Opfer von Krankenpfleger Niels H.? Leiche auf Friedhof in Ostrhauderfehn exhumiert

Das Landgericht Oldenburg hat den wegen Mordes angeklagten Krankenpfleger Nils H. bereits 2015 zu lebenslanger Haft verurteilt. Auch danach hat die Sonderkommission „Kario“ mehr als 200 weitere Verdachtsfälle untersucht. In diesem Zusammenhang kam es am Donnerstag zu einer Exhumierung in Ostrhauderfehn. Foto: Carmen Jaspersen/dpaDas Landgericht Oldenburg hat den wegen Mordes angeklagten Krankenpfleger Nils H. bereits 2015 zu lebenslanger Haft verurteilt. Auch danach hat die Sonderkommission „Kario“ mehr als 200 weitere Verdachtsfälle untersucht. In diesem Zusammenhang kam es am Donnerstag zu einer Exhumierung in Ostrhauderfehn. Foto: Carmen Jaspersen/dpa

Ostrhauderfehn. Auf dem Friedhof in Ostrhauderfehn im Landkreis Leer ist am Donnerstagvormittag eine Leiche exhumiert worden. Hintergrund sind Ermittlungen gegen den ehemaligen Krankenpfleger Niels H. aus Delmenhorst, dem dutzendfacher Mord vorgeworfen wird.

Das hat eine Sprecherin der Sonderkommission (Soko) „Kardio“ , die seit mehr als zwei Jahren in dem Fall ermittelt, auf Anfrage bestätigt.

Einzelheiten zu der Person, die in der Grabstätte exhumiert worden ist, machte die Sprecherin mit Rücksicht auf die Angehörigen nicht. „Für sie sind solche Exhumierungen natürlich keine so schöne Sache“, sagte die Sprecherin. Sie bestätigte, dass die Person bereits vor längerer Zeit im Klinikum in Oldenburg verstorben war.

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Es ist nicht die erste Öffnung eines Grabes in dem Fall. In den vergangenen Monaten sind mehr als 100 Leichen exhumiert worden. Zunächst hatte sich die Soko auf die Fälle im Klinikum Delmenhorst konzentriert. Hier war dem heute 40-Jährigen 37 Tötungsdelikte nachgewiesen worden. Diese Fälle, die sich im Jahr 2005 ereignet haben, sind inzwischen abgearbeitet, das Landgericht Oldenburg hat Niels H. bereits 2015 wegen mehrfachen Mordes und Mordversuchs zu lebenslanger Haft verurteilt. Festgestellt wurde auch eine besondere Schwere der Schuld, sodass der Täter nicht nach 15 Jahren vorzeitig entlassen werden kann.

Bis 2002 in Oldenburg tätig

Abgeschlossen ist die Arbeit der Soko damit nicht, die Arbeit der Ermittler konzentriert sich inzwischen auf die Zeit von Niels H. am Klinikum in Oldenburg. Dort war H. bis zu seinem Wechsel nach Delmenhorst im Dezember 2002 tätig. „Wir haben in diesem Ermittlungskomplex mehr als 300 Patientenakten überprüfen lassen im Hinblick darauf, ob der Eintritt des Todes plausibel ist oder nicht. Bei Zweifeln haben wir dann eine Exhumierung beantragt“, berichtet die Sprecherin. Bei dieser Überprüfung sei der jetzige Fall aus Ostrhauderfehn in den Fokus geraten.

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Die aus dem Boden geholten Leichenteile werden in der Rechtsmedizin in Oldenburg auf mögliche Rückstände, zum Beispiel Chemikalien oder Medikamente, untersucht. Aus bereits bewiesenen Fällen ist bekannt, dass Niels H. für die Tötungen insbesondere Gilurytmal (Wirkstoff Ajmalin), Sotalex oder Kalium verwendet hat. Die Wiederbestattung erfolgt nach Angaben der Sprecherin möglichst noch am gleichen Tag in Begleitung der Angehörigen.

Hinweistelefon eingerichtet

Die Soko „Kardio“ der Polizeidirektion Oldenburg hat in Zusammenhang mit den Ermittlungen um den ehemaligen Krankenpfleger Niels H. ein Hinweistelefon eingerichtet. Unter der Telefonnummer 0441/790-3555 können sich Ratsuchende an die Sonderkommission wenden, wenn sie Angaben zu den Fällen machen wollen oder Beratungsgespräche suchen. Das Hinweistelefon ist in an Werktagen von 9 bis 15 Uhr erreichbar. Die Soko ist auch per E-Mail erreichbar: soko-kardio-hinweisaufnahme@pd-ol.polizei.niedersachsen.de .

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