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Teilnahme am Radmarathon Westerkappelner Südschweden: Alb so extrem wie nie

Von Thomas Niemeyer | 21.07.2014, 09:55 Uhr

Nach sechs Siegen in Folge sind die „Südschweden“ der Radsportabteilung des THC Westerkappeln diesmal nur als Vierte vom Radmarathon „Alb-Extrem“ in Schwaben zurückgekehrt. Doch ihr Vorturner Friedel Meyer ist aus einem anderen Grund sauer: Er konnte diesmal selbst nicht mitfahren.

Der 64-Jährige hatte sich Mitte Mai bei einem Sturz mit dem Rad auf nassen Holzbohlen das Schlüsselbein gebrochen. „Eigentlich sollte das für mich die letzte Schleife auf der Schwäbischen Alb sein. Aber so will ich mich nicht verabschieden; ich bin doch kein Weichei!“, grantelt er immer noch.

Für Weicheier ist die Runde von wahlweise 190, 210 oder 260 Kilometern auf der Berg-und-Tal-Strecke wahrlich nichts. Das dokumentierte einer der diesmal 54 gemeldeten Südschweden mit dem Trikotaufdruck „Bergab kann jeder“. 40 von ihnen kamen am Ende ins Ziel, nur 12 davon wiederum THC-Mitglieder . Bei der lustigen blaugelben Truppe fahren seit Jahren auch Radsportler aus ganz Norddeutschland mit, sogar einige Süddeutsche.

Die hohe Zahl der Ausfälle war witterungsbedingt, erklärt Meyer. Die angekündigten Regenfälle hätten einige bereits von der Anfahrt abgehalten, andere – wie seine Frau – vom frühmorgendlichen Start. Insgesamt war die Teilnehmerzahl gegenüber früheren Veranstaltungen um ein Drittel gesunken. Das könnte ein Fehler gewesen sein; denn die ganz Schnellen kamen am Nachmittag doch trocken ins Ziel.

Von gar nichts stoppen ließen sich Ingo Willmann-Russ aus Ledde und Jörg Mahnke aus Ibbenbüren. Sie reisten zu dem Marathon mit dem Rad an. Vom Tecklenburger Land bis nach Ottenbach auf der Alb fuhren sie an fünf Tagen 686 Kilometer bei 8218 Höhenmetern in einer reinen Fahrzeit 33 Stunden und 4 Minuten. Mahnke begnügte sich dann vor Ort mit der kleineren Runde, doch Willmann-Russ fuhr die 260-Kilometer-Schleife. „Eine Wahnsinnsleistung“, sagt Meyer bewundernd.

Dass seine Südschweden, die sich den Namen bei den Schwaben schon vor Jahren aufgrund ihrer nordischen Herkunft zuzogen, diesmal nicht die Gesamtwertung gewannen , erklärt Meyer mit einem Wechsel bei den Organisatoren. Die hätten nicht wie bisher auch die Gruppenleistung berücksichtigt, sondern allein die durchschnittliche Kilometerleistung aller Teilnehmer einer Gruppe.

„Dadurch waren kleine, leistungsstarke Teams im Vorteil“, berichtet Meyer und wundert sich: „Aber die großen Gruppen wie wir bringen das Geld ins Zelt.“ Dennoch bleibt der vierte Platz unter 63 Mannschaften mit insgesamt 2327 Fahrern ein glänzendes Ergebnis. Innerhalb der vorgegeben Zeit von 13 Stunden kamen 2237 Fahrer an – es handelt sich nicht um ein Rennen.

Doch Friedel Meyer hält auch Lob für die neuen Veranstalter bereit. So hätten sie elektronische Kontrollstellen auf der Strecke verteilt, die über 100 Fahrer nicht passierten. Sie seien anschließend disqualifiziert worden. „Ich habe mich in den Jahren davor oft gewundert, dass Fahrer, die ich überholt hatte, an der nächsten Labe schon Kaffee und Kuchen hatten, als ich dort eintraf“, berichtet er kopfschüttelnd. Es handelte sich in der Regel um Ortskundige, die offenbar eine Abkürzung durch den Wald kannten.

Dass sogar bei solchen Veranstaltungen gemogelt wird, verstehen die Kilometer fressenden Südschweden überhaupt nicht. Von ihnen wurde denn auch keiner disqualifiziert. Sie wollen ja lange radeln und nicht abkürzen.

Fürs nächste Jahr hofft Friedel Meyer nun auf besseres Wetter, auf ein Umdenken beim Veranstalter in Bezug auf die Wertung und darauf, dass er selbst mit heilen Knochen wieder mitfahren kann. Dann aber wohl zum letzten Mal. Aber bei so positiv Verrückten weiß man ja nie. Elf Südschweden haben sich bei ihm für den Alb-Extrem 2015 schon wieder angemeldet – „das verpflichtet!“