Düsseldorf Am Kai der modernen Bauten

Von Bernd F. Meier | 20.07.2021, 10:50 Uhr

Stadtführungen gibt es viele, zumeist geht’s dabei in die Vergangenheit. Doch in Düsseldorf ist vieles über Bauwerke der Gegenwart zu erfahren – bei einem Rundgang im Medienhafen.

Der Treffpunkt ist nicht zu übersehen: Düsseldorfs höchstes Bauwerk, der 240 Meter hohe Fernsehturm. Hier beginnt Klaus Siepmann mit Besuchergruppen den Rundgang durch den Medienhafen. „Der Rheinturm wurde Anfang der 1980er Jahre errichtet, geplant vom Architektenbüro Harald Deilmann aus Münster,“ erläutert der Kunsthistoriker.

Zwei Stunden werden die Gäste mit Siepmann den Medienhafen nun erkunden: Düsseldorfs dynamisches Stadtquartier, das am Rheinbogen seit Mitte der 1970er Jahre entstand und auch heute durch neue Bauten weiter wächst.

„Hafenbecken wurden für diese Entwicklung zugeschüttet, am Rand des Medienhafens wurde ab 1988 der Landtag gebaut, zwischen 1990 und 1993 die Rheinuferstraße in einen Tunnel verlegt. Damit rückte das Stadtzentrum an den Fluss, die Uferpromenade entstand mit Fahrradspuren und Fußwegen zum Flanieren“, so der Düsseldorfer Siepmann.

Architektonische Höhepunkte

Der Rundbau des Landtages, der Rheinturm und die Uferpromenade waren der Auftakt zum Medienhafen: 1991 kam das WDR-Landesstudio an der Stromstraße hinzu. Dort werden gegenwärtig die regionalen Fernsehmagazine und Nachrichtensendungen produziert. Nah am Wasser steht das Funkhaus, im Hafenbecken gleich nebenan haben Sportbootkapitäne ihre Motorjachten festgemacht – Freizeitvergnügen gleich neben den modernen Büroarbeitsplätzen.

Nur ein paar Schritte muss Siepmann mit seiner Gruppe am Kai weitergehen, dann ist einer der architektonischen Höhepunkte des Rundgangs erreicht – der Neue Zollhof. Geplant vom kanadisch-amerikanischen Stararchitekten Frank O. Gehry sind die 1998/1999 errichteten drei Bürobauten das bekannteste Gebäudeensemble des gesamten Medienhafens: Schief sind die Fassaden, nur die Fenster im Lot, im blitzblanken Edelstahl spiegelt sich der Rheinturm wider.

„Schauen Sie mal auf die rotbraune Klinkerfassade des Hauses Neuer Zollhof 1“, so Siepmann zu seinen Gästen, die längst die Köpfe in die Höhe gereckt haben. Das wie Stapelware erscheinende Klinkerhaus erinnert an den früheren Zollhof. Das war ein Lagergebäude, in dem zwischen 1896 und 1992 Waren aller Art gestapelt wurden.

Mehr Informationen:

Neben der Tour durch den Medienhafen bieten Klaus Siepmann und sein Team weitere Architektur- und historische Rundgänge in Düsseldorf an, so etwa zu den verborgenen Räumen in der Altstadt, links und rechts der Königsallee und durch Düsseldorfs ältesten Stadtteil Kaiserswerth. Infos unter www.kunst-service.com

Gestern und Heute, Geschichte und Gegenwart, verbinden sich bei dem Rundgang durch den Düsseldorfer Medienhafen, der in Nordrhein-Westfalen vor mehr als 40 Jahren beispielhaft für die Umgestaltung von Hafenflächen zu attraktiven Wohn- und Büroquartieren wurde: Der Innenhafen von Duisburg folgte in den 1990er Jahren, Münsters Kreativkai am Dortmund-Ems-Kanal ab 1997 und der Kölner Rheinauhafen im Jahr 2002.

Tolle Ausblicke garantiert

„Nun steigen wir den Architekten aufs Dach“, überrascht Siepmann mitunter seine Gäste. Im Haus der Architektenkammer NRW geht’s manchmal mit dem Aufzug zur Dachterrasse in 26 Meter Höhe: Weite Rundblicke bieten sich über den Medienhafen hinüber zum schlanken Pylon der Fleher Rheinbrücke und weiter zu den rauchenden Schloten der Braunkohlekraftwerke nahe Grevenbroich. Selbst die Türme des Kölner Doms sind an klaren Tagen zu erkennen.

Auf der Dachterrasse wird den Besuchern die Ausdehnung des 1896 eröffneten Hafens vor Augen geführt: 212 Hektar sind es insgesamt, davon wurden 35 Hektar bislang zum Büro- und Wohnquartier umgestaltet. Jenseits schicker Bürobauten und der Doppeltürme mit dem Hyatt-Hotel pulsiert heute noch der Herzschlag des ursprünglichen Rheinhafens: Mercedes Benz-Transporter aus dem Montagewerk Düsseldorf werden auf Autoschiffe verladen, Getreidemühlen verarbeiten angeliefertes Korn, Containerkräne hieven die Stahlkästen auf Binnenschiffe, erst jüngst sind riesige Logistikhallen für den Umschlag von Päckchen und Paketen entstanden.

„Auch der Medienhafen ist längst noch nicht fertig gebaut“, erläutert der 54-jährige Siepmann. An der Speditionstraße entstehen soeben mit den „Königskindern“ schicke – und auch teure – Apartmentwohnungen. Nebenan wird ab Spätsommer das erste Holzhybridhaus Düsseldorfs errichtet: Beim fünfgeschossigen Bürogebäude „The Cradle“ wird nur der Keller, das Erdgeschoss sowie der Aufzugs- und Treppenbereich aus Beton bestehen. Aus Fichte und Tanne werden Tragwerk und Decken sein. „Und damit den Klang und die Atmosphäre im Innern bestimmen“, so Gerhard Feldmeyer von der planenden Architektengruppe HPP.

Frank A. Gehry (neuer Zollhof), HPP-Architekten (bauten auch das Dreischeibenhaus in Düsseldorf), Ingenhoven, Overdiek, Fritz Eiler, Parade, David Chipperfield, Norbert Winkels, Jo Coenen und Helmut Jahn – die Namensliste bedeutender Architekten mit ihren Bauwerken im Medienhafen lässt sich noch länger fortsetzen.

Zeit für eine Pause und den Mittagslunch. Klaus Siepmann verabschiedet die Gäste in eines der Hafenrestaurants. Rund 40 gibt es inzwischen, von der Pizzeria über ein Sterne-Restaurant bis zur Kölsch-Kneipe „Eigelstein“. Dort bekommen Besucher aus Köln auch in der Altbier-Hochburg Düsseldorf Heimatgefühle.