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Eintrittskarte für den Arbeitsmarkt Perspektiven durch Kolpingwerkstatt Wietmarschen

Von Ludger Jungeblut | 22.02.2019, 13:15 Uhr

In der Kolpingwerkstatt im Ortsteil Wietmarschen, Feldmannskamp 1, wird ab März eine Job-Coaching-Beratungsstelle für junge Migrantinnen und Migranten eingerichtet.

Das haben der Geschäftsführer des Kolping-Bildungswerkes Diözesanverband Osnabrück e.V., Hans-Hermann Hunfeld, Betriebsleiter Meik Wittenberg und dessen Stellvertreter Berthold Ferlemann in einem Gespräch mit der Redaktion mitgeteilt.

Hunfeld: "Das Zertifizierungsunternehmen BAGCert mit Sitz in Bremen hat uns bescheinigt, dass das Preis-Leistungsverhältnis dieser Maßnahme stimmig ist." Es gehe darum, in mehreren Beratungsgesprächen mit den jungen Leuten herauszufinden, in welchen Branchen sie gerne eine Ausbildung absolvieren möchten. Dabei plant das Kolping-Bildungswerk eine enge Zusammenarbeit mit der hiesigen Wirtschaft. „Die heimischen Betriebe suchen dringend Nachwuchskräfte“, betonte der Geschäftsführer. Um eine Lehre beginnen zu können, müssten die Migranten einen B1-Sprachabschluss absolviert haben. Das Projekt solle am 22. März um 18.30 Uhr in der Mitgliederversammlung der Werbegemeinschaft Wietmarschen im Hotel Heilemann vorgestellt werden.

Eine Ausbildung der jungen Migranten in der Kolpingwerkstatt sei nicht vorgesehen, weil diese Einrichtung der Beschäftigung schwer vermittelbarer erwachsener Menschen vorbehalten sei. Nach Angaben von Wittenberg und Ferlemann sind derzeit 18 Personen festangestellt, die zum Teil über das Jobcenter hier eine Anstellung gefunden haben. Nach ihren Worten erhalten etwa drei bis zehn Personen mithilfe von Arbeitsgelegenheiten (Ein-Euro-Jobber) vom Jobcenter des Landkreises Grafschaft Bentheim eine Beschäftigung. „Wenn die Leute sich bewähren und unsere Auftragslage es zulässt, stellen wir sehr gerne ehemalige Langzeitarbeitslose ein“, hob Wittenberg hervor. „Die Zusammenarbeit mit dem Jobcenter klappt hervorragend“, unterstrich Hunfeld und fügte hinzu: „Wir sind die Eintrittskarte für den Arbeitsmarkt.“

Im Gegensatz zu früheren Jahren – die seit 2009 im Ortsteil Wietmarschen ansässige Kolpingwerkstatt hatte 1988 ihren Betrieb mit arbeitslosen Jugendlichen im Ortsteil Lohne aufgenommen – seien heute die Mitarbeiter nur noch befristet für maximal ein Jahr als Teilnehmer einer Arbeitsgelegenheit in der Werkstatt tätig. Mithilfe eines Beurteilungsbogens dokumentiere die Betriebsleitung für das Jobcenter die Entwicklung der Ein-Euro-Jobber in der Hoffnung, dass sie dann auf dem freien Arbeitsmarkt eine Stelle finden.

Wittenberg und Ferlemann verwiesen auf das gute Betriebsklima, machten aber zugleich auf den hohen Betreuungsbedarf einiger Mitarbeiter aufmerksam. Dass die Beschäftigten wüssten, wie wichtig ihre Arbeit für die Allgemeinheit sei, fördere die Motivation. Für die Bürger erledigt die Werkstatt nach eigener Darstellung preisgünstig folgende Serviceleistungen: Haushaltsauflösungen und Entrümpelungsarbeiten (gegebenenfalls mit Entsorgung), Garten- und Grünflächenpflege, Reparatur von Weißgeräten (zum Beispiel Waschmaschinen und Trockner) sowie Fahrrädern.

Verkauft werden im Gegenzug wieder hergerichtete Weißgeräte, Fahrräder und Möbel. Öffnungszeiten sind montags bis donnerstags von 7 bis 16 Uhr sowie freitags von 7 bis 13 Uhr. Zur Fahrzeugflotte gehören sechs Wagen. „Unser Geschäftsgebiet umfasst neben dem Landkreis Grafschaft Bentheim das südliche und mittlere Emsland“, erklärte Wittenberg. Weiteres Tätigkeitsgebiet ist die Entsorgung alter Fenster in Zusammenarbeit mit hiesigen Unternehmen. Weitere ähnliche Einrichtungen des Kolping-Bildungswerkes im Bereich der Diözese Osnabrück befinden sich in Fürstenau (Kolpingreyclinghof) und Papenburg (Kolpingwerkstätten).

Der im Mai 1987 gegründete Verein Kolping Berufsbezogene Bildungsarbeit mit Sitz in Salzbergen wolle das Lebenswerk von Adolph Kolping (1813 – 1865) in der heutigen Zeit fortsetzen, unterstrich Hunfeld. Es gelte, sozial benachteiligten Menschen durch Beschäftigungs- und Qualifizierungsmaßnahmen wieder eine berufliche Perspektive zu eröffnen. Der Verein ist ein Träger der freien Jugendhilfe.