Papenburger Holocaust-Überlebender Film-Interview mit Erinnerungen von Wilhelm Polak vorgestellt

Von Jonas Brinker

Die Lebenserinnerungen von Wilhelm Polak aus Papenburg in Filmform sind jetzt in Leer vorgestellt worden. Foto: Jonas BrinkerDie Lebenserinnerungen von Wilhelm Polak aus Papenburg in Filmform sind jetzt in Leer vorgestellt worden. Foto: Jonas Brinker

jbri Leer. In einem feierlichen Festakt sind in Leer die Lebenserinnerungen des Papenburger Holocaust-Überlebenden Wilhelm Polak vor rund 80 Gästen präsentiert worden. Der im September 2015 verstorbene Polak gab kurz vor seinem Tod ein Interview, welches nun in der alten jüdischen Schule in Leer zu sehen ist.

„Diese Schule war der einzige Ort, in dem Wilhelm unbeschwert seine Kindheit verbringen konnte“, sagte Wilhelm Polaks Frau Inna Polak während der Begrüßung. Deswegen wurde auch dieser Ort gewählt, um die Lebenserinnerungen von Polak vorzustellen. Das Interview in Filmform trägt den Titel „Geboren, Gespielt, Gelacht, Geweint, Vertrieben, Gelitten, Gekämpft, Überlebt, Zurückgekehrt, Gelebt ... in seiner geliebten Heimatstadt Papenburg“.

Geboren 1925, erlebte Polak den Aufstieg der Nationalsozialisten am eigenen Leib. Als Juden in Papenburg schikanierten die Nationalsozialisten die Familie Polak mit Beginn der „Machtergreifung“ in den 1930er Jahren. Bei der Reichspogromnacht im November 1938 wurde Polaks Vater Isaak zusammen mit zehn weiteren jüdischen Männern aus Papenburg in das Konzentrationslager Oranienburg gebracht. Wilhelm Polak selbst musste ab 1939 für die Nationalsozialisten zwangsarbeiten, bis zu seiner Deportation im Jahre1941. In drei Konzentrationslagern konnte Polak teils nur durch großen Zufall überleben, seine Befreiung hat er der sowjetischen Armee zu verdanken.

Bis zum Tod in Papenburg

Nach Kriegsende 1945 wollte Polak wieder nach Papenburg zurückkehren. Mit Stationen in Gorki, Odessa, Budapest und Wien erreichte er schließlich Deutschland. Eine Einreise in die USA, in der seine Schwester Ilse Polak bis heute lebt, wurde ihm aufgrund einer Erkrankung, die er in einem der Lager bekommen hatte, verwehrt. So blieb er seiner Heimatstadt treu und eröffnete einen Stoffladen in der Stadtmitte. Bis zu seinem Tode 2015 lebte er in der Fehnstadt.

„Die Gütigkeit, die Größe und die Gelassenheit meines Mannes führten dazu, dass er Papenburg vergeben hat und den Papenburgern die Hand der Versöhnung ausgestreckt hat“, sagte Inna Polak. Obwohl viele Menschen auch hierzulande im Dritten Reich weggeschaut und das Unheil der Nationalsozialisten in Kauf genommen hätten, verzieh Polak ihnen. „Und diese Hand ist immer noch ausgestreckt“, mahnte Inna Polak.

Auch die CDU-Bundestagsabgeordnete Gitta Connemann zeigte sich bewegt von Polaks leben. „Es war ein Privileg, Wilhelm Polak kennenlernen zu dürfen.“ In ihrem Grußwort ging sie auf verschiedene Punkte des Lebens von Polak ein. „Er kehrte zurück in die Stadt, die ihn nicht wollte“, so Connemann.

Im Beisein von Papenburgs Bürgermeister Jan Peter Bechtluft sprach die CDU-Politikerin von Polak als eine „Institution in Papenburg“, der „immer die Versöhnung suchte“. Ihm, ein Papenburger mit Leib und Seele, sei aber das Papenburg-Sein genommen worden, so die Politikerin in einer sehr persönlichen und bewegten Ansprache. Doch auch in der heutigen Zeit ist laut Connemann „Antisemitismus wieder Teil der Gesellschaft“. Sie wünsche sich „mehr als nur Sonntagsreden“, vor allem aber ein klares Bekenntnis zum jüdischen Leben in Deutschland.

„Eigentlich wollte Wilhelm Polak nie über sein Leben sprechen“, berichtete der Leeraner Landrat Bernhard Bramlage. Dass er es doch tat, zeigt seine überaus offene Art, so Bramlage.

Das rund eineinhalbstündige Film-Interview ist in der alten jüdischen Schule in Leer zu sehen. Zudem ist auch ein Interview mit seiner Schwester, Ilse Polak, fester Bestandteil der Ausstellung.