Finanzierung ungerecht Osnabrück will mehr Geld vom Land fürs Theater

Osnabrück appelliert an das Land, die „himmelschreiende Ungerechtigkeit“ bei der Theaterfinanzierung zu beenden und das Stadtheater stärker zu fördern.  Foto: Swaantje HehmannOsnabrück appelliert an das Land, die „himmelschreiende Ungerechtigkeit“ bei der Theaterfinanzierung zu beenden und das Stadtheater stärker zu fördern. Foto: Swaantje Hehmann

Osnabrück. Die Stadt Osnabrück appelliert an die Landesregierung, die „himmelschreiende Ungerechtigkeit“ bei der Theaterfinanzierung in Niedersachsen zu beenden und das Osnabrücker Theater stärker zu fördern.

Die Forderung ist nicht neu, die Lautstärke allerdings schon. Im September hat Oberbürgermeister Wolfgang Griesert in einem höflichen Schreiben an die Landesregierung auf die „asymmetrische Finanzierung der Staatstheater im Vergleich zu den städtischen Theatern“ hingewiesen und um ein Gespräch gebeten. Vorige Woche verabschiedete der Stadtrat einstimmig einen Antrag der CDU-Fraktion, in dem der Landtag nachdrücklich aufgefordert wird, die kommunalen Theater durch eine Erhöhung des Sockelbetrages stärker zu unterstützen.

Viel mehr Geld für die Staatstheater

Osnabrück fühlt sich ungerecht behandelt. Was FDP-Ratsfrau Maria-Theresia Sliwka im Rat eine „himmelschreiende Ungerechtigkeit“ nannte, belegt die CDU-Fraktion mit Zahlen aus dem Niedersächsischen Kulturbericht 2013/14 . Demnach hat das Land 2013 126,8 Millionen Euro für die Profi-Theater im Lande springen lassen. Die Staatstheater in Hannover, Braunschweig und Oldenburg erhielten davon 105,3 Millionen und die sechs kommunalen Theater sowie die Landesbühne Wilhelmshaven insgesamt nur 21,5 Millionen. In kommenden Jahr sollen die drei Staatsbühnen insgesamt einen Zuschuss von 100 Millionen Euro erhalten, an die kommunalen Spielstätten fließen dem Plan zufolge 19,3 Millionen Euro. Jeden Besuch eines Staatstheaters subventioniert das Land mit 114 Euro, wie die CDU-Fraktion mitteilt, bei den kommunalen Theatern sind es 29 Euro. Das Osnabrücker Theater erhält einen jährlichen Landeszuschuss von rund fünf Millionen Euro. Die Stadt zahlt aus eigener Tasche jährlich knapp elf Millionen Euro .

Theater muss saniert werden

Der Ton in Osnabrück wird auch deshalb schärfer, weil das Stadttheater dringend saniert werden muss . Die Investitionskosten werden auf 15 Millionen Euro geschätzt, die Osnabrück in der derzeit angespannten Finanzlage kaum schultern kann. Osnabrück sei in die Situation gekommen, dass „schnöde technische und bauliche Mängel das kunstvolle Spiel auf der Bühne bedrohen“, schrieb Griesert an die Landesregierung. „Wir wollen diese Summe aufbringen, aber wir können sie nicht aufbringen.“ Ein Grund sei der Zensus, auf dessen Datenbasis der Finanzausgleich um 2,3 Millionen Euro gesenkt worden sei – „ohne dass sich an der Lebenswirklichkeit der Stadt irgendetwas geändert hätte“.

Der Finanzausgleich benachteilige Osnabrück auch in anderer Weise, sagte Griesert in der jüngsten Ratssitzung. Der Beitrag zur Förderung der Kultur in Oberzentren sei überall gleich, egal, ob das Theater in kommunaler oder staatlicher Trägerschaft sei. „Oldenburg ist dadurch doppelt besser gestellt als wir“, so Griesert.

Ehemalige Länder gleich behandeln

Die CDU-Fraktion bemüht in ihrem Ringen um mehr Gerechtigkeit auch die niedersächsische Verfassung, in der es in Artikel 72, Absatz 1 heiß: „Die kulturellen und historischen Belange der ehemaligen Länder Hannover, Oldenburg, Braunschweig und Schaumburg-Lippe sind in der Gesetzgebung und Verwaltung zu wahren und zu fördern.“ Osnabrück ist die zweitgrößte Stadt im ehemaligen Land Hannover. Die Kulturförderung fließe aber sehr einseitig nach Hannover, das 76 Millionen Euro jährlich vom Land bekomme, Osnabrück dagegen nur fünf Millionen. In das ehemalige Land Braunschweig fließen diesen Angaben zufolge 36,4 Millionen jährlich, nach Oldenburg 24,4 Millionen.

Burkhard Jasper, CDU-Landtagsabgeordneter und Vorsitzender des städtischen Finanzausschusses, wies im Rat darauf hin, dass auch die Städte Braunschweig und Oldenburg ihre Theater finanziell förderten. Die Stadt Hannover dagegen zahle „nichts“.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN