In Papenburg zur Schule Estin und Bulgarin leben für ein Jahr in Flachsmeer

Meine Nachrichten

Um das Thema Westoverledingen Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

Leben für ein Jahr in Flachsmeer: Viktoria Sitnik (links) aus Estland und Tsvetelina Konova aus Bulgarien. Foto: Lea BeckerLeben für ein Jahr in Flachsmeer: Viktoria Sitnik (links) aus Estland und Tsvetelina Konova aus Bulgarien. Foto: Lea Becker

Flachsmeer. Viktoria Sitnik und Tsvetelina Konova sind Austauschschülerinnen aus Estland und Bulgarien. Die 18- und die 16-Jährige leben für ein Jahr bei Familie Fuchs in Flachsmeer und besuchen das Gymnasium Papenburg.

Viktoria Sitnik und Tsvetelina Konova sitzen mit dem typischen Ostfriesentee am Esstisch der Familie Fuchs. Mit starkem Akzent und einem Leuchten in den Augen erzählen sie von ihrer Zeit in Deutschland. Vor Konova liegt sogar ein kleiner Zettel mit ein paar Stichpunkten, damit sie bloß nichts vergisst.

Seit knapp einem halben Jahr leben die Austauschschülerinnen in Deutschland. „In den ersten Wochen war es sehr schwer, jetzt ist es gut“, sagt Sitnik über den Start in das neue Leben. Für die 18-Jährige ging es von Tallinn, der Hauptstadt Estlands, ins beschauliche Flachsmeer. Sie wollte unbedingt in eine kleine Stadt, um etwas anderes zu erleben. Für ihre bulgarische Gastschwester war es hingegen egal, wo in Deutschland sie eine Familie findet. „Die Menschen sind wichtig und entscheidend – nicht, wo du bist“, erzählt Konova.

Mittlerweile haben sie sich eingelebt und viele Freunde gefunden. Sitnik kickt für Viktoria Flachsmeer, Konova spielt Badminton und beide gehen ins Fitnessstudio. Mit ihren Gasteltern Andrea und Helmut Fuchs erkundeten sie die umliegenden Städte und Museen.

Ein Fenster zur Welt

Die Familie aus Flachsmeer beherbergt nicht zum ersten Mal Jugendliche aus einem fremden Land. „Unsere Kinder waren alle im Ausland. Deshalb war für uns klar, dass wir auch jemanden zu uns nehmen“, erklärt Andrea Fuchs. Da die eignen Kinder mittlerweile aus dem Haus sind, wollten sie erneut Austauschschülerinnen ein Zuhause bieten. Natürlich sei es nicht immer einfach mit zwei Teenagern. „Wir leben den Alltag. Es gibt Höhen und Tiefen“, so die 56-Jährige. „Mit den eigenen Kindern ist auch nicht immer alles Friede, Freude, Eierkuchen“, meint die Gastmutter. Trotzdem seien sie froh, die beiden bei sich aufgenommen zu haben. „Wir lernen unheimlich viel über diese Länder, ohne zu reisen. Es ist ein kleines Fenster zur Welt“, sagt Andrea Fuchs.

(Weiterlesen: Brasilianer in Papenburg entdeckt Liebe zur Bratwurst)

Aber nicht nur die Gasteltern lernen eine neue Kultur kennen, sondern auch die Schülerinnen. „Alle sagen über die Deutschen, dass sie kalt sind, aber das ist nicht richtig“, stellt Konova klar. Es dauere einfach ein bisschen, bis das Eis schmelze. Der 16-Jährigen gefallen die gute Lebensqualität, die Pünktlichkeit und die Höflichkeit der Deutschen. „Alle sagen Moin auf der Straße, das finde ich sehr nett“, so die Bulgarin. Auch vom Schulsystem ist sie überzeugt. „Es ist sehr gut organisiert, es gibt viele Praktika und viel Gruppenarbeit, sodass man viel mitmachen und verstehen kann“, sagt Konova. Mit der Sprache hapere es zwar manchmal, aber dann werden Freunde gefragt oder zu Hause recherchiert und übersetzt.

Das Hobby der Deutschen: Sparen

Das Gymnasium Papenburg besuchen elf Austauschschüler aus der ganzen Welt. „Sie sind eine absolute Bereicherung für uns“, sagt Hilke Jansen, Studiendirektorin des Gymnasiums in Papenburg. Egal ob für die Mitschüler oder die Lehrer, alle könnten von ihnen etwas über deren Land, Geschichte und Literatur lernen. Dabei sei es wichtig, dass „sie sich engagieren und integrieren wollen“, meint Jansen.

Für Sitnik und Konova geht es Anfang Juli zurück in ihre Heimat. Ob in dieser langen Zeit auch einmal Heimweh aufkommt? „Bei mir nicht. Ich weiß, dass es nur für ein Jahr ist“, sagt die 18-jährige Sitnik. Konova gibt hingegen zu, dass sie an Weihnachten oft an ihre Heimat und die Familie denken musste.

In dem Esszimmer in Flachmeer wirft die Bulgarin noch einmal einen Blick auf ihren Spickzettel. „Ich habe das Hobby der Deutschen ganz vergessen“, bemerkt sie amüsiert. „Sie sparen alles – Geld, Zeit, Heizung, Strom, Wasser. Einfach alles.“


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN