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Westerkappeln Stabil in der Dauerkrise

31.07.2009, 22:00 Uhr

Die Ech terhoff Bau-Gruppe in Velpe trotzt der Wirtschaftskrise. „Unsere Auftragslage ist weiterhin vernünftig“, freut sich der Geschäftsführende Gesellschafter Thomas Echterhoff. Die Auftragsbücher seien für ein Jahr gut gefüllt.

Das ist in einer Zeit, in der andere Betriebe nicht einmal wissen, wie sie ihre Belegschaft im kommenden Monat beschäftigen sollen, eine beachtliche Spanne. Dadurch, dass das Unternehmen vorwiegend im Infrastrukturbau tätig ist, sei die Auslastung relativ stetig und der Jahresumsatz mit rund 100 Millionen Euro stabil, erläutert Echterhoff. „Andere haben nach der Riesenparty jetzt einen Kater“, verweist er auf den Wirtschaftsboom von 2006 bis Mitte 2008 und das jähe Ende mit Beginn der Finanzkrise.

Ganz spurlos geht die Rezession an der Firma allerdings nicht vorbei. „Im Bereich schlüsselfertiges Bauen merken wir das schon“, gibt Echterhoff zu bedenken. So gebe es weniger Aufträge für die Erstellung von Bürogebäuden oder beispielsweise Ärztehäusern. Dafür habe Echterhoff auf anderen Baustellen gut zu tun, sei es auf den Autobahnen „quer durchs Ruhrgebiet“, bei der Bahn oder im Brückenbau an Wasserstraßen.

Wie andere Unternehmen der Baubranche hat sich auch die Echterhoff-Gruppe von den Konjunkturprogrammen der Bundesregierung mehr versprochen. „Positive Effekte sind bislang aber in keiner Weise aufgetreten“, bedauert der Geschäftsführende Gesellschafter. Weil das „Investitionspersonal“ der öffentlichen Hand in den vergangenen Jahren erheblich zurückgefahren worden sei, „gibt es keine Schubladenpläne mehr“, meint Thomas Echterhoff.

Doch selbst wenn die Gelder aus den Konjunkturprogrammen endlich fließen, rechnet er nicht mit erhöhten Investitionen. Denn es stehe zu befürchten, dass reguläre Infrastrukturmittel aufgrund der desolaten Haushaltslage von Bund und Ländern zurückgefahren werden.

Gleiches sei bei Einführung der Autobahnmaut passiert. Die Milliardenerlöse flössen zwar – wie der Bauindustrie von der Regierung Schröder zugesichert – in den Straßenbau, aber nicht zusätzlich. Der Ansatz im Bundeshaushalt sei im gleichen Maße gekürzt worden. „Das war ein Taschenspielertrick“, kritisiert Echterhoff.

Dabei liegt die Arbeit seiner Meinung nach im wörtlichen Sinne auf der Straße. „Die Autobahnen werden überall nur mit Tempo-60-Schildern ,saniert‘.“

Die Wirtschaftskrise könne die Bauindustrie möglicherweise mit Verzug erreichen. „Weil die Gewerbsteuereinnahmen einbrechen, werden die kommunalen Investitionen in den Tief- und Kanalbau vielleicht zurückgehen“, befürchtet Thomas Echterhoff.

Andererseits: Der Infrastrukturbau befinde sich seit 14 Jahren in der Dauerkrise. „Wir haben gelernt, damit zu leben“, sagt der Firmenchef. Und so geht er optimistisch ins Jahr 2010: Denn da feiert das Unternehmen sein 150-jähriges Bestehen.