Raumnot für Schule, Jugend, Awo Fünf Konflikte auf zwei Hektar in Büren

15.12.2013, 12:25 Uhr

„Was würden die in Westerkappeln machen?“, fragte ein Mitarbeiter der Lotter Verwaltung mit Blick auf die knappen Zuhörerplätze im Ratssaal der Nachbargemeinde. In Wersen können 50 Bürger locker sitzen, um ihren Protest auszudrücken. Knapp wurde es dieses Jahr mehrfach, einmal reichten die Sitzplätze nicht aus – und meistens ging es um Büren.

Seit Jahrzehnten fehlt dort ein Jugendraum, seit Jahren beklagt die Offene Ganztagsschule (OGS) Platzmangel, und noch länger fordert die Regenbogenschule ein geschlossenes Forum. Der Versuch der Jamaika-Fraktionen CDU, FDP und Grüne im Lotter Rat, diesen gordischen Knoten mit einem Streich durchzuschlagen, ließ die ruhenden Konflikte eskalieren.

Gut 100 Meter vom Schulhof entfernt, fristet die Elly-Heuss-Tagesstätte ein beschauliches Dasein. „Bürens heimliche Stadthalle“ dient letztlich allein der von Renate Woda mit Herzblut geführten Awo Wersen als Treff. Eine rege Seniorenarbeit hat sich in der alternden Ortschaft etabliert.

Dieses gemeindeeigene Gebäude fasste Jamaika ins Auge: Senioren und Jugendliche sollten ihre Veranstaltungen und Bedürfnisse aufeinander abstimmen und die Tagesstätte künftig gemeinsam nutzen. Der Plan machte aus netten Senioren Wutbürger, die im Oktober mit 332 Unterschriften listig den Ratssaal enterten. Und die traditionell mit der Awo verbandelte SPD geriet samt Bürgermeister unter Druck.

So rückte kurzfristig die Filiale der Sparkasse nebenan, die ebenfalls zum Ärger der Senioren geschlossen wurde, ins Visier der Gemeinde. Urteil nach Ortstermin: Verfügbar, dicht dabei, prima geeignet für OGS und Jugendraum – aber die Kosten…

Aktuelle Zahlen des Kreisschulamtes, die tatsächlich schon ein Jahr lang vorlagen und aus Lottes Einwohnermeldeamt stammen, drängten eine andere Lösung auf. Ab 2015 sollten sie nur noch für fünf erste Klassen an den drei Lotter Grundschulen reichen. Da Alt-Lotte und Wersen frisch ausgebaut sind, lag es nahe, die pädagogisch unerfreuliche Einzügigkeit in Büren umzusetzen.

Übereinstimmend erhofften sich Politik und Verwaltung davon Raumgewinn für OGS und Jugendraum sowie Rettung für die Awo. Das ließ die nächste Generation Wutbürger nachrücken: Bürens Grundschuleltern. Ihrem Ansturm mit rund 100 Personen zur Schulausschusssitzung hatte der Ratssaal teils nur noch Stehplätze zu bieten.

Doch die Jamaika-Fraktionen zeigten sich standhaft, blieben auf ihrem einmal eingeschlagenen Weg, versprachen für den Übergang Schulcontainer und verprellten damit zum zweiten Mal potenzielle Wähler. Die SPD frohlockte und zeigte sich programmatisch flexibler. Sie und die Eltern wurden durch neue Zahlen belohnt: Sie zeigten, dass die Einzügigkeit nicht vor 2019 zur Dauerregelung wird.

Nun wurde allen Beteiligten klar, dass die weit über 100 Kinder in der OGS so lange nicht mehr im Stich gelassen werden konnten. Für den Jugendraum musste eine neue Lösung her, die nicht Awo hieß, und Baukosten wurden an der Schule, an der in den vergangenen Jahren am wenigsten investiert worden war, unausweichlich.

Zu allem Überfluss verkeilten sich Politik und Verwaltung, SPD und Jamaika im Finanzausschuss beim Thema Wirtschaftsförderer. Im Dezember nahte Freitag der 13., und Glück schien fern.

Der Gemeinderat tagte am Abend zuvor – und schaffte das scheinbar Unmögliche. Die Einzügigkeit wurde abgehakt, Geld für den Ausbau des Forums mit Küche, Mensa und nahen Toiletten bereitgestellt, die Container kurzerhand für den Jugendraum umgewidmet. Grundschuleltern und -lehrerinnen jubelten, Awo und SPD lächelten, die Gemeindeverwaltung atmete durch.

Und weil parallel der Haushalt samt Wirtschaftsförderer auch durchging, war selbst Jamaika in Hochstimmung, jede Wut verflogen.