Lappen, Hände, Brettchen Das sind die größten Keimquellen im Haushalt

Von Eva Voß | 19.03.2016, 11:00 Uhr

Viele Menschen fürchten, durch Schadstoffe und Pestizide in Lebensmitteln krank zu werden. Die weitaus größere Gefahr geht allerdings an mangelnder Hygiene im Haushalt aus. Das sind die größten Keimquellen:

Mehr als 100.000 lebensmittelbedingte Erkrankungen werden nach Angaben des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) in Deutschland jedes Jahr gemeldet. Sie rechnen sogar damit, dass die Dunkelziffer noch weit höher ist. Dabei ließen sich durch mangelnde Hygiene verursachte Erkrankungen ganz leicht vermeiden. Wir erklären, welches die größten Keimquellen im Haushalt sind und welche Hygieneregeln zu beachten sind. (Weiterlesen: Das Norovirus ist hochansteckend)

  • 1. Fleisch, Geflügel und Fisch

Nach dem Einkauf sollte frisches Fleisch, Geflügel oder Fisch in der kältesten Region des Kühlschranks aufbewahrt werden. Das ist oberhalb des Gemüsefachs. Gefrorene Lebensmittel sollten im Kühlschrank aufgetaut werden, so wird die Keimbildung reduziert. Anschließend wird das Tauwasser sowie die Verpackung entsorgt. Oberflächen, die mit dem Fleisch oder dem Tauwasser in Berührung gekommen sind, werden genauso wie Hände gründlich gereinigt. Bei der Zubereitung empfiehlt das BfR, die Produkte mindestens zwei Minuten lang auf 70 Grad Celsius zu erhitzen. Überprüfen lässt sich das mit einem Fleischthermometer.

  • 2. Pflanzliche Lebensmittel

Auch pflanzliche Lebensmittel können mit Keimen belastet sein. Das ist besonders dann problematisch, wenn sie nicht erhitzt, sondern roh, etwa im Salat, verzehrt werden. Die EHEC-Epidemie vor fünf Jahren zum Beispiel wurde durch verunreinigte Sprossen ausgelöst. 49 Menschen starben damals. Deshalb sollten auch pflanzliche Lebensmittel vor der Verarbeitung gründlich unter fließendem Wasser gereinigt werden. Bei Gemüsesorten, die erdnah wachsen, wie etwa Möhren und Gurken, empfiehlt es sich, sie zu schälen. Neben Sprossen sind auch gefrorene Beeren als Auslöser von Lebensmittelinfektionen bekannt. Gefrorene Beeren und Sprossen sollten besser nicht roh verzehrt, sondern vollständig erhitzt werden.

  • 3. Schwämme, Lappen, Bürsten

Bakterien und Keime lieben Spülschwämme und Lappen, weil sie dort ein ideales Klima vorfinden: warm und feucht. Deshalb sollten Schwämme, Lappen, Bürsten und Geschirrhandtücher wenigstens einmal pro Woche ausgetauscht werden. Ein untrügliches Zeichen für eine Keim-Epidemie auf dem Spüllappen ist ein muffiger Geruch. Schwämme und Lappen können zum Beispiel in der Mikrowelle gereinigt werden. Nach etwa zwei Minuten bei 800 Watt werden etwa 99 Prozent der Erreger abgetötet, wie Forscher der University of Florida in Gainesville herausgefunden haben. Allerdings muss der Lappen nass sein. Alternativ können sie auch bei mindestens 60 Grad in der Maschine gewaschen werden. Spülbürsten aus Plastik werden in der Spülmaschine wieder sauber. Hier haben allerdings Spüllappen und Schwämme nichts zu suchen. Fusseln könnten das Sieb verstopfen. Zum Putzen der Küche ist nach Angaben des BfR ein herkömmlicher Haushaltsreiniger ausreichend. Desinfektionsmittel seien nur angebracht, wenn es Arzt oder Gesundheitsamt empfohlen haben. Wenn beim Kochen etwas daneben gegangen ist, wird das am besten mit Küchenkrepp aufgewischt. (Weiterlesen: Drei Standardreiniger reichen für Hausputz)

  • 4. Küchenbrettchen und -messer

Bei Brettchen und Messern ist vor allem die sogenannte Kreuzkontamination ein Problem. Das bedeutet, dass Keime von einem Lebensmittel auf das andere übertragen werden. Für rohe und gegarte Lebensmittel sollten deshalb nie die selben Küchenutensilien verwendet werden: ein Brettchen und ein Messer nur für Fleisch, ein Brettchen und ein Messer nur für Obst und Gemüse. Auch gegarte Lebensmittel sollten nicht auf Brettchen geschnitten werden, auf denen zuvor rohe Produkte bearbeitet wurden. Das BfR empfiehlt bei der Zubereitung von Speisen mit dem Dessert oder Salaten anzufangen und erst ganz zum Schluss rohes Fleisch zu verarbeiten. So könne die Kreuzkontamination leicht vermieden werden.

Ob Schneidbretter aus Kunststoff oder Holz hygienischer sind, ist umstritten. Das BfR empfiehlt Brettchen aus Kunststoff, doch bei einem Test des NDR Fernsehens schnitten Holzbrettchen besser ab. Manche Hölzer sollen sogar antimikrobielle Eigenschaften haben.

  • 5. Kühlschrank

Kühlschränke sind häufig aus Energiespargründen zu warm eingestellt. Die Temperatur sollte höchstens sieben, besser fünf Grad Celsius betragen. Verdorbene oder schon lange abgelaufene und nicht mehr genießbare Lebensmittel sollten so schnell wie möglich in den Müll wandern. Außerdem empfiehlt es sich, Kühlschränke ohne Abtau-Automatik regelmäßig von überschüssigem Eis zu befreien. Gleiches gilt für das Kondenswasser, das sich häufig an der Rückwand des Kühlschranks bildet. Dort finden Keime einen idealen Brutplatz. Der Kühlschrank sollte mehrmals pro Jahr gereinigt werden.

  • 6. Die eigenen Hände

Das Wichtigste zum Schluss: Sehr viele Keime verbreiten sich über ungewaschene Hände. Es sollte zwar selbstverständlich sein, doch Händewaschen wird gerne vernachlässigt. Unabdingbar ist es nach dem Toilettengang, nach dem Windeln wechseln, nach dem Niesen, nach dem Kontakt mit Tieren, nach dem Kontakt mit Abfällen, nach der Gartenarbeit, vor der Zubereitung von Essen, nach dem Umgang mit rohem Fleisch, Fisch oder Geflügel, nach dem Putzen von Gemüse und vor dem Essen. Leichtes Benetzen der Hände mit Wasser reicht übrigens nicht. Die Hände sollten schon mit Seife unter fließendem Wasser etwa 30 Sekunden lang sorgfältig gereinigt werden. Wer weder Wasser noch Seife zur Verfügung hat, kann die Hände auch mit Reinigungstüchern oder speziellen Gels säubern. (Weiterlesen: Auf der Herrentoilette unterscheidet sich der Mann)

Quelle: Bundesinstitut für Risikobewertung