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Erster Schultag an der Grundschule – Stolze Eltern sorgen für Blitzlichtgewitter Handarpe: Der Ernst des Lebens beginnt später

08.09.2011, 15:16 Uhr

9.25 Uhr, keiner kann mehr still sitzen, die Kirche ist voll, Pfarrer Olaf Maeder gräbt sich seine Schneise zum Altar. Schnell wird klar: Das ist kein normaler Gottesdienst, sondern dern für die Einschulung.

„Hier war doch schon das Laternenfest, oder Mama?“, ertönt es von rechts. Das blonde Mädchen mit den Bändern im Haar möchte nach ganz vorne – aber erst nach einem tiefen Griff in ihre bunte Schultüte, in der ihr Arm fast gänzlich verschwindet. Der Pfarrer braucht ein paar Minuten, doch dann durchbricht seine laute Stimme den Lärm der aufgeregten Kinder. Er fordert sie zum Singen auf, bei den Worten „Hier ist was los“ sollen sie laut schreien. Das klappt – keine Frage.

Der Gottesdienst ist schnell zu Ende, und die Eltern machen sich mit ihren Kindern auf den kurzen Weg von der Kirche zur Grundschule Handarpe. Die älteren Kinder der Schule schreien laut, als sie die „i-Männchen“ sehen, in dem Wissen, dass sie jetzt die Großen sind. Die Einschulungsfeier findet in der Turnhalle statt. Der Duft von Linoleum liegt in der Luft – und Aufregung. Die Schlacht um die Plätze hat begonnen, Blitzlicht von allen Seiten, strahlende Elterngesichter. Und natürlich die Kinder, manche offenbar überwältigt von der Aufregung der Erwachsenen, andere tobend, ohne jegliche Scheu.

Schulleiterin Bärbel Münzberg-Schimpf sagt, dass der Ernst des Lebens jetzt noch nicht beginne und dass die Eltern doch bitte nicht heute schon an die Abiturnote denken sollen. Ein Raunen geht durch die Menge. Eine Frau mit einer Haarspange erklärt ihrem Mann den weiteren Ablauf: „Erst Buskarten und Papiere abholen, dann können wir Kaffee trinken, und anschließend holen wir die Kleine wieder ab.“ Ihr Mann fügt sich. Die Schüler der höheren Klassen präsentieren das Abc, der Junge mit dem G muss seinen Text von der Rückseite seines Buchstabens ablesen, völlig unbemüht, dies zu vertuschen. Viele Eltern schmunzeln.

Offenbar hat die Aufregung nun doch auf die Kinder übergegriffen. Als sie in die Klassen eingeteilt werden, vergessen sie ihre vorher so wichtigen Schultüten, die nun angefuttert und verlassen auf den Stühlen liegen. Macht nichts, dafür bekommt jeder einen Paten aus den höheren Klassen zugewiesen und einen grauen Papierelefanten mit seinem Namen umgehängt. Dann ab zum ersten Klassenfoto.

Niemand redet, kein Gewusel, alle trotten langsam ihrer Lehrerin hinterher, als es zu den Klassenräumen geht. Dort riecht es nach Klebstoff und Holz, so wie vor zehn, vor 20 und wohl auch vor 50 Jahren. Eine bunte Abc-Eisenbahn schlängelt sich an der Wand der 1b entlang. Die 19 Kinder setzen sich in einen Stuhlkreis. Tom rutscht auf seinem Stuhl hin und her. Jeder darf erzählen, was er besonders gut kann. Lina meint, dass sie gut malen könne, David ist gut im Sport, Finn kann gut rechnen, und Jolina erzählt, dass sie fast alles könne.

Andre mit dem blauen Monster auf dem Pullover beschwert sich: „Wieso dürfen wir nicht sagen, was wir nicht so gut können?“ Frau Höting versichert ihm, dass sie das im Laufe des Schuljahres noch rausfinden werde. Tom und Finn verstehen sich bereits bestens. Einschulung heißt eben auch neue Freunde finden.