Online-Zimmervermittler reagiert Airbnb -Kunde angeblich von Zimmervermieterin missbraucht

Von Waltraud Messmann | 15.08.2015, 17:43 Uhr

Nach dem mutmaßlichen sexuellen Missbrauch eines 19-Jährigen Airbnb-Kunden durch seine Gastgeberin in Madrid hat der weltweit größte Online- Zimmervermittler Airbnb Konsequenzen angekündigt. Gegenüber der „New York Times“ sagte Airbnb-Sprecher Nick Papas, das Unternehmen wolle dafür sorgen, dass seine Mitarbeiter in Zukunft in solchen Fällen besser reagierten. Man werde klarstellen, dass Airbnb seinen Kunden in Notfällen zu Hilfe komme.

Der Vorfall, bei dem Anfang Juli ein 19-jähriger US-Amerikaner nach eigenen Angaben von seiner Zimmervermieterin in Madrid mit einem Messer bedroht und sexuell missbraucht worden sei, sei aber ein Einzelfall, betonte der Airbnb -Sprecher.

In der Wohnung sexuell bedrängt

Der 19-jährige hatte der „New York Times“ berichtet, dass ihn die Zimmervermieterin nach seiner Ankunft in der Wohnung sexuell bedrängt habe. Weil er sich gewehrt habe, habe sie die Wohnungstür verschlossen, so dass er nicht fliehen konnte. Er habe dann eine Gelegenheit gefunden, seine Mutter per SMS um Hilfe zu bitten.

Als diese bei Airbnb aber angerufen habe, sei man dort weder bereit gewesen, ihr die Adresse der Unterkunft zu geben, noch habe man die Polizei rufen wollen. Einzig die Telefonnummer der Madrider Polizei hätten die Airbnb-Mitarbeiter herausgerückt, hieß es weiter. Die habe die Mutter allerdings in eine Warteschleife geführt. Der Anruf bei der Polizei sei nicht zustande gekommen.

Opfer musste in Therapie

Bei einem neuerlichen Anruf bei Airbnb, sei die Mutter über die Mailbox des Unternehmens nicht hinausgekommen. Der Sohn wurde nach eigenen Angaben von der Frau, die wie sich später herausstellte transsexuell war, missbraucht. Er musste sich nach eigenen Angaben nach seiner Rückkehr in die USA in Therapie begeben. Dem 19-Jährigen war es nach dem Missbrauch gelungen, aus der Wohnung zu flüchten.

Vermieterin streitet Vorwurf ab

Die Vermieterin stritt den sexuellen Missbrauch ab und gab bei einer Vernehmung durch die Polizei in Madrid an, dass der sexuelle Kontakt einvernehmlich erfolgt sei. Dem Gast aus den USA warf sie eine feindselige Einstellung gegenüber Transsexuellen vor. Sie sei überzeugt, dass sich ihre Unschuld erweisen werde. Die „New York Times“ betont ausdrücklich , dass in diesem Fall Aussage gegen Aussage stehe.

Wieviel Verantwortung hat Airbnb für Sicherheit der Kunden?

Das sei aber auch nicht der zentrale Punkt, betont das Blatt und fragt: „Wie viel Verantwortung ist Airbnb eigentlich bereit, für die Sicherheit ihrer Kunden zu übernehmen?“ Einerseits würde der Online-Zimmervermittler seine Kunden als Gäste bezeichnen und mit seinen Sicherheitsmaßnahmen werben. „Aber in diesem Fall haben die Airbnb-Mitarbeiter eine Entscheidung getroffen, die in einem Hotel so nicht möglich gewesen wäre.“Statt jemanden zu schicken, der die Situation des 19-jährigen checkt, habe man alles der Mutter überlassen. (Weiterlesen: Mit Airbnb in Osnabrück zu Gast)

Sprecher räumt Fehler ein

Airbnb-Sprecher Nick Papas räumte gegenüber der Zeitung Fehler ein. Die Mitarbeiter seien bei dem Vorfall in eine Zwickmühle geraten: Einerseits wolle man Opfern sexueller Übergriffe selbst überlassen, wann, wie oder ob sie diese zur Anzeige bringen. Andererseits wolle man natürlich einschreiten, wenn kriminelle Handlungen im Gange seien und die Polizei unverzüglich verständigen.

Im konkreten Fall seien die Mitarbeiter wohl davon ausgegangen, dass der sexuelle Übergriff zum Zeitpunkt des Anrufes bereits stattgefunden habe, so der Sprecher. Man werde die Mitarbeiter anweisen, die Polizei in solchen Fällen künftig sofort zu verständigen. (Weiterlesen: Kritik an Vermittlungsportalen wie Airbnb durch Hotel- und Gaststättenverband)