Umdenken bei der Gartenplanung Den Garten klimafreundlich gestalten

Von Claudia Sarrazin | 16.03.2021, 13:32 Uhr

Mehrere Hitzesommer nacheinander haben Spuren in vielen Gärten hinterlassen. Und der eine oder andere Hobbygärtner überdenkt die Gestaltung seines Refugiums – nicht nur hinsichtlich der Bewässerung, sondern auch der Pflanzenauswahl. Gesucht werden Pflanzen, die ebenso mit heißen Trockenperioden im Sommer wie auch feuchten, milden Wintern auskommen.

Mit bienenfreundlichen Pflanzen fing es an: „Es ist seit ungefähr zwei Jahren ein Trend, dass bei uns in der Baumschule viele heimische Gehölze und bienenfreundliche Pflanzen nachgefragt werden“, erklärt Jürgen Mischok von Schönhoff Gärten in Hagen. Und auch Mirja Müller-Dams, Landschaftsarchitektin mit eigenem Büro in Bramsche, spricht sich unter anderem für Blühwiesen für mehr Bienen und Insekten aus. Zudem erhält sie nach den vergangen trockenen Sommern viele Fragen, wie sich „das Ganze“ entwickele.

Trockentoleranz und bunte Herbstfarben

Denn in den vergangenen Sommern erlebten viele Hobbygärtner, wie schlecht beispielsweise Herbstanemonen, Bauernhortensien, Rhododendron und Buchen mit dem Wetter klarkamen. In der Baumschule Schönhoff wünschen sich daher viele Kunden Pflanzen mit „frischen Farben und Trockenheitstoleranz“. Bei den Gehölzen seien zudem Sorten mit bunten Herbstfarben, die an den amerikanischen „Indien Summer“ erinnern, besonders beliebt. Hier empfiehlt Mischok beispielsweise den Amber- oder den Ginkobaum. Und er weiß: „Generell sind Gehölze aus Amerika und Asien gut an unsere neuen klimatischen Bedingungen angepasst.“

Baum statt Sonnenschirm

Davon abgesehen suchen die Kunden der Baumschule immer öfter einen Hausbaum als Schattenspender, der einen Sonnenschirm überflüssig macht. „Denn im Gegensatz zum Baum staut sich unter einem Sonnenschirm die Hitze“, so Mischok, bevor er erklärt: „Unter Hausbäumen verstehen wir übrigens drei bis maximal fünf Meter hohe Bäume.“ Varianten mit extrem großen Schirmartigen Kronen wie der Judasbaum oder der Maulbeerbaum könnten als Sonnenschutz dienen, während langsam wachsende Bäume mit kugelförmigen Kronen wie die Felsenbirne für kleine Gärten besonders geeignet seien.

Was es mit Klimabäumen auf sich hat

Unter dem Begriff „Klimabäume“ werden zudem jene Gehölze zusammengefasst, die mit den sich wandelnden Wetterbedingungen gut zurechtkommen. Müller-Dams empfiehlt zusätzlich zu den genannten Gehölzen noch Hainbuchen, Feldahorn, Esskastanien und den Ebereschen oder Tulpenbäume.

Umdenken ist gefordert

Apropos Bäume: Die Landschaftsarchitektin weist darauf hin, dass der Wandel zum klimafreundlichen Garten grundsätzlich bei vielen ein Umdenken erfordere, und sie erklärt in diesem Zusammenhang: „Ein Garten muss nicht klinisch rein sein: Laub sollte man zum Beispiel liegen lassen, weil es unter anderem eine Übernachtungshilfe für Insekten bietet.“ Und selbst ausgesäte Staudenpflanzen lasse sie erst einmal wachsen. Überhaupt gäbe es viele kleine Tipps für einen ökologisch wertvollen Umgang mit Pflanzen. Abgesehen davon, dass Müller-Dams beispielsweise auf Kunstdünger verzichtet, rät die Landschaftsarchitektin auch davon ab, zu viel zu gießen: „Man kann Pflanzen auch verwöhnen. Natürlich darf man nicht zu wenig gießen.“ Hier gelte es die Pflanzen zu beobachten. Noch ein Tipp: Rasen würde im Sommer nicht so schnell verbrennen, wenn er etwas länger stehen gelassen würde.

Grüne Fassaden und Dächer

Mit Blick auf die Erhitzung in der Städte riet Müller-Dams ferner zu Fassaden- und Dachbegrünung: Diese sorge nicht nur für eine Kühlung im Sommer, Kletterpflanzen wie Kletterhortensien, Climatis und Blauregen seien beispielsweise auch bei Vögeln und Insekten beliebt. Sukkulenten und Gräser hingegen kämen als Dachbepflanzungen gut mit Hitze klar.

Leichtigkeit und farbenfrohe Blüten

Den neuen Wetterbedingungen ebenfalls gut angepasst sind widerstandsfähige Gräser. In Kombination mit farbenfrohe Blütenstauden erinnern sie an die Landschaften Nordamerikas. „Gräser bringen eine gewisse Leichtigkeit in den Garten“, erklärt Müller-Dams, die diese gerne als Kontrast zu „coolen, modernen Anlagen“ einsetzt. Ein weiterer Vorteil ist die Auswahl: Von Gräsern und Stauden gibt es viele Größen und Varianten.

Auf die Sorte kommt es an

Und auch für Hortensien-Freunde hat Müller-Dams eine gute Nachricht: Im Gegensatz zu Bauernhortensien, hätten sich Rispenhortensien in den vergangenen Sommern gut gehalten. Und sie fügt hinzu:„Die kann man auch toll mit Zwiebelblumen unterpflanzen – am besten so, dass alles eine natürliche Anmutung hat.“ Ebenfalls empfehlen kann die Landschaftsarchitektin auch Stochenschnabel als Bodendecker. „Das ist eine dankbare, laubschluckende Pflanze, die pflegeleicht ist und viel hermacht“, findet Müller-Dams.

Mehr Informationen:

•Etagenbau: Bäume in der „obersten Ebene“, gefolgt von Büschen, während eine Unterbepflanzung den Boden vor Erosionen schützt. •Gemischte Hecken: Bei Schädlingsbefall ist in der Regel nicht die ganze Hecke betroffen.•Regenwasser: Dieses lässt sich in Tonnen oder Zisternen sammeln und zum Gießen nutzen. •Bedeckter Boden: Mulchen beispielsweise verhindert das Austrocknen des Bodens.•Natürliche Futterbar: Weißdorn, Vogelbeere, Holunder, Wilder Wein, Schneeball und ähnliche Gehölze dienen den Vögeln als Futterquelle.•Totholz nutzen: Von Totholz profitieren nicht nur Insekten, Amphibien, Reptilien, Spinnen, aber auch Vögel, Fledermäuse, Igel und Haselmäuse, englische Landschaftsgärtner nutzen es seit Jahrhunderten als Gestaltungselement im Garten.•Steinhaufen oder Trockenmauer: Diese haben eine große Anziehungskraft für Tiere und lassen sich einfach bepflanzen und leicht pflegen.•Upcycling: Gebrauchtes lässt sich prima wiederverwenden, zum Beispiel kann altes Geschirr als Pflanzgefäß oder Vogeltränke genutzt werden, Beete können mit alten Backsteinen eingegrenzt werden.•Baumgutachten: Nach mehreren trockenen Sommern, macht es Sinn die Stand- und Verkehrssicherheit größerer Bäume prüfen lassen.•Regionales Baumaterial: Bei Naturmaterialien wie Holz oder Naturstein sollte man auch auf die Länge Transportwege achten.