Sonnenfinsternis 2015 Sonne wird am Freitag in Deutschland bis zu 80 Prozent bedeckt

18.03.2015, 10:21 Uhr

epd Hamburg. Weil die Himmelsmechanik verlässlich funktioniert, wird es sich genau so abspielen wie vorausgesagt: Just zum Frühlingsbeginn am Freitag ab 9.30 wird sich die Sonne bei der Sonnenfinsternis 2015 verdunkeln. Der Mond wird mehr und mehr von der Sonnenscheibe bedecken und sie zunehmend verfinstern, in Deutschland aber leider nur teilweise.

In Frankfurt am Main werden 74,4 Prozent bedeckt, in Berlin 74,2 Prozent, in Köln sind es 77,3 Prozent und in München 67,7 Prozent. In Hamburg werden sogar 79,3 Prozent der Sonne bedeckt sein, das Maximum wird hier gegen 10.45 Uhr erreicht, das Ende gegen 11.55 Uhr. Total ist die Finsternis nur im Nordatlantik, auf den Färöer-Inseln und auf Spitzbergen. (Weiterlesen: Sonnenfinsternis 2015: Das Himmelsschauspiel am 20. März.) 

Bei Wolken kaum etwas von der Sonnenfinsternis zu sehen

Wenn allerdings Wolken am Himmel hängen, werden die meisten Menschen von der „partiellen (= teilweisen) Sonnenfinsternis“ gar nichts mitbekommen. „Selbst eine Bedeckung der Sonne von 80 Prozent sorgt nicht für eine größere Verdunkelung - die verbleibenden 20 Prozent Sonnenlicht reichen aus, um als taghell wahrgenommen zu werden“, sagt der Hamburger Astronom Bernd Loibl. (Weiterlesen: Im Westen soll es zur Sonnenfinsternis wenige Wolken am Himmel geben.) 

Bei wolkenlosem Himmel wird der schwarze Mond von rechts nach links ziehend immer mehr von der Sonnenscheibe „anknabbern“. Beobachter sollten dabei ihre Augen schützen, weil niemand direkt in die Sonne schauen sollte, schon gar nicht mit Ferngläsern oder gar Teleskopen.

Mond ist viel kleiner als die Sonne

Der Mond ist etwa um den Faktor 400 kleiner als die Sonne. Und die Erde ist von der Sonne etwa 400 Mal so weit entfernt wie vom Mond. Daher erscheinen Sonne und Mond am Himmel etwa gleich groß. Nur darum kann der Mond die Sonne am Himmel überhaupt bedecken. (Weiterlesen: Jeder Dritte hält einen Stromausfall bei der Sonnenfinsternis für möglich.) 

Wenn der Mond auf derselben Himmels-Ebene um die Erde laufen würde wie die Erde um die Sonne, würde es bei jedem Umlauf mindestens eine Sonnenfinsternis geben. Doch weil die Mondbahn leicht geneigt ist, zieht der unsichtbare Neumond meist ober- oder unterhalb der Sonne vorbei. Finsternisse treten nur auf, wenn sich der Neumond in der Nähe der Erdbahn-Ebene befindet oder diesen „Knotenpunkt“ genau trifft.

Beobachter auf der Nordhalbkugel könnten sich wundern, dass sich der Mond bei einer Sonnenfinsternis von rechts nach links über die helle Scheibe schiebt - weil er doch normalerweise in der anderen Richtung über den Himmel zu ziehen scheint. Dieses Phänomen liegt daran, dass sich die Erde gegen den Uhrzeigersinn um sich selber dreht und dabei den Mond ständig „überholt“, der ebenfalls gegen den Uhrzeigersinn um die Erde läuft. Der Mond bleibt gegenüber der Erddrehung quasi zurück, und darum sieht es so aus, als wandere er rechts herum (mit dem Uhrzeigersinn) über den Himmel. Bei einer Sonnenfinsternis zeigt sich daher zugleich die wahre Bewegung des Mondes.

Letzte totale Sonnenfinsternis in Deutschland 1999

In Deutschland fand die letzte totale Sonnenfinsternis am 11. August 1999 statt, die nächste totale wird bei uns erst am 2. September 2081 sein. Oft gibt es weltweit nur zwei im Jahr, selten vier, nur manchmal fünf. Aber Sonnenfinsternis-Ausflüge lassen sich gut planen: Die US-Weltraumbehörde NASA hat sämtliche Daten mit exakten Zeitangaben bis zum Jahr 2100 ins Netz gestellt. 

Sonnenfinsternis bei Jesus Kreuzigung?

Manche glauben, dass es zur Kreuzigung Jesu ebenfalls eine Sonnenfinsternis gegeben hat. Die Evangelien von Markus, Lukas und Matthäus erwähnen eine „Finsternis“, die Karfreitag hereinbrach und das Land und auch die ganze Welt drei Stunden lang verdunkelt habe.

Dabei kann es sich aber kaum um eine Sonnenfinsternis gehandelt haben, denn selbst in ihrer totalen Form dauert das Maximum der Bedeckung nicht länger als einige Minuten, maximal etwa siebeneinhalb. Der Kernschatten des Mondes überstreicht auf der Erde einen wenige hundert Kilometer schmalen Streifen und keineswegs das ganze Land, schon gar nicht die ganze Welt. Aber die Evangelisten dürften von astronomischen Ereignissen ohnehin eher weniger verstanden haben - weil sie andere Erzählinteressen hatten: Die Bibel ist kein Astronomie-Buch. (Weiterlesen: So man man Fotos von der Sonnenfinsternis 2015.) 

Schlagend ist das Argument, dass der Karfreitag den biblischen Berichten zufolge kurz vor dem jüdischen Passahfest stattgefunden hat. Passah wurde traditionell bei Vollmond oder in zeitlicher Nähe zum Vollmond gefeiert. Dann aber kann es keine Sonnenfinsternis geben, weil der Vollmond nicht zugleich als Neumond zwischen Sonne und Erde stehen kann.