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Gartenpflege So wird ein alter Rasen zum blühenden Gartentraum

Dieser Garten vermittelt ein Strandgefühl und spielt mit dem Charme naturnaher Wiesen.Dieser Garten vermittelt ein Strandgefühl und spielt mit dem Charme naturnaher Wiesen.
Joachim Hegmann

Osnabrück. Durch gute Planung und Pflege bleibt der Garten lange schön. Wir zeigen hier, wie aus einem alten Rasen eine pflegeleichte und blühende Staudenwiese auf trockenem Boden wurde. Ein Bericht mit Vorher-Nachher-Bildern.

Ein in die Jahre gekommenes Stückchen Erde hinterm Haus war der Ausgangspunkt dieser Garten-Planung. Auf der etwa 80 Quadratmeter großen Fläche sollte nun ein Garten entstehen, der seinen Besitzer Strandgefühle vermittelt.

Joachim Hegmann
Aus diesem Stückchen Erde mit rudimentärem Rasen und Wildbewuchs sollte ein reich blühender Garten mit Strandfeeling werden.

Der rudimentäre Rasen und der viele Wildbewuchs wurden mit einem Minibagger abgetragen und an anderer Stelle auf dem Grundstück als Hügelbeet wiederverwendet. 

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Ein Minibagger wurde eingesetzt, um die oberste Bodenschicht abzutragen. Sie wurde aber nicht entsorgt, sondern an anderer Stelle aufgeschichtet als Hügelbeet für Kürbis und Co.

Mit dem Bagger wurden die künftigen Wege etwas tiefer ausgehoben. Der Aushub wiederum wurde zur Anhäufelung der Beete benutzt. Auf die Wege wurde schließlich eine 20 Zentimeter hohe Schotterschicht aufgebracht. In einem späteren Schritt wurden die Wege und die Sitzfläche mit feinem Rundkies (2 bis 8 Millimeter Körnung) etwa zwei Zentimeter hoch abgedeckt. Es empfiehlt sich dringend, den Kies nicht einfach auf den vorhandenen Boden aufzubringen, sonst würden die Wege schnell wieder zuwachsen. 

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Die Erde, die fürs Fundament der Wege ausgehoben wurde, wurde zur Modellierung der Beete genutzt. Dann wurden die Gräser und Stauden ausgelegt.

Eingebettet in leicht aufgeböschte Pflanzflächen sollte es eine Sitzfläche und damit auch ausreichend Platz für zwei Liegen im Garten geben. Der Aushub für den Aufbau der Kieswege, unter denen eine Schotterschicht eingebaut wurde, wurde zur Modellierung der Pflanzflächen benutzt.

Kein strenger Pflanzplan

Eine wesentliche Frage bei der Garten- und Pflanzplanung: Welche Pflanzen sollen den Ton angeben? Im neu gestalteten Garten mit Strandatmosphäre prägen die vielen Federgräser (Nasella tenuissima) den Charakter der Beete. Strenger gestaltete, formale Staudenbeete schieden vor dem Ziel, eine lockere Strandatmosphäre zu schaffen, aus. 

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Ein Strand im Garten: Der Kies auf den Wegen verstärkt das Strandgefühl. In den jungen Beeten blühen bereits die ersten Stauden.

Das Federgras ist ideal für den vorhandenen sandigen Boden. Zwischen die Gräser als wiederkehrendes Element wurden Wildstauden sowie einige züchterisch ausgelesene Stauden gepflanzt. Ein Vorteil dieser Art von Staudenwiese ist, dass kein strenger Pflanzplan notwendig ist, sondern allenfalls „Regieanweisungen“ für das Auslegen der Stauden, wie es der Gestalter dieses Gartens, Buchautor Joachim Hegmann, nennt. Hilfreich sind Notizen, welche Stauden miteinander kombiniert, also benachbart bepflanzt werden sollen. Auch ein Hinweis, ob eine Staude eher in die Beetmitte oder am Rand gepflanzt werden soll, ist nützlich.

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Steppenkerzen und Mohn: Ein Duo, das die Blicke im Frühsommer auf sich zieht.

Diese Pflanzengesellschaft ist auch noch attraktiv, wenn der Mohn schon verblüht ist und die Steppenkerzen auch beginnen abzublühen.

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Steppenkerzen und Samenstände von Mohn

Im Frühsommer ziehen nun Steppenkerzen mit ihren intensiv orange-gelben Blüten jede Aufmerksamkeit auf sich. Sie werden vom „Seltsamen Scheinsonnenhut“ begleitet, der seinen Namen dem Umstand verdankt, dass er der einzige gelb blühende Scheinsonnenhut ist. Auch der rosa blühende blasse Scheinsonnenhut (Echinacea pallida) wurde hier kombiniert. Diese Echinacea-Wildgarten sind gut trockenheitsverträglich. 

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Ganz schön üppig sind Stauden und Gräser im Sommer herangewachsen.



Für Blau in der Staudenwiese sorgen verschiedene Katzenminze-Sorten (Nepeta) Blauraute (Perovskia) sowie Mannstreu (Eryngium). 

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Das Mannstreu (Eryngium) zeichnet sehr attraktive Bilder in die Beete, vor allem zum filigranen Federgras.


Zum Autor und Buch

Wilde Wiesen gestalten
Joachim Hegmann, promovierter Chemiker, arbeitete 25 Jahre lang in der chemischen Industrie, bevor er sich – der privaten Gartenleidenschaft folgend – als Gartengestalter selbstständig machte. Der Gestalter des hier beschriebenen Gartens ist mit der Österreicherin Katrin Lugerbauer Autor des Buchs „Wilde Wiesen gestalten – Naturalistische Staudenbeete für den Garten“, das im Ulmer Verlag erschien (24,95 Euro). 
Die Gartenenthusiasten vermitteln das nötige Wissen, praktische Lösungen für verschiedene Gartenstandorte und gelungene Vorzeigeprojekte für den Weg zur eigenen Staudenwiese. Die Autoren zeigen, worauf es ankommt: Staudenwiesen sind keine streng geordneten Beete, sondern von der Natur inspiriert gepflanzte Stauden, die den Garten ganzjährige attraktiv bereichern. Ihr besonderer Reiz ist das Zusammenspiel aus langlebigen, an den Standort angepassten Stauden und stimmigen Begleitpflanzen, die für viel Dynamik und Lebendigkeit im Garten sorgen. Das Buch vermittelt, wie sich der Charme einer wilden Wiese in den Garten übertragen lässt. Staudenwiesen verbinden ökologischen Anspruch mit ästhetischem Erscheinen. Sie haben das Ziel, auch ohne intensive Pflege und vor allem ohne ständiges Gießen üppige Pflanzungen zu realisieren. 


Katzenminze (Nepeta) der Sorte „Superba“ hat die in diesem Konzept willkommene Eigenschaft, sich reichlich zu versamen. Sie ist eine der verwendeten Streuner in den Beeten. Andere Samen-Vagabunden, die sich in Lücken breitmachen und diese zuverlässig schließen, ist die einheimische Karthäusernelke, die Präriekerze (Gaura lindheimeri) und das Argentinische Eisenkraut (Verbena bonariensis): Die Insektenmagnete blühen vom frühen Sommer bis in den Herbst.

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Versamung nicht nur erlaubt, sondern sogar erwünscht. Hier schließt Mannstreu die Lücken im Beet.


Besondere Aufmerksamkeit wurde in diesem Garten der Bepflanzung mit Zwiebelblumen gewidmet. 

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Früh im Jahr blüht es im Strandgarten mit Tulpen und Narzissen, die verschwenderisch eingesetzt wurden.


In mehreren Blütenwellen sollten Tulpen und Co den Garten im Frühling bezaubern. Im März beginnt der Blütenreigen mit Krokussen. Anfang April folgen die Tulpen: „Tulipa praestans Shogun“ mit „Tulipa fosteriana Purissma“, die zeitgleich blühen.

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Kleine Narzissen und Traubenhyazinthen ergänzen sich gut.


Diverse blaue Traubenhyazinthen mischen sich unters Tulpenvolk. In den frischeren Garten-Bereichen wurden niedrige Narzissen, darunter die fast immer zuverlässig wiederkehrende Sorte Thala gepflanzt. Ab Ende April starten einige einfach- und spätblühende weinrote Tulpen.

Erst mit feineren Trommelschlägen, dann mit lauten Paukenschlägen bilden die Kugellauche Allium „Purple Sensation“, „Globemaster“ sowie „Mount Everest“ den Schlusssatz in der Frühlingsymphonie. 

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Trommelfeuer am Strand: Verschiedenen Zierlauch-Sorten sorgen für diesen attraktiven Anblick.


Die Pflanzflächen in dieser Anlage wurden wie die Wege und die Sitzfläche ebenfalls mit feinem Kies gemulcht: etwa zwei Zentimeter hoch. Zu den Zeiten, in denen die Pflanzung üppig wächst und blüht, ist vom Mulch wenig zu sehen. Im Winter und Frühjahr verstärkt sich der Strand-Eindruck dafür etwas mehr.

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