier-Ultras, die gegen Stadionverbote protestierten, trug auch dazu bei, dass es dauerte, bis die Partie Fahrt aufnahm. Ein von Köln-Keeper Nicolai Rehnen nach vorn abgeklatschter 18-Meter-Schlenzer des Lotters Toni Jovic blieb deshalb die einzige Lotter Chance der Anfangsphase, weil Gerrit Wegkamp beim Abpraller im Abseits stand und zuvor auf dem falschen Fuß: So konnte er nicht nutzen, dass Kölns Innenverteidiger Bernard Kyere in letzter Linie am Ball wegrutschte.

Viele Zweikämpfe und Unterbrechungen

Köln kam nach anfänglichen Unsicherheiten über Standards ins Spiel: Dominik Ernst am ersten Pfosten wurde gesucht, konnte sich zwar zweimal nicht durchsetzen – aber aus der zweiten Szene entwickelte sich ein weiterer hoher Ball in den Strafraum, bei dem Matthias Rahn gefordert wurde, nach dem Kopfballduell auf die Schulter fiel und vor Schmerz aufschrie. Die Trage war bereits auf dem Feld für den Innenverteidiger, der schon mit einem Turban aufgelaufen war – aber Rahn spielte weiter nach bestimmt fünfminütiger Behandlungspause. Es war schon die zweite Unterbrechung, nachdem Schiedsrichter Guido Winkmann selbst die Behandlung von Lotte-Physiotherapeutin Melanie Hubert nach Problemen hinter seinem Ohr in Anspruch genommen habe.

Keine Stimmung in Lotte, kein Flow für die Sportfreunde, die Glück hatten, dass N’Gamukol aus seiner Kopfballchance nach Flanke von Robin Scheu aus sieben Metern nicht mehr machte. Bitter aus Sicht der Sportfreunde war, dass der Führungstreffer für Lotte nach einer Phase fiel, in der die Gastgeber begonnen hatten, sich ins Spiel zu arbeiten: Eine Freistoßflanke von Maik Kegel von der Mittelline ließen Michael Schulze, Matthias Rahn und Adam Straith im eigenen Strafraum aufkommen. Hamdi Dahmani sagte Danke, als er mit der Fußspitze eher vor dem herausstürzenden SFL-Keeper Steve Kroll am Ball war und das Leder ins Tor stocherte – das erste Gegentor für Lotte nach 577 Minuten.

Erstes Gegentor nach 577 Minuten

Zuvor war Straith mit einer Kopfball-Bogenlampe nach einer Härtel-Freistoßflanke an Rehnen gescheitert – genau wie Toni Jovic aus spitzem Winkel mit seinem Scherenschlag nach einer Oestgerhelweg-Flanke. Dennoch fehlte Lottes Spiel bis dahin Sicherheit, Kreativität und Konsequenz – sichtbar etwa, als Jeron Al-Haizameh nach einer Balleroberung und viel freiem Raum vor sich kaum Tempo aufnahm und letztlich der Lotter Ballverlust im Zentrum folgte. Oder als der auf dem Flügel erstmals durchgebrochene Felix Drinkuth seine Hereingabe nicht zum freien Toni Jovic an den 16er brachte. Oder, als Michael Schulze am eigenen Strafraum im Aufbau den Ball direkt in die Füße des Kölners Michael Eberwein spielte und Lotte Glück hatte, dass N’Gamukol im Abseits stand, als ihn frei vor dem Tor der Abpraller erreichte.

Mit mehr Energie auf dem Feld und einer taktischen Rochade (Wendel für Härtel, Schulze auf Rechts, Al-Haizameh auf links) versuchte Lotte, nach der Pause das Heft in die Hand zu nehmen – Drinkuths Kopfball nach Wendel-Flanke kam platziert aufs rechte Eck, wurde aber von Rehnen herausgefischt. Gegen den stürmischen Wind und körperlich starke Kölner, die zudem bei jeder Spielunterbrechung geschickt Zeit von der Uhr nahmen, erwies sich die Etablierung eines Powerplays aber als schwieriges Unterfangen. Oesterhelwegs Abschluss in die Fäuste von Rehnen nach einem starken Spielzug über Paterson Chato auf links blieb lange die einzige Chance – beim zweiten Ball zögerte Wegkamp am Strafraum zu lange und wurde abgeblockt.

Erst Ausgleich, dann Nackenschlag

Der großgewachsene Zielspieler wurde danach ausgewechselt: Lotte versuchte es gegen die Hünen vom Rhein mit Drinkuth und Oesterhelweg hinter Karweina und Jovic am Boden Druck aufzubauen. Viel gelang allerdings zunächst nicht: Jovics Abschluss nach gelungener Einzelaktion strich rechts vorbei.

In der Nachspielzeit schien es aber zunächst das Happy-End für die Sportfreunde zu geben: Eine Flanke des frisch gebackenen Vaters Jules Reimerink, der zum zweiten Mal Nachwuchs bekommen hatte, fand frei vor dem Tor Tim Wendel. Der Comebacker vollstreckte entschlossen per sehenswertem Seitfallzieher zum umjubelten Ausgleich. 

Doch die Freude währte nicht lange: Nach einem Foul von Rahn an Dahmani am eigenen Strafraum gab es Freistoß für die Fortuna, 17 Meter vor dem Tor. Michael Eberwein schlenzte den Ball an den Pfosten – und Schiedsrichter Guido Winkmann pfiff. Zu vermuten war erst, dass der Refereee ein (durchaus vorhandenes) Foul-Vergehen von Reimerink im Zweikampf gegen Kyereh nach dem Abpraller vom Pfosten gesehen hatte – doch WInkmann zeigte Handspiel an und hatte zudem bereits gepfiffen, bevor sich dieser Zweikampf ereignete. Somit bleibt nur die Ahndung eines potenziellen Handspiels von Al-Haizameh in der Mauer beim Freistoßschuss: Eine umstrittene Entscheidung. Die TV-Bilder offenbaren zwar eine minimale Veränderung der Flugkurve des Balles, aber auch die Tatsache, dass Al-Haizameh seine Hand wegzieht und sich wegdreht. Der Lotte-Verteidiger sagte hinterher, er habe den Ball nur leicht mit der Hüfte berührt.

Moritz Fritz verwandelte den Elfmeter jedenfalls eiskalt – und Lotte stand nach der 1:2-Pleite und einer Achterbahnfahrt in der Nachspielzeit mit leeren Händen da. Die Sportfreunde bleiben somit im Mittelfeld der 3. Liga stecken – die Heimbilanz mit nur neun Treffern in 13 Spielen bleibt ausbaufähig.


Lotte: Kroll – Al-Haizameh, Rahn, Straith, Härtel (46. Wendel) – Chato, Schulze, Oesterhelweg (82. Reimerink) – Drinkuth, Wegkamp (67. Karweina), Jovic

Auf der Bank: Trautner (TW), Hofmann, Awassi, Putze

Köln: Rehnen – Ernst, Kyere, Fritz, Abu Hanna (82. Schiek)– Scheu, Brandenburger, Kegel (70. Uaferro), Eberwein – Dahmani, N’Gamukol (71. Pintol)

Auf der Bank: Kraft (TW), Kurt, Pintol, Exslager, Andersen

Schiedsrichter: Guido Winkmann

Gelb: Wendel (1. Gelbe Karte) Rahn (9.), Al-Haizameh (9.) / Kyereh

Zuschauer: 1381, davon 81 aus Köln

Tore: 0:1 Dahmani (43.), 1:1 Wendel (90+2), 1:2 Fritz (Foulelfmeter, 90+8)

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