„Haben früh Interessen hinterlegt“ Aufbau der Friesenbrücke: Meyer Werft weist Kritik zurück

Von Christian Belling

Vor fast einem Jahr wurde die Friesenbrücke in Weener bei einer Kollision mit einem Frachter stark beschädigt. Foto: Kai-Uwe HankenVor fast einem Jahr wurde die Friesenbrücke in Weener bei einer Kollision mit einem Frachter stark beschädigt. Foto: Kai-Uwe Hanken

Papenburg/Weener. Die Papenburger Meyer Werft bestreitet in der Diskussion um den Wiederaufbau der Friesenbrücke in Weener erst spät ihre Interessen hinterlegt zu haben. Schon früh habe der Schiffbauer den Wunsch nach einer breiteren Durchfahrt geäußert, um mehr Spielraum zu haben.

„Wir haben an verschiedenen Stellen früh unsere Interessen hinterlegt“, erklärte Werftsprecher Peter Hackmann am Donnerstag auf Nachfrage unserer Redaktion. „Doch anscheinend ist dies zu unseren Interessenvertretern wie die IHK nicht ganz durchgedrungen.“ Von daher musste die Werft laut Hackmann nun selbst deutlicher werden und ihr Anliegen mit Nachdruck vorbringen. ( Weiterlesen: Zwei Alternativen für Wiederaufbau der Friesenbrücke )

Beim Besuch von Bahnchef Rüdiger Grube am Mittwoch in Weener nannte Werftchef Bernard Meyer Gründe für eine breitere Durchfahrt: Die Werft intensiviere derzeit das Engagement bei den Nordseewerken im Emden und dazu würden große Teile über die Ems gebracht. Zudem gab er als Beispiel der Notwendigkeit auch die Überführungen der Luxusliner an. „Es geht um die Zukunft der Region“, so Meyer mit Verweis auf die rund 4200 Beschäftigten der Werft.

Gleiche Breite wie Jann-Berghaus-Brücke und Emssperrwerk gefordert

Daher warb Meyer für einen Neubau der zerstörten Eisenbahnbrücke, anstelle der von Bahnchef Rüdiger Grube am Mittwoch in Weener vorgestellten Variante der Wiederherstellung im ursprünglichen Zustand mit gleichbleibender Durchfahrtsbreite. Auch Papenburgs Bürgermeister Jan Peter Bechtluft plädiert für einen Neubau: „Es kann nicht sein, dass der Transport von Gütern und die Überführung von Kreuzfahrtschiffen in den kommenden Jahrzehnten an einer zu kleinen Durchfahrt in der Friesenbrücke scheitern. Wir wünschen uns von der Deutschen Bahn, die Brücke auf eine lichte Durchfahrtsbreite von 56 Metern zu modernisieren – die gleiche Breite wie die Jann-Berghaus-Brücke in Leer und das Emssperrwerk in Gandersum.“

„Plan B“ wird bis zum 21. Dezember erstellt

Gegenüber der Stadt Papenburg und dem Landkreis Emsland hat die Werft Ihre Interessen hinterlegt. Auch Landtagspräsident Bernd Busemann warb für Überlegungen einer zweiten Variante des Wiederaufbaus. „Alle Beteiligten müssen an einen Tisch.“ Schließlich sei die Ems die gemeinsame Lebensader mehrerer Landkreise.

Bahnchef Grube sagte am Mittwoch zu, dass nun im Schnellverfahren bis zum 21. Dezember ein „Plan B“ unter Berücksichtigung der genannten Interessen erstellt werde. Er machte dabei aber auch deutlich, dass eine solche Variante deutlich mehr Geld und Zeit kosten würde. „Aufgrund der Tragweite der Entscheidung sollte man die Alternative aber nicht vom Tisch schieben.“ Das vorgestellte Konzept sah eine Wiederinbetriebnahme der Brücke bei gutem Verlauf im Jahr 2020 vor.

Bechtluft: Keine längere Bauzeit

Bürgermeister Bechtluft kann die Befürchtungen einer längeren Bauzeit nicht nachvollziehen. „Selbst die Verbreiterung der Jann-Berghaus-Brücke habe inklusive Planung nur knapp drei Jahre gedauert, der Bau des Emssperrwerks sogar inklusive eines Jahres Baustopps insgesamt fünf Jahre.“ Wenn die ganze Region in dieser Sache an einem Strang ziehe, dann würde in kurzer Zeit eine moderne Brücke erstellt, die den Ansprüchen der Bürger und der Hafenwirtschaft gleichermaßen entspreche.