Erklärung für Nahtoderfahrungen? Gehirn ist nach Herzstillstand extrem aktiv

Von dpa | 15.08.2013, 22:00 Uhr

Nach einem Herzstillstand steigt die Hirnaktivität kurzzeitig deutlich an. Dieses Ergebnis einer Tierstudie widerspricht Annahmen, dass die Tätigkeit des Denkorgans beim Prozess des Sterbens langsam versiegt. Stattdessen könnte die Untersuchung Berichte von Nahtoderfahrungen bestätigen, die Überlebende eines Herzstillstands besonders reell empfinden.

dpa Washington. Nach einem Herzstillstand steigt die Hirnaktivität kurzzeitig deutlich an. Dieses Ergebnis einer Tierstudie widerspricht Annahmen, dass die Tätigkeit des Denkorgans beim Prozess des Sterbens langsam versiegt. Stattdessen könnte die Untersuchung Berichte von Nahtoderfahrungen bestätigen, die Überlebende eines Herzstillstands besonders reell empfinden.

Das berichten Forscher der University of Michigan in dem Wissenschaftsmagazin „Proceedings“. Etwa jeder fünfte Überlebende eines Herzstillstands berichtet von Nahtoderfahrungen. Viele Forscher sind der Meinung, dass die Hirnaktivität nach einem Herzstillstand und dem Stopp der Nährstoffversorgung endet und keine koordinierten Abläufe mehr möglich sind. Die Hirnforscher um Jimo Borjigin verglichen die Hirnaktivitäten von neun Ratten im Wachzustand, unter Narkose und nach einem Herzstillstand. „Falls die Nahtoderfahrung von einer Hirnaktivität stammt, sollte man neuronale Bewusstseinskorrelate bei Menschen oder Tieren nach dem Ende der Blutversorgung des Gehirns identifizieren können“, so Borjigin.

Tatsächlich zeigten alle Tiere in den ersten 30 Sekunden nach dem Stillstand auffällig synchrone Muster von Gamma-Hirnwellen, als ob das Gehirn wach und extrem stimuliert wäre. „Das hohe Maß der Aktivität überraschte uns“, sagt der Neurochirurg George Mashour. „Viele elektrische Merkmale des Bewusstseins überstiegen die Werte des Wachzustands.“ Das deute darauf hin, dass das Gehirn im frühen Stadium des klinischen Todes zu gut organisierter elektrischer Aktivität fähig ist.

„Nahtoderfahrungen sind ein biologisches Paradox, das unser Verständnis vom Gehirn herausfordert und angeführt wird als Beleg für ein Leben nach dem Tod und für ein menschliches Bewusstsein, das nicht vom Körper abhängt“, schreiben die Forscher. Die Studie liefere einen Erklärungsansatz für solche Erfahrungen. Der Kölner Neurologe Prof. Michael Schroeter vergleicht das mit einem Motor, der unter Last langsamer dreht als im Leerlauf.

Dies beweise aber nicht, dass die Hyperaktivität des Gehirns auch die Ursache von Nahtoderfahrungen sei. „Aber es ist erstmals ein attraktiver Erklärungsansatz.“,