Als Nahrungsergänzung US-Studie: Kalziumpräparate können krank machen

Von Waltraud Messmann | 12.10.2016, 19:47 Uhr

Kalzium galt lange Zeit als völlig ungefährlich und gut für die Gesundheit. Jetzt enthüllt eine US-Studie, dass eine kalziumreiche Ernährung zwar eine positive Wirkung auf Knochen, Gefäße und Herz hat. In Form von Nahrungsergänzungsmitteln könne Kalzium aber gesundheitsschädlich sein, das Risiko für Arteriosklerose sogar deutlich erhöhen.

Für die Studie, über die das Wissenschaftsportal „Scienxx“ berichtet, werteten John Anderson von der University of North Carolina und sein Team die Gesundheitsdaten von 2742 Männern und Frauen ab 45 Jahren über zehn Jahre unter anderem daraufhin aus, wie viel Kalzium die Teilnehmer über die Ernährung und über Nahrungsergänzungsmittel aufgenommen hatten.

Art der Aufnahme

Bei der Auswertung der Daten zeigte sich, dass die Art der Aufnahme von Kalzium entscheidend für seine Wirkung war. Eine an Kalzium reiche Ernährung hatte demnach einen positiven Effekt auf die Knochen und auch auf das Herz und die Gefäße. So entwickelten die Studienteilnehmer, die über ihre Nahrung mehr als 1400 Milligramm Kalzium täglich aufnahmen, innerhalb von zehn Jahren 27 Prozent weniger häufig Arteriosklerose (Kalkablagerungen in den Gefäßen) und auch weniger Herzerkrankungen. Bei der Einnahme von Kalzium als Nahrungsergänzungsmittel verkehrten sich diese positiven Effekte zum Teil ins Gegenteil, berichtet „Scienxx“: Tatsächlich hätten Teilnehmer, die eine ähnliche Menge Kalzium als Tablette einnahmen, 22 Prozent häufiger eine Arteriosklerose entwickelt. Auch Herzschäden nahmen zu.

Große Unterschiede

Das Wissenschaftsportal zitierte Anderson mit den Worten: „Es gibt ganz offensichtlich Unterschiede darin, wie unser Körper Kalzium aus Ergänzungsmitteln oder aus der Nahrung aufnimmt und verarbeitet.“ Möglicherweise liege das daran, dass Nahrungsergänzungsmittel Kalziumsalze enthielten. Es könne aber auch sein, dass der Körper die große Menge Kalzium, die in den Ergänzungsmitteln enthalten seien, nicht verarbeiten könne.

Überschüssiges Kalzium

Wie „Scienxx“ weiter berichtet, hätten schon frühere Untersuchungen gezeigt, dass Kalzium aus Nahrungsergänzungsmitteln oft nicht in die Knochen gelange, wo es benötigt werde. Es werde aber auch nicht vollständig mit dem Urin ausgeschieden. Dieses überschüssige Kalzium steht im Verdacht, die Kalkablagerungen in den Arterien zu fördern.

In den USA nehmen mehr als die Hälfte der Frauen über 60 Kalzium - viele ohne Aufsicht eines Arztes - weil sie glauben, dass die Einnahme ihr Risiko für Osteoporose reduziert. .

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Studienaufbau: Die Teilnehmer der Untersuchung waren im Alter von 45 bis 84 Jahren. 51 Prozent waren weiblich. Zu Beginn der Studie im Jahr 2000, beantworteten alle Teilnehmer ein 120-teiligen Fragebogen über ihre Ernährungsgewohnheiten in Bezug auf die Aufnahme von Kalzium. Außerdem wurde erfasst,, welche Medikamente und Nahrungsergänzungsmittel jeder Teilnehmer täglich einnahm.