Acht Tage auf See Leeraner rettet Flüchtlinge aus Mittelmeer

Von Dirk Hellmers


dhe Leer/Ostrhauderfehn. Rund 140 Menschen in acht Tagen hat das Schiff „Luventa“ von „Jugend rettet“ auf ihrer zweiten Mission aus dem Mittelmeer gerettet. Als Steuermann war der Nautikstudent Pascal Werk aus Leer mit an Bord. Werk gehört zu der Ostrhauderfehner Gruppe „Peer Leader International“, die sich für weltweite Hilfsprojekte einsetzt.

Erstmals von dem Projekt gehört hatte Werk in einer Vorlesung an der Schifffahrtschule in Leer. Zwei Berliner Stundenten hatten die Organisation „Jugend rettet“ ins Leben gerufen, um ein Schiff zu kaufen und Flüchtlinge aus dem Mittelmeer zu retten. Auf der ersten Mission war Regional-Botschafter Jannik Bruns aus Rhede mit an Bord. „Ich bin selbst Flüchtling und wollte helfen“, sagt Werk. Er sei vor Jahren aus Ruanda nach Ostfriesland gekommen. „Ich hatte das Privileg, mit dem Flugzeug nach Europa kommen zu dürfen.“ Nun studiert er in Leer.

Für drei Wochen war er an Bord des Schiffes. Die ersten Tage dienten der Ausbildung, da sich viele freiwillige Helfer ohne seemännische Erfahrung engagieren. Von Malta aus ging es jede Nacht in Richtung Libyen. „Die Flüchtlinge erreichen zwischen vier und acht Uhr morgens das internationale Gewässer“, erklärt Werk. Die Schleuser würden sie oft mit Schlauchbooten im Schutz der Dunkelheit in Richtung Europa schicken. „Die Ruder sind festgebunden“, sagt Werk. So ein Boot könne nur geradeausfahren, vermutet er – und somit bestenfalls in die 24-Meilen-Zone kommen, wo die Retter warten. Werk hat das Gefühl, dass viele Boote gar nicht das Festland, sondern nur das internationale Gewässer als Ziel hätten, um dort von den Rettern gefunden zu werden.

Erlebt hat Werk in seiner Zeit auf der „Luventa“ nur eine größere Rettungsmission. Morgens sei ein Hilferuf eingetroffen. Eine italienische Gruppe hatte über Radar die Schlauchboote entdeckt. Die Zustände auf dem Boot seien schlimm gewesen. „Die Meisten können nicht schwimmen.“ Statt Rettungswesten hätte einige nur Autoreifenschläuche dabei. Bis zu 160 Menschen hätten sie auf dem Boot gezählt. Mit etwa zehn privaten Booten auf einer Strecke von Leer bis Hannover vergleicht er die Suche mit der sprichwörtlichen Nadel im Heuhaufen.

Um ein Gefühl für die Situation der Flüchtlinge auf den Booten zu bekommen, haben seine Peer-Leader-Kollegen in der Zwischenzeit auf dem Idasee in Idafehn einen Selbstversuch gestartet. Sie ließen ein kleines Boot, das für bis zu 300 Kilo zugelassen ist, zu Wasser. „Eigentlich sollen da drei bis vier Leute drauf“, sagt Malte Friedrichs. Im seichten Gewässer des Idasees war nach zwölf Leuten Schluss – das Boot kenterte. Das sei schon unangenehm gewesen, sagt Friedrichs. „Aber zum Glück war das auf dem Idasee, da gab es keine Wellen.“

Die Szenen beobachtete Sharam Mohommad vom Ufer aus – aus sicherer Entfernung. In so ein Boot will der 20-Jährige aus Afghanistan nie wieder steigen, meint er. Auf seiner Flucht hat er die Extremsituation auf dem Meer erlebt: Zehn mal zwei Meter sei das Schlauchboot groß gewesen, mit dem er von der Türkei nach Griechenland kam. 68 Menschen seien mit an Bord gewesen. „Wir hatten alle sehr viel Angst“, berichtet Mohommad.