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Freizeitkicker feiern 25-jähriges Bestehen Die Unkaputtbaren aus Obermetten

Von Christoph Pieper | 23.07.2014, 18:21 Uhr

Fußballdeutschland befindet sich momentan in einer ereignisreichen Zeit. Die Nationalmannschaft wurde zum vierten Mal Weltmeister, die Bundesligisten bereiten sich auf eine neue Saison vor, und ein hiesiger Fußballverein feiert Jubiläum. Die Freizeit-Sport-Gemeinschaft (FSG) Atletico Obermetten feiert am kommenden Wochenende ihr 25-jähriges Bestehen. Der Verein aus dem Westerkappelner Süden wurde in seinen Gründungstagen müde belächelt – und besteht nun schon seit einem Vierteljahrhundert. Grund genug, um auf eine bewegte Geschichte zurückzublicken.

Es war der Abend des 30. Juni 1989, als neun junge Männer in der Gaststätte Steinriede zusammensaßen und aus einer Bierlaune heraus die Gründung eines Freizeitfußballvereins beschlossen. Fasziniert von ihrem Vorhaben, arbeiteten die angehenden Hobbykicker bis tief in die Nacht hinein an ihren teils wahnwitzigen Ideen zur Zukunft des Vereins. Alles detailliert in einem Gründungsprotokoll festgehalten, das Udo Etgeton, aktueller Schriftführer des Vereins, noch immer besitzt. Fein säuberlich stehen auf jenem Blatt Papier die Unterschriften der neun jungen Männer, die sich kurz zuvor auf den traditionsbeladenen Namen „Atletico“ geeinigt hatten. Selbstverständlich setzte auch der offiziell ernannte Vereinswirt Walter Steinriede sein Autogramm unter das Gründungsprotokoll.

Eines der Gründungsmitglieder der FSG ist Achim Frehmeyer, der sich mittlerweile offiziell für das Veranstaltungsmanagement des Vereins verantwortlich sieht. „,Euer Verein hält sich nicht einmal ein Vierteljahr‘, haben uns damals selbst einige Obermettener gesagt“, erinnert sich Frehmeyer. Jene Skeptiker wurden schnell eines Besseren belehrt. Zunächst mussten die selbst ernannten „Edeltechniker“ zwar auf der Festwiese hinter der Vereinskneipe trainieren, die ersten Spiele in geliehenen Trikots absolvieren und eine Niederlage nach der anderen hinnehmen, aber aufgeben sei nie eine Option gewesen.

Ganz im Gegenteil. Mit einer großen Portion Aktionismus entwickelte sich der kleine Verein immer weiter, baute sein eigenes kleines Sportgelände und wuchs beachtlich schnell auf über 100 Mitglieder. Zu diesen zählten über die Jahre nicht nur zahlreiche Ehefrauen der aktiven Spieler, sondern mittlerweile auch viele Söhne der Kicker der ersten Stunde. „Vor fünf Jahren stand die aktive Mannschaft etwas auf der Kippe“, berichtet Uwe Hoge, stellvertretender Vorsitzender der FSG. „Einige andere Freizeitvereine sind kaputtgegangen, weil ihnen der Nachwuchs fehlte. Wir haben aber die Kurve bekommen und haben jetzt einen guten Unterbau“, ist Hoge stolz auf die konkurrenzfähige Mannschaft. Diese besteht momentan überwiegend aus Spielern des SC Velpe Süd.

Auf den Plätzen des SC im Ortfeld und in der kommenden Saison am Bahnhof werden die Spiele ausgetragen. Sportlich pendeln die Obermettener im gesunden Mittelmaß der Stadtliga, die großen Erfolge sind nun schon ein paar Jahre her. Im Jahr 2000 gelang der Aufstieg in die erste Stadtliga, sechs Jahre später holte Atletico sogar den Stadtligapokal. Und ein besonderes Bonbon war im Mai 1991 das Spiel gegen die Behindertennationalelf der Niederlande, die kurz zuvor bei den Paralympics in Seoul die Silbermedaille errungen hatte. Unter der Leitung vom damaligen FIFA-Schiedsrichter Jan Kaizer gelang der FSG sogar ein 3:2-Sieg.

Diese sportlichen Höhepunkte werden in Obermetten von jeher groß gefeiert. Autokorso und Empfang auf dem Balkon. Die Freizeitfußballer sind für jeden Spaß zu haben. „Es geht bei uns vor allem auch um die Gemeinschaft“, sagt Frehmeyer. Diese habe den Verein über die Jahre geprägt und mache ihn auch heute noch so attraktiv.

Auch aus diesem Grund haben über die Jahre immer wieder in der Region stationierte Engländer für Atletico gespielt. Einer von ihnen, Steve Whitbey, wurde sogar zum größten Torjäger. Legendär wurde auch der Jubel von Johnny Konermann. Nach dem Obermettener Schützenfest brachte er eine angeschlagene Atletico-Elf mit 1:0 in Führung und rief: „Los Jungs, wir haben sie im Sack!“ Obermetten verlor das Spiel noch mit 1:12. Diese ist eine der Geschichten, die bei jeder Feierlichkeit gerne noch einmal erzählt wird. Genauso wie der Fernsehauftritt von 1992, als die Atletico-Mannschaft bei NDR Sport III zu Gast war.

Auf der anderen Seite mussten die Vereinsmitglieder auch in schweren Zeiten zusammenstehen. Vier Spieler sind in ihrer aktiven Zeit verstorben. 2008 kam Ralf Etgeton, der seit der Gründung des Vereins das Präsidentenamt innehatte, bei einem tragischen Unfall ums Leben. Nach diesem Schicksalsschlag waren die Hobbyfußballer füreinander da. Und sie sind es auch für andere. Beim traditionellen Herbstfest veranstaltet der Verein jedes Jahr eine amerikanische Versteigerung und eine Tombola. Der Erlös, in der Regel mehrere Hundert Euro, wird für einen guten Zweck gespendet.

Die Freunde in Obermetten haben etwas aufgebaut und sich nie unterkriegen lassen. Und so können sie nun schon auf 25 Jahre bewegte Vereinsgeschichte zurückblicken.

Große Zeltparty zum 25-Jährigen

Zum Jubiläum lädt die FSG am Samstag nach Obermetten ein. Ab 15 Uhr ist das Festgelände am Vereinsheim geöffnet. Kinder können am Menschenkicker aktiv werden, bevor um 16.30 Uhr das große Menschenkickerturnier inklusive zweier Frauenteams starten soll. Für das weitere Vergnügen gibt es das „Hau-den-Lukas-Spiel“ und eine Hüpfburg. Ab 22 Uhr startet die große Zeltparty im RioMobil. Außerdem werden am Samstag Jubiläums-T-Shirts verkauft. Der Erlös geht an ein Kinderhospiz in Bremen.