Storchennest wieder errichtet Westoverledinger hoffen auf Meister Adebar


Westoverledingen. Es ist angerichtet. Nach mehr als 20 Jahren ist in dem kleinem Emsdorf Hilkenborg in Westoverledingen in knapp zwölf Meter Höhe ein Storchennest wiederaufgebaut worden. Der Heimat- und Verkehrsverein der Gemeinde sowie die Freiwillige Feuerwehr Grotegaste haben die Privatinitiative der Eheleute Bron tatkräftig unterstützt. Nun muss sich Meister Adebar buchstäblich nur noch ins gemachte Nest setzen.

„Einen Versuch ist es immer wert“, sagt Hans Appiß, der seit über 30 Jahren als ehrenamtlicher Storchenvater im Landkreis Leer unterwegs ist, in einem Gespräch mit unserer Redaktion. Grundsätzlich könne es Jahre dauern, bis ein Horst angenommen wird. „Auch ein Storchenpaar, das nicht brütet, wäre schon ein Erfolg“, sagt Appiß.

Im Gegensatz zum Landkreis Emsland, wo 2014 erstmals seit 32 Jahren wieder Storchenküken geschlüpft waren, scheint es nach Einschätzung von Appiß in Ostfriesland eine Trendwende zu geben. Nach seinen Worten wurden im Landkreis Leer im vergangenen Jahr stellenweise bis zu 30 Vögel gezählt. Darunter seien außergewöhnlich viele Einjährige gewesen, die normalerweise bis zu ihrer Geschlechtsreife mit etwa drei Jahren in südlichen Gefilden leben würden. Die auf Grünland gezählten Vögel sind aber keineswegs durchweg waschechte „Ostfriesen“, sondern Vagabunden, wie Appiß erklärt. In Westoverledingen ist dem Storchenvater aktuell nur ein Nest bekannt, das in den vergangenen Jahren regelmäßig besetzt war. Dieses Nest steht in Esklum kurz vor Leer. Eines der drei 2014 dort geschlüpften Tiere kam im August bei einem Sturm ums Leben.

Für den in Eigenregie wieder errichteten Horst in Hilkenborg holten sich Annkathrin und Christoff Bron Tipps bei Appiß. Sie besuchten einen Info-Abend mit dem Storchenvater, zu dem der Westoverledinger Verein ProNaturWOL nach Steenfelde eingeladen hatte. Wie Christoff Bron erklärt, gehört das Nest zu dem 1886 erbauten Gulfhof, den er und seine Frau vor zwei Jahren erworben und inzwischen komplett saniert haben. Allerdings habe der Pfosten vor dem denkmalgeschützten Gebäude zunächst weiter „blank“ gestanden. Das wurde nun mit vereinten Kräften geändert. So montierten Robert Hensmann und Oliver Schachler von der Ortsfeuerwehr Grotegaste das vorbereitete Storchennest samt einer Unterkonstruktion aus Drahtgeflecht aus dem Korb eines Steigers heraus in luftiger Höhe. Die Mietkosten für den Steiger übernahm der Heimat- und Verkehrsverein Westoverledingen. „Projekte dieser Art unterstützt der Verein gerne“, betont Vorsitzender Hartmut Ibelings. Nun hoffen alle Beteiligten, dass sich ein Storchenpaar in Hilkenborg niederlässt und dort eine ganze Familie bewundert werden kann. Die Voraussetzungen scheinen nicht schlecht. Christoff Bron, der mit seiner Frau auch Landwirtschaft betreibt, berichtet davon, dass er bei der Grasernte in den vergangenen Jahren mehrfach bis zu einem Dutzend Störche gesichtet hat. Vielleicht lässt sich einer dieser „Vagabunden“ ja in Hilkenborg nieder.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN