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Maisernte belebt Biogasanlagen Häckselhafte Herbstfreude für Recker Treckerfans

28.09.2011, 17:00 Uhr

Gebannt schaut Alexander Biemann dem Traktor hinterher. „Der hat 125 PS“, sagt der Elfjährige und sieht zu, wie der Fendt Vario 312 TMS vor der Silo-Halde rangiert, die Verschlussklappe seines Anhängers öffnet und rund 15 Tonnen Häckselgut abkippt. Wenn die Maisernte beginnt, genießt Alexander Biemann wahrhaft häckselhafte Herbstfreuden. Er liebt es, beim Auffahren an den Biogasanlagen der Region oder beim Häckseln auf den Feldern zuzuschauen. Und er ist nicht allein.

„Am Tag zwei nach Erntebeginn kommen die Zuschauer“, sagt Franz Lührmann, Geschäftsführer der Ökoenergie Recke GmbH & Co. KG, die die Biogasanlage an der Haarstraße in Steinbeck betreibt. Mal seien nur 10 bis 20 Gäste am eigens abgetrennten Zuschauer-Areal anzutreffen. Mal drängten sich bis zu 90 Menschen dort, um die An- und Abfahrt von mehreren Hundert Schlepper-Gespannen pro Tag und das Aufschichten des Silos zu verfolgen. Ein Zuschauer komme sogar Jahr für Jahr aus Remscheid.

Was an diesem sonnigen Herbstmorgen an Alexander Biemann vorbeirollt, gleicht einer Schlepper-Schau: Fendt, Massey Ferguson, Deutz, Claas, John Deere. Aus dem Effeff kann Alexander die Typen benennen. Ein Blick, schon weiß er, wie viel Tonnen der just eingefahrene Zwei-Achser an Bord haben sollte. Die Anzeige der Waage am Verwaltungsgebäude bestätigt Alexanders Vermutung. Was der Realschüler im Herbst im Original zu sehen bekommt, kann er sich Tag für Tag als Modell in seinem Zimmer anschauen. Dort reihen sich Schlepper, Mähdrescher, Maishäcksler und Zubehör in den Regalen. „Am liebsten möchte ich mal bei einem Lohnunternehmer arbeiten“, verrät er.

Hermann Sall ist mit seinen Enkeln Lukas (9) und Micha (11) aus Weese angereist. „Weil wir sehen wollen, wie das funktioniert“, sagt Micha. Und wegen der Traktoren natürlich. Bianca Albers (5) aus Ibbenbüren hat zum Zuschauen ihre Barbie-Puppe mitgebracht. Der Walzschlepper mit Planierschild gefällt dem kleinen Mädchen am besten. Jedes Jahr sähen sie sich das Treiben an der Biogasanlage an, verraten Mutter Sandra und Vater Reiner Albers.

Nach einer halben Stunde an der Biogasanlage geht es für Alexander weiter. Im Schleichtempo fährt Mutter Birgit Biemann mit ihm und Bruder Nikolaj (14) dem Schlepper-Gespann hinterher. Es geht bis zur Voltlager Straße. Gerade beginnt das Anhäckseln auf einem Feld. „Das ist ein Big X. Der hat 1000 PS und kann 14 Reihen ernten“, weiß der Elfjährige. „Jetzt muss der Schlepper eine Runde hinter dem Häcksler herfahren“, erklärt er. Erst bei der zweiten Runde passe das Gespann daneben.

In einer Seitenstraße reihen sich die Autos auf, meist Familien mit Kindern. Dabei geht es nicht immer so spektakulär zu wie vergangenes Jahr, als bei einem beladenen Anhänger am Maisfeld zwei Reifen platzten. Bei voller Ladung sei er aufgebockt und neu bereift worden, erzählt Alexander. Der Vorfall habe sich in Windeseile herumgesprochen. „Ruck, zuck standen da mehr als 20 Autos“, erzählt Birgit Biemann.

Probleme mit dem Mais-Touristen gebe es ab und an, räumt Franz Lührmann ein. „Wenn Zuschauer nicht hinter der Absperrung bleiben oder Radfahrer bewusst auf die Fahrbahn fahren, um den Schlepper zu behindern.“ Lührmann weiß aber auch um die starke Belastung, die sein Unterfangen mit sich bringt. Jede Beschwerde nehme sein Betrieb ernst.

In den wenigen Wochen der Maisernte klappert Alexander manchmal auch per Fahrrad die Felder in der Nachbarschaft ab. Und bei seinem Freund auf dem Bauernhof bekomme er eine Menge mit. Nichts sei aber so spannend wie das Mais-Häckseln. Auch nicht die Getreideernte mit Mähdreschern, sagt Alexander. „Das ist langweilig, weil da nicht so viele Trecker fahren.“