Die Highlights der Cebit 2016 Computermesse: Roboter, Drohnen und Spielzeug aus dem Drucker


Hannover. Roboter helfen im Haushalt, Menschen lassen sich freiwillig Chips implantieren oder fliegen mit ferngesteuerten Drohnen um die Wette. Das ist keine Zukunftsvision mehr, sondern die Cebit 2016. Ein Überblick über die Highlights der Messe.

Die Cebit ist seit vergangenem Jahr eine reine Fachmesse für Vertreter der Wirtschaft. Es kommen längst nicht mehr so viele Besucher wie noch in den Hochzeiten Mitte der Neunziger, die Fachbesucher bleiben unter sich, knüpfen Kontakte, schließen Geschäfte ab. 2015 noch hatte „ein durchschnittlicher Besucher etwa 140.000 Euro Investitionskapital im Gepäck“, sagt Hartwig von Saß, Sprecher der Cebit. Eine unvorstellbare Summe bei knapp 200.000 Besuchern. „Die Leute wollen nicht mehr ihre Zeit verschwenden und kommen mit einer hohen Investitionsbereitschaft nach Hannover“, sagt Saß.

Neben Software zur Personaleffizienz, zu Produktionssteigerung oder der generellen Digitalisierung der Wirtschaft (Stichwort „d!conomy“), die für den Fachbesucher zweifelsohne interessant sind, gibt es in diesem Jahr weitere Highlights, die auch das breite Publikum ansprechen.

Künstliche Intelligenz im Wohnzimmer

Große Aufmerksamkeit zieht der kleine Roboter „Pepper“ von IBM auf sich. Auf der Cebit ist er mit seinem „kleinen Bruder“ namens „Nao“ unterwegs. Der soll künftig in der Hotelkette Hilton bei der Betreuung der Gäste aushelfen. Auf der Cebit zeigt sich „Nao“ etwas schüchtern. Er schleicht sich langsam an die wartende Journalie heran und wirkt dabei fast wie ein kleines Kind. Als ein Mitarbeiter von IBM den kleinen Roboter „zufällig“ stürzen lässt, richtet „Nao“ sich selbstständig wieder auf, schüttelt sich kurz und erkundet weiter die Linsen der Kameraleute.

In Japan sind von dem 1,20 Meter kleinen Roboter mit den schwarzen Knopfaugen rund acht Monate nach dem Verkaufsstart bereits 10.000 Stück im Einsatz – auch in privaten Haushalten. „Pepper“ spricht 20 Sprachen und erkennt anhand des Gesichtsausdrucks die Emotionen seines Gesprächspartners.

Implantat als Türöffner

Die Firma „Digiwell“ aus Hamburg stellt auf der Cebit einen Chip vor, den sich Besucher implantieren lassen konnten. 80 sogenannte „NFC-Chips“ (Near-Field-Communication“, deutsch: Nahfeldkommunikation) hatte „Digiwell“ zum Start der Cebit im Gepäck – fünf seien noch übrig. 888 Byte, also deutlich weniger als auf einem gängigen USB-Stick, passen auf den Chip. „Das Medienecho ist unglaublich“, sagt Geschäftsführer Patrick Kramer. Er ist selbst ein Cyborg, trägt einen Chip unter der Haut. Darauf gespeichert sind Zugangscodes für Türen, seine Visitenkarte und sein Facebook-Profil. Via Smartphone lassen sich die Daten übertragen und auslesen.

Spielzeug aus dem Drucker

„Spielzeug, so einzigartig wie dein Kind“ ist der Werbeslogan der Firma „TinkerToys“ aus Magdeburg. Auf der Cebit zeigt sie Besuchern, wie sich mit einem Tablet-PC und einem 3D-Drucker individuelle Spielzeuge herstellen lassen. Dazu wählen Besucher zunächst einfache geometrische Formen aus, setzen sie zusammen - etwa zu einem Auto -, senden die Daten an einen 3D-Drucker und produzieren ihr Spielzeug selbst. Wenig später halten die Messebesucher Roboter, Raketen oder Monster in der Hand. Dafür verwendet die Firma nach eigenen Angaben ausschließlich Biokunststoffe. Sebastian Friedrich, Wirtschaftsingenieur und Gründer von Tinker Toys, sagt: „Wir glauben, dass Lernen und Spielen zusammengehören.“

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Unter den Dächern dröhnen die Drohnen

Seit einigen Jahren erobern Drohnen die Märkte. Die Veranstalter der Cebit widmen den Quadrocoptern die ganze Halle 16, wo der „Dronemasters Summit“ stattfindet. Das Highlight: Besucher können in einem großen Parcours mit ferngesteuerten Drohnen um die Wette fliegen. Dazu setzen Interessierte eine Brille auf, mit der sie durch die Drohnenkamera schauen. Zur Steuerung halten sie einen Joystick in der Hand. Schaulustige sehen zusätzlich die Kameraaufnahme der Drohnen auf einem Bildschirm. Abstürze der kleinen Fluggeräte stehen dabei an der Tagesordnung. Eine „Werkstattcrew“ kümmert sich um die geborgenen Einzelteile der Drohnen. Der sportliche Wettbewerb scheint für viele Cebit-Besucher eine willkommene Abwechslung zu sein – die Tribünen um den Parcours sind stets besetzt.

Dinosaurier „Tristan“ auf Cebit

Das Naturkundemuseum Berlin trumpft mit dem Tyrannosaurus Rex namens „Tristan“ auf. Sein Skelett ist nicht nur eine Attraktion im Museum selbst: auf Basis des Gerippes erstellten die Wissenschaftler ein digitales Abbild der Urzeitechse, die sich via Augmented Reality (deutsch: erweiterte Realität) durch den Flur der Cebit Global Conferences bewegt.

Hohe Internetgebühren auf IT-Messe

Negativ aufgefallen sind auf der diesjährigen Cebit die Preise für die Internetnutzung in der „Visitor’s Lounge“. 15 Minuten Internet kosten dort zwei Euro, eine Stunde gibt es für fünf Euro. Auf der weltweit wichtigsten Messe für Digitalisierung scheinen die Preise übertrieben. Cebit-Sprecher Saß klärt auf: „Diese Preise gelten nur in diesem Bereich.“ Dort könnten sich Besucher zurückziehen, die eine Hochgeschwindigkeitsleitung bräuchten oder ein höheres Datenaufkommen hätten. „Für alle ist das Wlan auf dem Messegelände kostenlos“, sagt Saß.


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