Tödlicher Unfall in Österreich Sind Hochbetten eine Gefahr für Kinder?

Von Corinna Berghahn | 07.10.2015, 09:15 Uhr

Ein Mädchen stürzt aus seinem Hochbett und verletzt sich dabei tödlich. So geschehen jüngst in Österreich. Aber auch hierzulande verletzen sich Kinder teilweise schwer, weil sie aus ihren Hochbetten fallen.

Ein Hochbett soll es sein. Möglichst mit Rutsche. So lautet der Wunsch vieler Kinder ab drei Jahren. Und auch Eltern mögen das Möbelstück, schafft es in oft engen Kinderzimmern doch viel Platz. Doch sollten sie vor dem Kauf einiges beachten, um ihr Kind nicht in Gefahr zu bringen. Denn fällt ein Kind auf dem Kopf, kann dies schlimme Folgen haben.

Schädel-Hirn-Trauma

Erst jüngst sorgte ein tödlicher Unfall in Österreich für Schlagzeilen: Eine Mutter hatte ihre zwölfjährige Tochter tot vor ihrem Hochbett liegend aufgefunden, wie „Der Standard“ berichtete. Das Mädchen muss bei einem nächtlichen Sturz aus dem Bett mit dem Kopf aufgekommen sein. Diagnose: Schädel-Hirn-Trauma.

Tragisch auch der Fall eines kleinen Mädchens aus Rheinland-Pfalz aus dem Jahr 2004: Als Zweijährige tauschte sie das Bett mit ihrer älteren Schwester und rutschte während des Schlafens durch den Seitenausfallschutz des Hochbettes. Dabei blieb das Kleinkind mit dem Kopf hängen und ist seitdem schwer behindert.

Kleine Kinder landen oft auf dem Kopf

Dass Unfälle mit Hochbetten gar nicht so selten sind, lassen Zahlen aus den USA vermuten: Zwischen 1990 und 2005 wurden dort jährlich 36000 Hochbetten-Unfälle gezählt. Für Deutschland gibt es keine Daten, nichtsdestotrotz ist das Thema auch bei Kinderärzten hierzulande ein Thema. „Unfallvermeidung ist ein fester Bestandteil unserer Beratung – und da Sturzunfälle die häufigsten bei Kindern sind, klären wir die Eltern auch über die Gefahr von Hochbetten auf“, sagt Tanja Brunnert vom Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte im Gespräch mit unserer Redaktion.

Besonders Städte mit hohem Altbauanteil wie Berlin sind Hochburgen für Sturzunfälle von Hochbetten. Aus einem ganz logischen Grund: Wo es mehr hohe Räume gibt, werden auch mehr Hochbetten angebracht und daher kommt es auch zu mehr Unfällen.

Doch bei Kindern kann ein Hochbett gefährlich werden. Ein Grund liegt in der Anatomie: „Gerade junge Kinder haben einen im Vergleich zum Körper recht großen und schweren Kopf. Wenn sie fallen, landen sie daher öfters auf ihm“, so Kinderärztin Brunnert. „Zudem laden Hochbetten geradezu zum Toben ein – und in der Hitze des Gefechts könnten die Kinder dann herunterfallen.“

Was Eltern beachten müssen

Eltern sollten also einiges beachten, wenn sie dem Betteln ihres Kindes nachgeben wollen. „Für Kleinkinder sind Hochbetten nicht geeignet. Auch nicht für Kinder, die es nachts noch ins Bett der Eltern zieht.“ Dasselbe gilt für Epileptiker, schlafwandelnde Kinder oder Kinder mit ADHS.

Trifft keine dieser Diagnosen zu, kann „im Schulkindalter über den Kauf eines Bettes nachgedacht werden, vorausgesetzt, das Kind kann sich sicher bewegen und das Bett hochklettern, ohne auf fremde Hilfe angewiesen zu sein“. Und „Die Leiter sollte so gestaltet sein, dass das Kind sie problemlos erklimmen kann.“ Zudem sollte das Kind keine Kleidung tragen, die über Kordeln verfügt, an denen es sich strangulieren kann.

GS-Zeichen, Dübeln und keine Federkernmatratze

Beim Bett selbst sollte auf ein GS-Zeichen geachtet werden und die Umrandung muss mindestens 16 Zentimeter höher sein als die Matratze. Zudem sollte das Bett fest an die Wang angedübelt werden. Stichwort Matratze: Brunnert empfiehlt, auf eine Federkernmatratze zu verzichten, da diese zum Springen einlädt. „Spielen und Springen sind tabu auf einem Hochbett.“ Falls das Kind nachts doch mal raus muss, rät sie auch zu einer Beleuchtung am Bett, die das Kind von oben einschalten kann.

Auch die Gestaltung des Kinderzimmers muss durchdacht werden: Das Bett sollte nicht so nah an einem Fenster stehen, dass das Kind herausfallen kann. Vor dem Hochbett sollten zudem keine Gegenstände stehen, auf die das Kind fallen und sich schwer verletzten kann, sagt Brunnert.

Sie berichtet von einem Fall, wo ein kleiner Junge mit dem Po auf einem extra zum Abenteuer-Bett passenden geschnitzten Holzanker gefallen ist und so schwere Verletzungen am Darmausgang erlitt. Sicherer sei es, das Zimmer mit Teppichen auszulegen: „Je weicher man fällt, desto besser ist es auch“.