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Grenzüberschreitendes Polizeiteam Teamarbeit bei Verbrecherjagd an der Grenze

Von Christoph Assies | 26.02.2017, 19:06 Uhr

Streifenwagen, die auch Familienautos sein könnten und zivil gekleidet sind sie unterwegs im deutsch-niederländischen Grenzgebiet. Das grenzüberschreitende Polizeiteam (GPT) der Landes- und Bundespolizei und ihre niederländischen Kollegen der Koninklijke Marechaussee. Ein Erfolgsmodell in Sachen Kriminalitätsbekämpfung.

Zusammen auf Streife sind an diesem Freitag unter anderem Polizeikommissar Martin Lampen von der Bundespolizei und sein niederländischer Kollege Bert Klappe von Koninklijke Marechaussee, der niederländischen Bundespolizei. Lampen gehört dem GPT im Bundespolizeirevier Bunde am längsten an. 2012 nahm das Team seine Arbeit auf und fahndet seitdem auf beiden Seiten der Grenze nach Kriminellen. Lampen, der in den 1980er-Jahren beim Bundesgrenzschutz anfing und drei Jahre am Berliner Flughafen arbeitete, spricht von einem „Erfolgsmodell“. Den Ordnungshütern waren lange Zeit die Hände gebunden bei der Bekämpfung von Verbrechen, weil ihre Zuständigkeit jeweils an der Grenze endete. „Jetzt arbeiten wir einfach zielgerichteter und zweckmäßiger“, sagt Lampen. Dadurch, dass deutsche und niederländische Polizisten gemeinsam auf Streife gehen, können sie Täter auch über die Grenzen hinweg verfolgen. Auf deutscher Seite hat Lampen das Kommando im Streifenwagen, in den Niederlanden sein Kollege Klappe. Die Beamten müssen jedoch mit beiden Gesetzeslagen vertraut sein. „Das macht es zu einem sehr umfassenden und komplexen Feld in rechtlichen Aspekten“, betont Lampen.

80 Fahndungstreffer

Zum GPT in Bunde gehören drei niederländische Beamte, zwei der Landespolizeiinspektion Leer/Emden und zwei Beamte der Bundespolizei. Sie wechseln sich im Dienst ab und haben im Grenzgebiet mit Delikten wie Verstößen gegen das Betäubungsmittelgesetz, Waffenverstößen oder unerlaubter Einreise zu tun. Die Dienstzeiten von Lampen, Klappe und seinen Kollegen orientieren sich an „Schwerpunktzeiten und der Kriminallage“, wie Lampen erklärt. Mehr will er nicht dazu sagen. „Wir wollen nicht berechenbar sein“, sagt der Kommissar. Der Erfolg gibt dem GPT recht. Allein im Jahr 2015 deckten die Beamten mehr als 300 Straftaten und 50 Ordnungswidrigkeiten auf und landeten über 80 Fahndungstreffer.

An diesem Freitag sind Klappe und Lampen sicher, dass sie Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz registrieren werden. „Vor dem Wochenende kann man davon ausgehen, dass viele Leute sich Drogen für das Wochenende besorgen“, sagt Klappe, der früher am Flughafen Amsterdam Schiphol sogenannte „Schlucker“ aufspürte. Personen, die Drogen in großen Mengen beispielsweise in Kondomen herunterschlucken und so schmuggeln.

Lampen und Klappe nehmen mit ihren Kollegen Jürgen Köller und Henning Galitschkin, die in einem anderen Streifenwagen auf der niederländischen Autobahn 7 zwischen Winschoten und Bad Nieuweschans unterwegs sind, gleich zwei Fahrzeuge ins Visier. Ein Kleinwagen mit Oldenburger Kennzeichen, in dem ein Mann auf dem Weg Richtung Grenze ist. „Freitagnachmittag, aus Oldenburg in Holland und dann allein unterwegs ist schon irgendwie ungewöhnlich“, findet Lampen. Ein junges Paar in einem etwas heruntergekommenen VW Golf mit Berliner Kennzeichen, voll bepackt, ist ebenfalls auf dem Weg in Richtung Grenze. Die Beamten nehmen die Fahrzeuge in die Zange, „Halt! Polizei“ leuchtet in den Heckscheiben der beiden Zivilstreifenwagen auf. Sie eskortieren die Verdächtigen auf den Rastplatz Bunderneuland.

Der 49-jährige Fahrer des Oldenburger Kleinwagens ist sehr nervös, steigt direkt aus. „Dass man nervös ist, wenn die Polizei einen anhält, ist normal, aber er ist schon sehr unruhig“, sagt Lampen. Der Fahrer sagt auf Nachfrage, er habe keine Drogen dabei. Die Beamten trauen ihm nicht, fragen erneut nach. Der Oldenburger holt ein kleines Tütchen Haschisch hervor, etwa ein Gramm. Nach der ersten Lüge werden die Beamten misstrauischer und durchsuchen den Citroën genauer. Am Ende finden Lampen und Klappe 20 Gramm Haschisch. Auf den Mann kommt eine Anzeige wegen Erwerb, Besitz und Einfuhr von Betäubungsmitteln zu. Er ist nach dem Datenabgleich von Lampen bisher noch nicht polizeilich in Erscheinung getreten.

Drogen und Waffen

Anders ist es bei den Insassen des Golf. Ein junges Paar, 26 und 23 Jahre alt, auf dem Weg von Amsterdam zurück nach Berlin. Lampens Kollegen Köller und Galitschkin finden insgesamt zwei Gramm Marihuana, einen Joint, Pfefferspray und zwei Schlagstöcke. Der Golf wird in einer Garage der Bundespolizei von den Beamten regelrecht gefilzt. Galitschkin wühlt in Schmutzwäsche des Paares, findet aber nichts mehr. Der 26-Jährige nimmt den Fund der Drogen und Waffen regungslos zur Kenntnis. Er ist wegen illegalem Waffenbesitz vorbestraft und bekommt nun eine Anzeige wegen Verstößen gegen das Betäubungsmittel- und Waffengesetz.

Für die Beamten des GPT geht der Tag mit Fahndungserfolgen zu Ende. Sie machen sich wieder auf den Weg, Verbrechen im Grenzgebiet zu bekämpfen. Wann, wissen nur sie. Mit dem GPT ist auf den Straßen und Autobahnen immer zu rechnen.