1,5 Millionen investiert Modellcenter der Hochschule in Leer wiedereröffnet

Von Jan-Hendrik Kuntze


Leer. Ob nun mit dem Schiff um die ganze Welt schippern oder die Logistik im Containerterminal des Hamburger Hafens unter die Lupe nehmen: Die Studenten des Fachbereichs Seefahrt an der Hochschule Emden/Leer brauchen dafür Ostfriesland nicht mehr zu verlassen.

Im wiedereröffneten „Center for Modeling and Simulation“ in Leer lässt sich all dies Simulieren. Insgesamt sind rund 1,5 Millionen Euro in den Gebäudekomplex und die Ausstattung der Labore und Hörsäle investiert worden.

Jan-Dirk Meyer, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Hochschule, setzt eine Brille auf, an dessen Seiten sich kleine Stäbe in alle Himmelsrichtungen recken, an deren Enden wiederum kleine runde Kugeln befestigt sind. Damit kann das „Virtual-Reality-System“ seine Position erfassen. Denn Meyer begeht nun das virtuelle Modell einer Fabrik. Dieses wird per Beamer an Wand und Boden geworfen und Meyer kann es mit einem Joystick hin- und herbewegen. Somit kann er die Computersimulation starten. „Wir bilden ein System virtuell nach, um es in der Realität zu verbessern“, erklärt Professor Jens Klußmann. Unter anderem könnten so Arbeitsprozesse in Werften nachgebildet, Schwachstellen erkannt und behoben werden.

Doch auch das klassische Navigieren kann in dem renovierten Forschungsgebäude nachgebildet werden. Im Schiffsführungssimulator erklärt Professor Rudolf Kreutzer, was beim Navigieren mit elektronischen Seekarten wichtig ist. „Es kommt nicht mehr darauf an, zu wissen, wo man ist. Das erledigt die Elektronik“, so Kreutzer. Ein Nautiker sei heute vielmehr gefragt, wenn es ein Problem gibt und die Angaben eines Sensors zum Beispiel hinterfragt werden müssen.

Ebenfalls können Werkstoffe an dem Leeraner Standort zukünftig auf ihre Beschaffenheit in unterschiedlichen Umgebungen untersucht werden, wie Sarah Fayed darstellte. „Wir können Materialproben auf bis zu 1000 Grad erhitzen.“

Hochschulpräsident Professor Gerhard Kreutz hebt in seiner Ansprache während der Feierstunde hervor, dass die Ausbildung der Seefahrer in Leer eine lange Tradition habe. Jedoch habe sich in den vergangenen Jahren einiges getan, besonders mit Blick auf die Digitalisierung. „Ohne zeitgemäße Lehre würden wir in Deutschland ganz schnell den Anschluss verlieren“, so Kreutz. Die Umbaumaßnahmen hätten ihren Teil dazu beigetragen, dass die Ausstattung an der Hochschule mittlerweile „sehr hochwertig“ sei.

Der Dekan des Fachbereiches Seefahrt, Professor Marcus Bentin, freute sich hingegen nicht nur über die abgeschlossenen Umbaumaßnahmen, sondern kündigte auch einen neuen internationalen Masterstudiengang zusammen mit der norwegischen Partneruniversität in Haugesund an. Noch sei er im Akkreditierungsverfahren, im Sommer sollen die ersten Studenten starten.