RTL-Reporterin spricht vor Bossen Rados mahnt in Emden: Cool bleiben und Werte vertreten

Meine Nachrichten

Um das Thema Westoverledingen Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.


Emden. Die Auslands-Chefreporterin von RTL, Antonia Rados, hat bei einer Rede vor Mitgliedern des Arbeitgeberverbandes für Ostfriesland und Papenburg in Emden „Coolness“, aber auch dem engagierten Vertreten westlicher Werte in der oft chaotischen Lage im Nahen Osten eingefordert.

Rados sprach mehr als eine Stunde vor etwa 120 Mitgliedern und Gästen des Verbandes im „Klub zum guten Endzweck“ über die Entwicklung in Ländern wie der Türkei, Syrien oder dem Iran und den Auswirkungen für Deutschland und Europa. Dass der Name Recep Erdogan bereits im zweiten Satz der Journalistin fiel, ist angesichts der Nachrichtenlage nicht verwunderlich. Der türkische Präsident stand aber keinesfalls im Vordergrund ihes Vortrags.

Die 63-Jährige, die erst vor wenigen Tagen aus Afghanistan zurückgekommen ist und am Dienstag quasi direkt aus Ostfriesland in die Türkei reist, um über die bevorstehende Verfassungswahl zu berichten, hatte zunächst ausführlich die geschichtlichen Hintergründe beleuchtet. Dabei begann sie mit dem Einfall der Mongolen im 12. Jahrhundert im Norden Afrikas und Vorderasien.

Viel Fläche dünn besiedelt

Das ist aus Rados Sicht deswegen so wichtig, weil es, anders als in Europa, früh die ersten Anzeichen von Hochkultur in der Region zerstörte und auch viele Menschenleben kostete. Geändert hat sich seither daher kaum die Tatsache, dass die Fläche des Nahen Ostens im Vergleich zu Europa riesig (etwa doppelt so groß), aber nur halb so dicht besiedelt (270 statt 500 Millionen) ist. Das erschwere die Kontrolle, Organisation und Erschließung extrem und helfe kleinen Gruppen, schnell an Macht zu kommen, erklärte die Expertin.

Weiterlesen: „Chaos vor Europas Haustür“ mit Antonia Rados>>

Der IS sei das beste Beispiel. Die Ruhe, die seit Jahrzehnten wegen des Interesses am Öl durch den Einfluss der USA und NATO im Nahen Osten geherrscht habe, sei daher trügerisch gewesen. Kein Wunder sei auch, so die Vortragende, dass seit den extrem teuren und verlustreichen Kriegsniederlagen der USA im Irak und Afghanistan die Lage im Nahen Osten zunehmend chaotisch geworden sei. Donald Trump werde die „Kriegsmüdigkeit der Amerikaner kaum ändern können“, glaubt Rados.

Die Türkei, die die promovierte Politologin keineswegs aktuell als Krisenland bezeichnete, habe sich früh von alledem abgehoben. Viele Jahrhunderte zeigte es im Unterschied zu vielen Nachbarländern eine effiziente Staatskultur, verfügte über eine große und leistungsstarke Armee, entwickelte sich wirtschaftlich prächtig (auch in den vergangenen zehn Jahren, so Rados) und investierte viel in Bildung.

Rados fordert bei Türkei „Unaufgeregtheit“

Erdogan, den die RTL-Angestellte im Sommer 2016 interviewt hat, entstamme aus einer ärmlichen Familie (was seine vielen Unterstützer in dieser Schicht erkläre), habe eine Predigerschule besucht (was sein extrem selbstbewusstes Auftreten erkläre) und sei seit dem Putschversuch stark verunsichert. „Es macht aus meiner Sicht keinen Sinn, ihn und das Volk ständig anzugreifen. Die Türkei ist ein intelligentes Volk mit relativ demokratischen Strukturen“, sagte Rados. Deshalb sei mehr „Unaufgeregtheit“ notwendig.

Weiterlesen: Antonia Rados sieht kein Ende des Chaos in der Welt>>

Die Reporterin sagte auch etwas zu ihrer Rolle als Journalistin. „Man muss den Leuten zuhören. Ein Reporter muss überall hingehen und mit jedem reden, egal ob der mir gefällt oder meine Meinung vertritt. Zu erzählen nur, was die Leute hören wollen, kann es ja nicht sein, dann entstehen falsche Bilder. Es ist wichtig, dass man auch mal gegen den Strich denkt.“ Auf die Frage, ob ihr Haussender ihr diese Freiheit auch gebe, sagte Rados vielsagend: „Dann kennen Sie mich nicht.“

Meyer Werft im Aufsichtsrat vertreten

Zuvor hatten die Mitglieder des Arbeitgeberverbandes bei einer Mitgliederversammlung unter anderem den Aufsichtsrat neu bestimmt. Mitglied ist auch Paul Bloem, Personalleiter der Meyer Werft. Ebenfalls im Gremium sind: Christian Dreyer (Leer), Wilhelm Ihnen (Aurich), Michael Ippich (Leer), Dieter Janssen (Aurich), Rolf Neumann (Norden) und Carl Ulfert Stegmann (Norddeich). Vorsitzender bleibt Frank Wessels (Emden),sein Stellvertreter Christain Eckel (Emden), als Geschäftsführer fungiert weiterhin Johann Doden, seine Stellvertreter sind Jörg Thoma und Lars Renke.

Neben Beratung und Betreuung der Unternehmen in arbeits-und sozialrechtlichen Fragen, beispielsweise bei Themen wie Kündigung oder Kurzarbeit, ist eine Hauptaufgabe des Verbandes die Nachwuchsgewinnung. Dazu gab es Aktionen in Schulen und der Hochschule Emden/Leer. Erfolgreich waren 2016 auch die regelmäßigen Unternehmerstammtische zur Vernetzung der Mitglieder.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN