Restaurierung fast abgeschlossen Dampfschiff „Prinz Heinrich“ bald seetüchtig

Von Dirk Hellmers


dhe Leer. Die letzte Hürde der Prinz Heinrich in Leer ist in Sicht: Mitte des Monats könnte es nach der Untersuchung des Unterwasserschiff endlich grünes Licht für das mehr als hundert Jahre alte Dampfschiff geben.

Die erste große Fahrt soll zurück nach Papenburg führen, wo die Meyer Werft die Prinz Heinrich im Jahr 1909 gebaut hat.

„Wir sind es selbst leid“, sagt Wolfgang Hofer, Vorsitzender des Vereins „ Traditionsschiff Prinz Heinrich “, zu den zahllosen Ankündigungen der Wiederinbetriebnahme des Schiffes. Zuletzt musste eine Fahrt zum Papenburger Hafenfest abgesagt werden.

Seit 2003 bemüht sich der Verein, dass Dampfschiff wieder seetüchtig zu machen. „Die größte Überraschung waren die Kosten“, sagt Hofer. Auch wenn sich viele Ehrenamtliche um die Instandsetzung kümmern, müsste der Großteil von Fachleuten gemacht werden. „Schließlich wollen wir Menschen damit transportieren“, sagt der Ostfriese. Wenn es los geht, können 125 Personen mitreisen.

Letzte Hürde

Im September hat der TÜV den Kessel und Ölbrenner abgenommen. Damit steht nur noch eine Hürde an. Wie viel bislang investiert worden ist, möchte Hofer nicht sagen. „Es waren mehrere hunderttausend Euro“, deutet er an. Zur Restauration kamen noch Neuerungen um den heutigen Sicherheitsstandards zu entsprechen, wie GPS- und Radargeräte.

Was den Verein antreibt? „Es ist das letzte erhaltene Dampfschiff dieser Art“, sagt Hofer. Hergestellt wurde es im Jahr 1909 als Bau-Nummer 240 auf der Meyer Werft in Papenburg um Personen und Post zwischen Emden und Borkum zu befördern. Mit seinen zwei 150-PS-Dampfmaschinen ist die Prinz Heinrich heute etwas Besonderes. Seit 2013 ist der Dampfer von der Deutschen Denkmal Stiftung als nationales Kultur-Denkmal eingestuft.

Kindheitserinnerungen

Aus seiner Kindheit kennt Jan Berends das Schiff noch. „Wir sind damals mit der Klasse von Emden nach Borkum gefahren“, sagt der heute 91-Jährige. Das muss Anfang der 1930er Jahre gewesen sein. Später verlor er das Schiff aus den Augen und blieb dem Schiffsbau aber treu. Arbeitete zuerst in Emden auf der Werft Schulte und Bruns und später bis 1987 als Maschinenbaumeister auf der Meyer Werft. Dort hat er noch an dem ersten Kreuzfahrtschiff der Homeric mitgearbeitet. Seit 2009 kümmert er sich ehrenamtlich wieder um ein Meyer-Schiff: der Prinz Heinrich. Etwa ein Drittel der 15 ehrenamtlichen Helfer hat im Berufsleben auf der Mutterwerft der Prinz Heinrich verbracht.

Kindheitserinnerungen an den Dampfer hat auch Hofer. „Die hatte ihr Winterquartier in Leer“, sagt der Vereinsgründer. Und die Winter waren damals härter als heute. „Wir sind da mit Schlittschuhen drum herum gefahren.“ Und beim Erzählen dieser Erinnerungen hat er vor 14 Jahren erfahren, dass das Schiff noch nicht verschrottet wurde. Ostfriesland hatte das Schiff in den 1950er Jahren verlassen, bekam einen Motor und fuhr als Hessen weiter. Später ging es an als Museumsschiff Mississippi an die Ostsee. 2002 blieb das Schiff an der Neptun-Werft in Rostock zurück. „Kurze Zeit später sollte es verschrottet werden“, sagt Hofer. „Es war in einem erbärmlichen Zustand.“

Termine mehrmals verworfen

Ein Jahr später hat der Verein es gekauft und arbeitet seit dem an der Restaurierung. Häufig wurden Wunschtermine für die Jungfernfahrt angekündigt und wieder verworfen. „Das ist wie beim Oldtimer-Auto“, sagt Erwin Santen, einer der ehrenamtlichen Helfer den Dampfer mit einem Straßenfahrzeug. „Da weiß man auch nicht, was einen erwartet.“ Nun, so hoffen die drei Männer, soll die letzte Hürde genommen werden.

Der Termin steht für Mitte Oktober: Da soll das Schiff aus dem Wasser gehoben werden und das Unterwasserschiff, also der Teil, der unter der Wasseroberfläche liegt, begutachtet werden. „Das Schiff liegt schon solange im Wasser“, erklärt Santen. Da sei eine Begutachtung normal. Sollte es hier grünes Licht gehen, sollen Probefahrten starten. Erst im Hafen, dann auf der Ems. „Wir wollen am liebsten noch im Winter nach Papenburg fahren“, hofft der Vorsitzende Hofer.

Planung ist wichtig

Nach Papenburg sollen auch die ehemaligen Häfen in Emden und Borkum angesteuert werden. Dort soll das Schiff stets ein paar Tage liegen bleiben. Ohnehin müssen die Fahrten geplant werden. „Wir brauchen einen Tag Vorlauf“, sagt Hofer. Wenn der Kessel kalt ist, vergehen bis 24 Stunden bis das der Dampf heiß genug ist und genügend Druck aufgebaut hat. Im Vergleich zu den 13 Jahren Restaurationszeit eine kleine Zeitspanne.


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