Ein Artikel der Redaktion Neue Osnabrücker ZeitungLogo Neue Osnabrücker Zeitung

Westerkappeln „Wilddiebe“ feiern Geburtstag

24.07.2009, 22:00 Uhr

Mit aktuell 69 Mitgliedern zählt der Schützenverein Sennlich zwar nicht zu den größten in Westerkappeln. Dafür kann er aber auf eine lange und vor allem erfolgreiche Geschichte zurückblicken. Am 1. August feiern die Sennlicher Schützen, deren Schießgruppe in den 60er- und 70er-Jahren wegen ihrer außerordentlichen Treffsicherheit als „Sennlicher Wilddiebe“ auf Kreisheimatschützenfesten für Furore sorgte, 100. Geburtstag.

Angefangen hat alles im Jahre 1909 bei Redeker. 29 Sennlicher entscheiden sich damals, einen Schützenverein zu gründen. Aktive Schützen gibt es nach mündlichen Überlieferungen schon länger in der Bauerschaft.

Bereits in den 80er-Jahren des 19. Jahrhunderts soll ein Schießstand im Schwegfeld gestanden haben. Als erster König geht Andreas Schulte 1909 in die Vereinsannalen ein. In der Anfangszeit müssen die Schützen um ihren Vorsitzenden Altmann, genannt Brewe, reichlich improvisieren. Geschossen wird in einem behelfsmäßigen Schießstand im Steinbruch Redeker, später im Steinbruch Stöhner auf dem Windmühlenhügel.

Außerdem benötigen die Sennlicher im wahrsten Sinne des Wortes Schützenhilfe aus Seeste: Denn bis zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs marschieren sie bei ihren Schützenfesten hinter der Fahne des Seester Vereins, die sie jedes Mal zu diesem Anlass ausleihen. Erst 1921 – in den Kriegsjahren ruht das Vereinsleben – weihen die Sennlicher ihre eigene Fahne.

Mit den Goldenen Zwanzigern nimmt das Schützenwesen in der Bauerschaft, die als älteste Westerkappelns gilt, Fahrt auf. Unter Tambourmajor Fritz Krämer gründen die Sennlicher 1924 einen Spielmannszug. In Iborgs Helle bauen sie erstmals einen festen Schießstand.

Zehn Jahre später feiert der Verein sein erstes Jubiläum. Das 25-jährige Bestehen begehen die Sennlicher Schützen 1934 gemeinsam mit vielen Nachbarvereinen auf dem Hof Redeker. Im Gedächtnis bleibt damals, ein Jahr nach Hitlers „Machtergreifung“, die „zündende Festansprache“, die der Vereinsoberst hoch zu Ross hält.

Während des Krieges und in den ersten Nachkriegsjahren kommt das Vereinsleben erneut zum Stillstand. Erstmals 1948 nach der Währungsreform treffen sich die Schützen wieder unter dem Vorsitzenden Gustav Sparenberg in der Gaststätte Redeker „Zur Sonne“. Ein Jahr später feiern sie das erste Nachkriegs-Schützenfest. Otto Sandkühler erringt in dem provisorischen Schießstand, den die Sennlicher bei Redeker hinter der Scheune errichtet haben, die Königswürde.

Beim Kreisheimatschützenfest 1956 in Halen stellt die Sennlicher Schießgruppe, zu der damals Heinrich Hoge, Ernst Stiegemeyer, Walter Kleinschmidt und Gustav Wulfekammer gehören, erstmals ihre Treffsicherheit unter Beweis und holt den Sieg. Heinrich Hoge wird Kreisheimatschützenkönig. Nach ihm schaffen das ebenfalls seine Vereinskameraden Herbert Garz (1966) und Peter Höptner (1992).

In den 50er-Jahren beginnt eine ganze Reihe von sportlichen Erfolgen, die sich bis heute sehen lassen kann. 17-mal ist die A-Mannschaft bei Gemeindemeisterschaften dabei und erringt ebenso wie bei der Schießvereinigung „Rote Erde“ beachtliche sieben Titel. Fünf Gemeindekönige (Günter Schmidt, Hans Dölemeyer, Peter Höptner, Inga Torwesten, Herbert Kasling) haben die Sennlicher zudem bislang gestellt.

1958 kommt das Kreisheimatschützenfest nach Sennlich. 60 Vereine sind zu Gast. Aus diesem Anlass baut der Verein in Eigenarbeit einen neuen Schießstand in Iborgs Helle. In dem Buchenwald rund um das Schützenhaus wird zudem der Waldfestplatz „Zur Sonne in der Helle“ hergerichtet.

Ein Jahr später feiern die Sennlicher erneut mit vielen Gästen – diesmal aus Anlass des 50-jährigen Vereinsbestehens. Landrat Hermann Lüpping, der gleichzeitig Oberst des Vereins ist, hält die Festansprache.

Die kommenden Jahrzehnte bringen Bewegung in das Schützenwesen, die auch am Schützenverein Sennlich nicht vorbeigeht. 91 Jahre nachdem die Sennlicher ihren ersten König gekürt haben, können sie im Jahr 2000 mit Lydia Schmidt erstmals eine Frau als Regentin proklamieren. Auch im folgenden Jahr bleibt die Regentschaft in weiblicher Hand: Inga Torwesten schießt den Vogel im neuen Vogelschießstand ab.

Weil das Interesse an den bis dahin öffentlichen Schützenfesten schwindet, feiert der Verein seit 2004 nur noch intern. Zur Jubelfeier am kommenden Samstag, 1. August, ist dann jedoch auch wieder die Öffentlichkeit eingeladen.