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Zwist um neue Schulform in Lotte-Westerkappeln Gesamtschule: Reaktion auf Boykott-Aufruf der Schüler

Von Frank Klausmeyer | 20.01.2014, 19:00 Uhr

Die Schülervertretungen der Realschule Westerkappeln und der Gemeinschaftshauptschule (GHS) Lotte in Wersen haben – wie berichtet – dazu aufgerufen, die Anmeldewoche (7. bis 12. Februar) für die geplante Gesamtschule zu boykottieren. Manfred Stalz, der mit dem Aufbau der Gesamtschule beauftragte Pädagoge, appelliert an die Jugendlichen, „keine Feindseligkeit gegenüber einer Schulform, die Ihr gar nicht kennt“ zu entwickeln.

Stalz nimmt in einem offenen Brief Stellung zur Kritik der beiden Schülersprecher Florian Hannigbrink (Realschule) und Franziska Kerrinnes (GHS) am Verfahren und zum Protestaufruf für den heutigen Dienstag.

Zunächst einmal spricht Stalz darin den Schülervertretern große Anerkennung für deren Engagement für den Erhalt ihrer beiden Schulen aus. Er könne die Sorgen und einen Teil der Argumente nachvollziehen. „Als Schulleiter wäre ich stolz darauf, Schülerinnen und Schüler wie Euch an meiner Schule zu haben, die sich so mit ihrer Schule identifizieren.“ Die von den Schülern organisierten Demonstrationen seien ein Ausdruck gelebter Demokratie in Lotte und Westerkappeln.

Zu einer Demokratie gehöre aber auch, dass für die Gründung von Schulen im Hinblick auf die Mitbestimmung der Beteiligten und die politischen Entscheidungen bestimmte Gesetze gelten, schreibt Stalz. In diesem Rahmen wären in Lotte und Westerkappeln zunächst die Eltern befragt worden. Auf dieser Grundlage hätten dann die politischen Vertreter einstimmig beschlossen, eine Gesamtschule einzuführen.

Diesen Prozess hätten die Schülervertreter in ihrem Schreiben an die Eltern so dargestellt, als sei er manipulativ, undemokratisch, unfair und ohne Sinn und Verstand gewesen. „Diese Darstellung ist nicht nur falsch, sondern diffamierend“, so Stalz. Zu den gesetzlichen Vorschriften gehöre auch, dass das Anmeldeverfahren für die Gesamtschulen grundsätzlich zeitlich vorgezogen sein müsse. Auch in diesem Punkt sei keine Willkür im Spiel.

Die Schüler machen sich Sorgen darum, dass ihre eigene Schullaufbahn durch die neue Schule beeinträchtigt werde. Hier stünden die beiden Bürgermeister im Wort, die mehrfach öffentlich versichert hätten, beide bestehenden Schulen weiter uneingeschränkt unterstützen zu wollen. „Ihr könnt Eure Schullaufbahn an der Haupt- oder Realschule ungestört zu Ende führen“, erklärt Stalz.

Ein Punkt, den die Schüler besonders thematisierten, sei die Frage nach den zwei Standorten der Gesamtschule. Klar müsse dafür eine gute organisatorische und pädagogische Lösung gefunden werden. Dies werde eine wichtige Aufgabe für das Gründungskollegium und die Schulkonferenz der Gesamtschule sein. Genau in deren Hand gehöre im Übrigen auch die weitere Ausgestaltung des Schulprogramms. Dabei werde dann auch geklärt, welche der „teilweise hervorragenden pädagogischen Bausteine“ der Realschule und der GHS in das Profil der Gesamtschule übernommen werden sollten.

Die von den Schülervertretern als „Hochglanzprospekt“ bezeichnete Informationsbroschüre sei von Lehrerinnen und Lehrern beider bestehender Schulen inhaltlich bestimmt worden. Diese hätten Verantwortung übernommen und an der neuen Schule mitgewirkt, gerade weil ihnen die positiven Errungenschaften der GHS und der Realschule sehr am Herzen lägen und sie diese auch für zukünftige Schülergenerationen sichern wollten.

Zum Boykott-Aufruf für die Anmeldewoche gibt Stalz zu bedenken, dass sich die Schülervertreter klar darüber sein müssten, „dass dies für Eltern, die ihn befolgen, sehr unangenehme Folgen haben wird.“ Sie würden dann für ihre Kinder keinen Schulplatz am Ort haben, sondern müssten Busfahrten an die Realschulen, Hauptschulen und Gymnasien der Umgebung in Kauf nehmen.

Stalz bittet die Schüler, sich kundig zu machen und bietet an, an SV-Sitzungen teilzunehmen. „Freut Euch für den Rest Eurer Schulzeit als Real- oder Hauptschüler auf eine neue Erfahrung mit netten Nachbarn!“ Mit diesen Worten schließt Stalz seinen offenen Brief an Kerrinnes und Hannigbrink.

Die für Dienstag in Westerkappeln angekündigte Demonstration beginnt um 13 Uhr an der Realschule. Von dort ziehen die Teilnehmer zum Rathaus Westerkappeln. 200 Teilnehmer werden erwartet. Am Donnerstag, 23. Januar, ist um 16 Uhr ein Protestzug ab Gemeinschaftshauptschule in Wersen geplant.

Anmeldewoche für die Gesamtschule

Die Anmeldungen für die Klasse 5 der neuen Gesamtschule Lotte-Westerkappeln werden am Freitag, 7. Februar, sowie von Montag, 10. Februar, bis Mittwoch, 12. Februar, jeweils von 14 bis 18 Uhr und außerdem am Samstag, 8. Februar, von 9 bis 12 Uhr entgegengenommen.

Die Anmeldungen sind sowohl im Sekretariat der Realschule Westerkappeln, Osnabrücker Straße 25, als auch im Sekretariat der Gemeinschaftshauptschule Lotte, Am Herrengarten 20, in Wersen möglich.

Zum Termin sind laut Mitteilung das Halbjahreszeugnis, die Schulformempfehlung sowie der Original-Anmeldeschein der Grundschule und das Familien-Stammbuch, der ausgefüllte Anmeldebogen der Gesamtschule (kann auch bei der Anmeldung ausgefüllt werden) sowie ein Passfoto des Kindes mitzubringen. Um Wartezeiten zu vermeiden, können die Eltern im Internet online einen Termin für die Anmeldung reservieren; für eine Anmeldung in Westerkappeln unter und für eine Anmeldung in Lotte unter.