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Internationale Kundschaft Chinesischer Designer Jun Meng lebt in Wietmarschen

Von Christiane Adam | 16.12.2015, 20:36 Uhr

Der 34-jährige Jun Meng stammt aus Shanghai und arbeitet jetzt als Modedesigner in Wietmarschen, wo er sich sehr wohl fühlt.

 Wietmarschen ist eine überschaubare Gemeinde in der Grafschaft Bentheim mit 98 Einwohnern je Quadratkilometer. Shanghai zählt zu den größten Städten der Welt; in der chinesischen Hafenstadt kommen laut Wikipedia 3630 Einwohner auf einen Quadratkilometer. Jun Meng wurde 1981 in Shanghai geboren. Er hat sich für ein Leben in Wietmarschen entschieden und designt hier in einem für die Gegend typischen Einfamilienhaus Mode und Interieur und findet damit internationale Beachtung.

Einblicke in die europäische Welt

„Als ich 19 war, begann ich mit dem Studium der Innenarchitektur in Shanghai. Meine Familie war damals schon mit der Familie Rottmann aus Nordhorn befreundet. Shanghai ist von jeher durch die französische Kolonialzeit sehr beeinflusst, und ich wollte einfach gucken, wie die andere, die europäische Welt funktioniert. So adoptierte mich die Familie Rottmann, und ich flog 2001 nach Deutschland, um mein Studium zunächst in Bonn weiterzuführen und in Frankfurt zu Ende zu bringen“, erzählt der Chinese. Das Adoptieren sei allerdings nicht wörtlich gemeint, schmunzelt er. Vielmehr habe ihn die Nordhorner Familie in Deutschland sehr herzlich aufgenommen.

Die Weite und der Platz gefallen

Da er in Frankfurt nicht bleiben wollte – „zu viele Hochhäuser“ – schaute er sich in der Nähe seiner „Adoptivfamilie“ nach einem Eigenheim um und wurde 2006 fündig in Wietmarschen. „Ich mag Norddeutschland. Ich mag die Art der Häuser hier, mit den Vorgärten. Alles ist sehr vom Niederländischen beeinflusst, fast hat es schon ein ,british flair‘“, schwärmt der Wahl-Wietmarschener. Auch gefielen ihm die Weite und der Platz; das ist etwas, das er in Shanghai nicht findet. Dennoch bereist Meng mindestens einmal im Monat den asiatischen Kontinent, um dort seine Aufträge zu erledigen. Aufträge erhält er von wohlhabenden Hausbesitzern in Hongkong oder Shanghai ebenso wie von Hotels. Zuletzt hat er das Grand Hyatt Hotel in Shanghai eingerichtet. Für das 88 Stockwerke hohe Gebäude habe er einen zehn Meter hohen Weihnachtsbaum eingeplant, „wie im Rockefeller Center in New York“.

Pendeln zwischen Wietmarschen und Asien

„In Greven beim Flughafen Münster-Osnabrück habe ich einen Parkplatz gemietet“, lächelt der Weltbürger, der zwischen Wietmarschen, Amsterdam und Asien pendelt. In den Niederlanden beliefert Meng Möbelhäuser. Zwei- bis dreimal täglich die deutsch-niederländische Grenze zu passieren, das sei schon irgendwie ein Erlebnis. In Wietmarschen fühlt er sich wohl. „Wenn ich zu lange in Asien bin, vermisse ich schon das Stiftscafé“. Wer den Weg zur Meng-Gallery in der Wagnerstraße 4 findet, ist in der Regel auf Einladung hier. „Laufkundschaft habe ich keine. Meine Kunden vereinbaren mit mir einen individuellen Termin, und dann können sie hier alles anprobieren“, erklärt der Modedesigner, der mit Materialien aus der Natur arbeitet. Kaschmir, Fell, Federn, Alpaka, Leder, Seide, Muscheln, das sind Komponenten, aus denen seine Mäntel, Schuhe, Kopfbedeckungen, Schmuck, aber auch Bilderrahmen, Sofakissen, Decken, Lampen und einiges mehr bestehen. Die Mode ist tragbar für Männer wie auch für Frauen. Schlicht aber extravagant. Beim Interieur treffen sich asiatische und europäische Einflüsse.

Tag der offnen Tür

Richtet Meng ein Haus ein, so bemühe er sich darum, etwa 30 Prozent lokale Materialien miteinfließen zu lassen. In der Grafschaft Bentheim etwa biete sich Bentheimer Sandstein an. Manchmal findet auch ein Erbstück der Oma einen Platz im Ensemble. „Tradition ist mir wichtig. Europa ist ein klassischer Kontinent mit viel Tradition“, betont der Asiate. In Wietmarschen genießt er seinen Garten, ein Aspekt, der ihm an seinem Haus gleich gefallen habe. Einen Innenhof hat er zur Galerie umgebaut. Nachbarschaft pflege er mit der ehemaligen Bundestagsabgeordneten Monika Heubaum und mit weiteren deutschen sowie niederländischen Nachbarn. Dass er versteckt in einer Wohnsiedlung arbeitet, sieht er nicht als Nachteil. Es gebe ein chinesisches Sprichwort, das ungefähr so geht: „Wenn du einen guten Wein hast, brauchst du keine Angst zu haben, selbst wenn du im letzten Winkel lebst“. Dann und wann veranstaltet Jun Meng einen Tag der offenen Tür. Exklusiv für unsere Leser öffnet er seine Galerie am Dienstag, 22. Dezember, von 14 bis 20 Uhr. Wer neugierig auf ein Stück asiatisch-europäisches Design ist, kann online unter www.menggallery.com einen Blick riskieren.