Ein Artikel der Redaktion

Lohne Alter Übungsplatz: 200 Granaten entdeckt

15.07.2009, 22:00 Uhr

Der Kampfmittelbeseitigungsdienst hat derzeit auf dem ehemaligen Übungsplatz der Bundeswehr zwischen Schepsdorf und Lohne alle Hände voll zu tun. Am Montag und Dienstag stellten die Experten 200 Granaten sicher. Auch gestern waren sie vor Ort. Wie berichtet, soll das rund 280 Hektar große Areal nach Plänen der Gemeinde Wietmarschen künftig als attraktives Naherholungsgebiet dienen.

In einer Pressemitteilung nahm am Mittwoch Bürgermeister Alfons Eling zu den spektakulären Funden Stellung. Er verwies darauf, dass auf Wunsch der Gemeinde der Kampfmittelbeseitigungsdienst tätig wurde. Grund sind Hinweise eines Grundstückseigentümers, der durch eigene Recherchen Munitionsreste und sonstige Sprengreste auf dem Gelände entdeckte.

Nach Angaben von älteren Zeitzeugen sollen unmittelbar nach dem 2. Weltkrieg Munitionsreste aus dem Lingener Raum von den damaligen britischen Besatzungstruppen zusammengetragen und in der früheren Heidelandschaft zwischen Schepsdorf und Nordlohne gesprengt worden sein. Eine Lokalisierung des seinerzeitigen Sprengortes war bislang nicht gelungen.

„Ein jetzt gefundener Erdtrichter könnte jedoch der Ort sein, an dem die vermutete Sprengung vor mehr als 60 Jahren stattgefunden hat“, erklärte Eling.

An den in den letzten Tagen durchgeführten Sondierungsarbeiten wurden in der Nähe dieses Erdtrichters erhebliche Mengen von Panzergranaten unterschiedlichen Kalibers vom Kampfmittelbeseitigungsdienst gefunden und entsorgt. Eling: „Es wird vermutet, dass sich dort noch mehr Munitionsreste befinden.“

Bei den gefundenen Munitionsrückständen handelt es sich nach Angaben des Kampfmittelbeseitigungsdienstes ausschließlich um Munition aus den Zeiten des 2. Weltkrieges, und zwar sowohl aus alliierten Beständen als auch aus Beständen des Deutschen Reiches.

„Damit dürfte klar sein, dass die bisher gefundene Munition nicht mit dem Übungsbetrieb der Bundeswehr in den letzten Jahrzehnten in Zusammenhang zu bringen ist“, betonte der Bürgermeister.

Nach seinen Angaben hatte die Bundeswehr Ende der 50er-Jahre das Übungsgelände von örtlichen Landwirten angepachtet und zum 30. September 2008 zurückgegeben.

Von den im Erdreich gelegenen Granaten geht grundsätzlich im Ruhezustand keine Gefahr aus, beruft sich Eling auf den Kampfmittelbeseitigungsdienst. Dennoch hat sich der Bürgermeister in Absprache mit dem Kampfmittelbeseitigungsdienst dafür entschieden, die Waldflächen des früheren Standortübungsplatzes vorsorglich und vorläufig für Besucher und Spaziergänger zu sperren.

Eine Benutzung der neu angelegten Radwanderwege wird als unbedenklich angesehen. Radwanderer sollten jedoch nicht die angrenzenden Waldflächen betreten. Durch eine entsprechende Beschilderung werden Besucher auf die vorläufig eingeschränkte Nutzung des Geländes hingewiesen. Über das weitere Vorgehen wird die Gemeinde Wietmarschen als zuständige Ordnungsbehörde nach Vorlage des abschließenden Berichtes des Kampfmittelbeseitigungsdienstes entscheiden.