Polizei gibt Details bekannt Vermisste Gerda B. aus Leer wohl getötet


Leer. Die seit dem 26. Oktober als vermisst geltende Millionärin und Galeristin Gerda B. aus Leer ist sehr wahrscheinlich getötet worden. Davon geht die Mordkommission aus.

Der am Freitagabend gegen 19.15 Uhr in Leer festgenommene 55-Jährige hat gestanden, die Leiche in das Fahrzeug der Frau, ein älterer Jaguar, geladen und in einem Waldstück nahe der Autobahn 1 zwischen Bremen und Hamburg versteckt zu haben. Er bestreitet aber bisher, auch für die Tötung verantwortlich zu sein.

Deutlich wurde auf der Pressekonferenz der Mordkommission „Villa“ am Montag in Leer: Die Beweislage scheint erdrückend. Denn sowohl im Café der Galeristin in Leer-Bingum, als auch im Fahrzeug der Frau, das am 3. November in Hamburg-Ottensen gefunden wurde, wurden Blutspuren der Frau, als auch „Anhaftungen“ des Verdächtigen gefunden. In dem Hamburger Stadtteil besaß die Physikerin, die auch einen Doktortitel trägt, ein Mehrfamilienhaus, in dem sie selber auch eine Wohnung bewohnte.

Mordkommission ermittelt rund um die Uhr

„Der Tatort ist klar, der Täter ist nach Auffassung der Ermittler von Polizei und Staatsanwaltschaft sowie des Haftrichters ebenfalls klar“, sagte Johannes Lind von der Polizeiinspektion Emden/Leer. Es fehle lediglich die Leiche. Lind geht fest davon aus, dass nun auch der Leichnam noch gefunden wird. Dessen Ablageort zu finden, darauf konzentrieren sich nun die Ermittlungen der 20-köpfigen Mordkommission „Villa“, die am Freitag vom Leiter des Zentralen Kriminalitätsdienstes Emden/Leer, Stephan Bohlken, eingerichtet wurde. Sie wird von Werner Brandt geleitet. Nach Angaben von Johannes Lind hat sie in den vergangenen vier Tagen fast rund um die Uhr gearbeitet und „bisher hervorragende Arbeit gemacht“, sagte der Chef der Polizei im Landkreis Leer. Es seien mehr als 100 Spuren gefunden und gesichtet worden.

(Weiterlesen: 66-Jährige aus Leer vermisst)

Trotz der Aussagen des Mannes schließen die Ermittler nicht aus, dass die Leiche möglicherweise doch in Ostfriesland gefunden wird. Dort war es, genauso wie in Hamburg und auf der Wegstrecke dazwischen, zu umfangreichen Suchaktionen gekommen. In Leer-Bingum, in dem Gerda B. ein Galeriecafé betrieb und überwiegend wohnte, waren sogar zwei Brunnen leergepumpt worden, es kamen Personenspürhunde sowie in der nahen Ems Taucher und ein Sonarboot zum Einsatz. Weil im Jemgum-Midlum Reifenspuren des Fahrzeugs der Frau gefunden wurden, gab es auch dort Suchaktionen mit Drohnen, ebenfalls ohne Erfolg, genauso wie bei einer Suche in Emden, wo das THW die Polizei unterstützt hatte. Dort war Werkzeug gefunden worden, das im Zusammenhang mit der Tötung stehen soll. Auch dazu machten die Ermittler auf Nachfrage keine genauen Angaben.

Seit August in Ostfriesland

Gerda B. galt nach Angaben der Polizei als zuverlässig; dass sie sich tagelang nicht bei ihrer Familie oder Bekannten zurückgemeldet hat, kam in der Vergangenheit nie vor. Die Vermisstenanzeige am 1. November kam aus dem persönlichen Umfeld der Frau. Zu einem möglichen Motiv wollte der Leiter der Mordkommission nichts sagen. Der Verdächtige ist in Bochum geboren, hat eine Zeit in Ludwigshafen gelebt und seit August in verschiedenen Hotels in Ostfriesland gelebt. Seit 1. Oktober war er Mieter von Gerda B. in einer Villa im Stadtgebiet von Leer. Bisher gehen die Ermittler davon aus, dass sich beide im Vorfeld dieses Mietverhältnisses kennengelernt haben, von einer persönlichen Beziehung beider gehen sie derzeit nicht aus.

(Weiterlesen: Vermisstenfall Gerda B. in Leer: Polizei vermutet Verbrechen)

Der Festgenommene hat bei den Vernehmungen gesagt, warum er die Frau ins Fahrzeug gebracht hat, wohin er sie bringen wollte und und wieso er sie nicht in der Nähe des mutmaßlichen Tatortes, dem Café der Frau in Leer-Bingum, verscharrt hat. Was er gesagt hat, sagen die Behörden aus ermittlungstaktischen Gründen aber nicht. „Er hat Angaben zur Tat gemacht“, sagte Chefermittler Brandt lediglich. Von Mittätern geht er bisher nicht aus.

Hinweise zum Jaguar erhofft

Hinweise aus der Bevölkerung erhoffen sich die Ermittler zum auffälligen alten Jaguar der Frau. Es war vom Landeskriminalamt nach dem Auffinden mehrere Tage „von links auf rechts gedreht“ worden, sagt Oberstaatsanwältin Katja Paulke. „Wer hat das Auto zwischen dem 22. Oktober, also zwei Tage vor dem letzten Lebenszeichen der 66-Jährigen, und der Beschlagnahmung des Autos am 3. November in Hamburg-Ottensen gesehen?“, fragt sie. „Jeder noch so kleine Hinweis kann entscheidend sein, die Leiche zu finden oder die Tat zu beweisen“, sagte Polizeichef Johannes Lind. Hinweise nimmt jede Polizeidienststelle entgegen, die Polizei Leer ist unter Telefon 0491/976900 erreichbar.

(Weiterlesen: Auch in der Ems keine Spur von Gerda B. aus Leer)

Zum Nachlesen: Hier geht es zum Liveticker von der Pressekonferenz am Montag in Leer.

Weiterlesen: Bericht vom 5. Dezember 2016: Weiterhin keine heiße Spur von Gerda B. in Ostfriesland


0 Kommentare