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Zehn Millionen Euro investiert Aschendorfer eröffnen neues Kino in Aurich

Von Christoph Assies | 29.11.2017, 11:22 Uhr

Die Aschendorfer Kinobetreiberfamilie Muckli hat am Dienstagabend im Rahmen eines Festaktes ihr neues Kino an der Emder Straße in Aurich eröffnet.

Mehr als zehn Millionen Euro hat der Neubau gekostet, der das größte Filmtheater Ostfrieslands ist. Seniorchefin Thea Muckli zufolge ist es „das beste Kino, das wir haben“. Viele Erfahrungen, die sie bei den Neubauten in Meppen und Papenburg gemacht hätten, seien in die Konzeptionierung des neuen Baus eingeflossen, sagte Muckli im Gespräch mit unserer Redaktion.

Der größte Saal in Aurich hat 302 Plätze, das sind 32 Plätze mehr als im bislang größten Muckli-Kinosaal in Papenburg. Die anderen Säle fassen 250 Zuschauer, zweimal 150 und zweimal 125 Besucher. Gestalterisch sind die Kinos mit unterschiedlichen Vorhängen und Lichtelementen gestaltet. So ist im Kino fünf beispielsweise ein Dachbodenfund der Mucklis – Schmuckbeleuchtungsleisten aus dem ersten Saal der Aschendorfer Lichtspiele von Bernhard Kosse, dem Vater von Thea Muckli – verbaut. Anders als in dem im November 2011 in Papenburg eröffneten Lichtspielhaus, dem bisher neuesten Kino der Familie, gibt es in Aurich den neuen Dolby-Atmos-Kinosound. Er vermittelt auf eindrucksvolle Art und Weise akustische Bewegungseffekte. Nachrüstbar ist die Soundanlage in Papenburg nach Angaben von Theaterleiter Frithjof Weinert nicht. „Dafür sind spezielle Raumhöhen und -breiten notwendig. Die Technologie war zu der Zeit, als wir in Papenburg gebaut haben, noch nicht so weit“, erklärte Weinert im Gespräch mit unserer Redaktion.

Film über die Geschichte des Grundstückes

Beim Festakt zur Eröffnung zeigten die Kinobetreiber den geladenen Gästen zunächst einen Kurzfilm über die Geschichte des Grundstückes an der Emder Straße in Aurich. Dort stand früher eine im Jahr 1922 errichtete Viehauktionshalle, die im Volksmund „Bullenhalle“ genannt wurde. Traurige Berühmtheit in der Stadtgeschichte erlangte der Bau in der Reichspogromnacht im November 1938. Die Nationalsozialisten trieben in dieser Nacht, in der, wie auch in anderen Städten Deutschlands, die Synagoge brannte, die Auricher Juden in die Halle. Dort wurden sie teils vor den Augen von Schaulustigen gedemütigt und erniedrigt. Nach 1945 wurde die Bullenhalle nicht mehr genutzt. Auf dem Areal war zuletzt das BMW-Autohaus ASA ansässig.

Rekordbauzeit von 39 Wochen

Kinochefin Astrid Muckli blickte in ihrer Ansprache auf die Geschichte des Kinos in Aurich zurück, das seine Anfänge vor 33 Jahren im Einkaufszentrum Carolinenhof hatte. „Wir waren von Anfang an sehr verbunden mit Aurich und in uns schlägt neben dem emsländischen auch ein ostfriesisches Herz“, sagte Muckli. Die Aschendorferin bedankte sich bei der Auricher Stadtverwaltung „für die große Unterstützung“ bei der Realisierung des Bauprojektes, das innerhalb einer Rekordbauzeit von 39 Wochen abgeschlossen wurde. „Wir waren hier sogar schneller als in Papenburg. Da hat der Neubau 40 Wochen gedauert“, so Muckli.

Lange Zeit war in der Auricher Stadtpolitik darüber diskutiert worden, ob der Standort der richtige sei. Zudem hatte es Querelen um den alten Kinostandort im Carolinenhof gegeben.

Aurichs Bürgermeister Heinz-Werner Windhorst (parteilos) sprach in seiner Rede von einem „Vorzeigeprojekt für unsere Stadt“. Die Vielfalt, die das Kino biete, könnten die Auricher allein kaum nutzen, „aber natürlich werden die Menschen aus der Umgebung kommen, was wiederum die Stadt stärkt“, sagte der Bürgermeister. Das neue Kino sei der „leuchtende Stern für die Region“, so Windhorst.