Viel genutzt, oft gefälscht Neue Euro-Scheine - Fragen und Antworten zu den 20-Euro-Banknoten

04.11.2015, 12:25 Uhr

Am 25. November 2015 ist es soweit: Nach den 5- und 10-Euro-Noten werden überarbeitete 20-Euro-Noten ausgegeben. Die neuen Noten sind haltbarer und fälschungssicherer.

Beides ist ein Problem: Gerade die mittleren Stücklungen, also die 20 - und 50 Euro-Scheine, werden viel genutzt. Entsprechend hoch ist der „Verschleiß“, aber auch die Versuchung, diese Scheine zu fälschen. Im ersten Halbjahr 2015 hat die Europäische Zentralbank rund 454.000 gefälschte Euro-Banknoten aus dem Verkehr gezogen, 86 Prozent davon waren 20 und 50 Euro-Scheine. Eine Menge Scheine, aber aus Sicht der Zentralbank angesichts von bis zu 17 Milliarden echten Euro-Banknoten im Umlauf immer noch ein sehr geringer Anteil. Der tatsächliche Wert jeder dieser Scheine beträgt rund acht Cent, deshalb hat die Zentralbank großes Interesse an einer höheren Haltbarkeit. Fragen und antworten zu den neuen 20-Euro Scheinen.

 Ab wann wird die neue 20 Euro-Banknote ausgegeben? 

Ab dem 25. November 2015 werden die neuen Banknoten in Umlauf gebracht.

 Wo bekommt man die neuen Banknoten? 

Die Kreditinstitute werden die neuen Banknoten der Europa-Serie auf dem üblichen Weg wie Kassenschalter und die Geldausgabeautomaten in Umlauf bringen. Darüber hinaus werden Kunden die Banknoten im Laufe der Zeit vermehrt als Wechselgeld, zum Beispiel beim Einkauf, erhalten.

 Warum gibt es die neue Banknotenserie? 

Die neuen Banknoten bieten Sicherheitsmerkmale wie einen besseren Fälschungsschutz und machen die Banknoten sicherer. Dadurch soll Fälschern die Arbeit erschwert werden. Außerdem soll die Haltbarkeit der Banknoten verlängert werden, da insbesondere kleine Stückelungen besonderer Abnutzung ausgesetzt sind.

 Welche neuen Sicherheitsmerkmale gibt es? 

Gegenüber der 10 Euro-Banknote ist mit dem Porträt-Fenster ein gänzlich neues Sicherheitsmerkmal in der 20 Euro-Note verarbeitet: Wird die Banknote gegen das Licht betrachtet, wird ein Fester im oberen Teil des Hologramms durchsichtig und ein Porträt der Europa wird sichtbar. Das Porträt ist von beiden Seiten des Geldscheins zu erkennen. Beim Kippen des Scheins ist im Fenster auch die von regenbogenfarbenen Linien umgebene Wertzahl der Banknote zu sehen.

Ein weiteres auffälliges Merkmal der Europaserie ist die Smaragdzahl, welche durch Kippen ihre Farbe verändert. Die Smaragdzahl ist allerdings schon in den 5- und 10-Euro-Banknoten integriert.

 Warum wurden nicht zuerst neue 50 Euro und 20 Euro-Noten eingeführt, die häufig gefälscht werden? 

Das Falschgeldniveau lag bei der Entscheidung über die Einführung der neuen Banknoten 2012 deutlich niedriger als beispielsweise im Jahr 2009. Daher stand ein anderer Aspekt im Vordergrund: Die Abnutzung. Zur Erhöhung der Haltbarkeit werden die neuen Euro-Banknoten mit einer „Lackierung“ versehen und die von der Abnutzung am stärksten betroffenen Banknoten bei der Einführung priorisiert.

 Warum werden die neuen Banknoten stufenweise eingeführt und nicht alle Stückelungen parallel? 

Die Einführung der Europa-Serie ist auch logistisch eine große Herausforderung: Derzeit sind rund 15 Milliarden Banknoten der ersten Euro-Serie im Umlauf. Um den Wechsel in den Griff zu bekommen, wird die Europa-Serie gestaffelt in Umlauf gebracht. So können die vorhandenen Produktionskapazitäten effizienter genutzt werden.

 Wann werden die übrigen Stückelungen aus der zweiten Serie eingeführt? 

Die weiteren Stückelungen der Europa-Serie werden in den kommenden Jahren in Umlauf gebracht.

Genaue Termine stehen noch nicht fest.

 Wie lange sind die Banknoten der ersten Serie noch gültig? Müssen diese gegen neue Noten getauscht werden? 

Beide Serien werden parallel als gesetzliches Zahlungsmittel laufen. Der Termin, zu dem die erste Euro-Banknotenserie ihre Gültigkeit als gesetzliches Zahlungsmittel verliert, wird weit im Voraus bekannt gegeben. Die Banknoten der ersten Serie können jedoch für unbefristete Zeit bei der Bundesbank umgetauscht werden.

 Wer gestaltet die neue Banknotenserie? 

Mit der Überarbeitung der Banknotengestaltung wurde Reinhold Gerstetter, ein unabhängiger Banknotendesigner aus Berlin, beauftragt.

 Haben sich Motive/Farben der Banknoten verändert? 

Das Leitmotiv der Euro-Banknotenserie nennt sich „Zeitalter und Stile“. Dieses Leitmotiv wurde auch in der zweiten Banknotenserie beibehalten, allerdings im Design geringfügig verändert, um neue Sicherheitsmerkmale besser zu integrieren und eine einfache Unterscheidung der beiden Serien zu ermöglichen. Die Brücken auf den Banknoten repräsentieren verschiedene Epochen und Baustile der europäischen Kulturgeschichte:

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  • 5-Euro-Banknote: Klassik
  • 10-Euro-Banknote: Romanik
  • 20-Euro-Banknote: Gotik
  • 50-Euro-Banknote: Renaissance
  • 100-Euro-Banknote: Barock und Rokoko
  • 200-Euro-Banknote: Eisen- und Glasarchitektur des 19. Jahrhunderts
  • 500-Euro-Banknote: Architektur des 20. Jahrhunderts

Bei der Währungsbezeichnung kommt zum bisherigen lateinischen (EURO) und griechischen (EYPΩ) auch die kyrillische Bezeichnung (EBPO) hinzu. Die Initialen der EZB wurden von fünf auf neun Schriftarten erweitert.

 Existieren die Brücken auf den Scheinen wirklich? 

Nein, diese Brücken sind rein fiktiv, spiegeln allerdings europäische Baustile wieder. Somit soll verhindert werden, dass sich ein Land innerhalb des Eurosystems vernachlässigt fühlt, wenn kein nationales Motiv auf einem Schein abgebildet ist. Um trotzdem auch nationale Motive mit in das Design des Bargeldes einfließen zu lassen, gibt es die nationalen Seiten der Münzen.

 Wie erkenne ich falsche Banknoten? Gilt „fühlen, sehen, kippen“ noch? 

Der Dreiklang „fühlen, sehen, kippen“ zur Prüfung der Banknoten auf Echtheit bleibt erhalten, obwohl das Aussehen und die Positionierung der Merkmale auf der Banknote teilweise verändert sind.

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  •  Fühlen: Erhabenes Relief an den äußeren Rändern, sowie an der großen Wertzahl
  •  Sehen: Porträt-Fenster, Wasserzeichen und Sicherheitsfaden sind sichtbare Sicherheits-merkmale
  •  Kippen: Durch Kippen kommt es zu sichtbaren Veränderungen des Porträt-Fensters, des Portrait-Hologramm und der Smaragdzahl

 Wie läuft die Entwicklung einer neuen Banknote ab? 

Im Rahmen des Eurosystems arbeiten viele Experten in verschiedenen Gremien und Arbeitsgruppen an der Entwicklung der Europa-Serie. Die akkreditierten Druckereien und Lieferanten von Vorprodukten werden ebenfalls in die Arbeiten eingebunden.

 Wird die neue Banknotenserie auch von blinden und sehbehinderten Menschen gut zu unterscheiden sein? 

Durch den erhabenen Druck an den äußeren Rändern der Banknoten können auch Blinde und sehbehinderte Menschen die verschiedenen Nennwerte voneinander unterscheiden.

 Welchen Lebenszyklus haben Banknoten? 

Wie lange eine Banknote umläuft, hängt von ihrem Nennwert ab. Die kleineren Stückelungen bis 50 Euro haben eine Umlaufdauer von einem bis zu vier Jahren. Die größeren Stückelungen ab 100 Euro Nennwert laufen teilweise bis über zehn Jahren um. Mit dem Nennwert steigt auch die Umlaufdauer.

 Wie lange wird die neue Banknote haltbar sein? 

Eine pauschale Angabe zur Lebensdauer einer Banknote der Europaserie gibt es nicht. Allerdings deuten die in den Jahren 2013 und 2014 gesammelten Erfahrungen darauf hin, dass sich die Lebensdauer der bereits eingeführten neuen 5- und 10-Euro-Scheinen durch die Lackierung der Banknoten deutlich erhöht hat. Die Folge: Die Kosten für das Eurosystem und die Auswirkungen auf die Umwelt haben sich erheblich verringert.

 Wird es eine dritte Banknotenserie geben? 

Die Weiterentwicklung von Banknoten ist eine permanente Aufgabe des Eurosystems, derzeit liegt das Augenmerk allerdings auf der zweiten Banknoten-Serie.

 Werden die Euro-Münzen auch neu gestaltet? 

Eine Neugestaltung der Münzen ist nicht geplant. Allerdings wurde aufgrund der Erweiterung der Europäischen Union das Motiv der gemeinsamen europäischen Seite der Münzen ab 10-Euro-Cent aufwärts angepasst. Seit 2007 sind auf den Münzen keine Ländergrenzen mehr zu sehen.

 Was kostet die Produktion einer Banknote? 

Die Herstellungskosten von Banknoten hängen von verschiedenen Faktoren ab. Im Durchschnitt kostet die Herstellung einer Eurobanknote etwa 8 Cent.

 Wer produziert die neuen Banknoten? 

Verschiedene Nationale Zentralbanken sind mit dem Druck der Euro-Banknoten betraut. Die Volumina, welche von den einzelnen NZBen produziert werden, richten sich nach deren Kapitalanteil an der EZB. In Deutschland ansässige und von der EZB zum Druck von Euro-Banknoten akkreditierte Banknotendruckereien sind die Bundesdruckerei GmbH, Berlin und Giesecke & Devrient mit dem Produktionsstandort Leipzig. Europaweit besitzen derzeit 16 Hochsicherheits-Banknotendruckereien die für die Produktion von Euro-Banknoten erforderliche Akkreditierung.

 Was bedeutet die neue Seriennummer? 

Die Geldscheine der zweiten Euro-Serie weisen auf der Rückseite zwei Seriennummern auf: eine horizontal verlaufende schwarze Nummer sowie eine vertikal verlaufende Nummer, die in einer anderen Farbe gehalten wird. Die horizontal angeordnete Nummer besteht aus zwei Buchstaben, gefolgt von zehn Zahlen. Der erste Buchstabe gibt Auskunft über die Druckerei. Der zweite Buchstabe hat keine spezifische Bedeutung, ermöglicht aber eine größere Anzahl von Seriennummern.