Ein Artikel der Redaktion Neue Osnabrücker ZeitungLogo Neue Osnabrücker Zeitung

Ein endloses Ungetüm Logistisches Meisterwerk aus Westerkappeln

Von Heinrich Weßling, Heinrich Weßling | 09.06.2016, 20:04 Uhr

Die Velper Spedition Laumeyer bringt in diesen Tagen im Auftrag von Poppensieker & Derix ein Dutzend Spezialtransporte auf die Straße, die einer logistischen Meisterleistung gleichkommen. Der Holzleimbauer hat die Hauptträger für den Neubau der Messehalle 10 in Stuttgart gebaut.

Da muss man schon zweimal hinschauen. Wo hört dieser Lastwagen denn auf? Nach 54 Metern. Mittwochabend, 21 Uhr. Auf dem Betriebsgelände von Poppensieker & Derix im Industriegebiet Velpe kommt langsam Bewegung in die Sache. Nachdem die Spedition Laumeyer in der Nacht zum Dienstag einen ersten Transport auf die Reise geschickt hat, steht nun ein Spezialfahrzeug der Firma Kording aus Hespe, die Laumeyer für den Großauftrag eingespannt hat, in den Startlöchern. In einer Stunde soll es losgehen. Vier Dachträger werden nach Stuttgart geschickt.

Am Lenkrad des Lasters sitzt Mike Stahlhut. Wie ein Pilot beim Flugzeugcheck umrundet der 33-Jährige sein Fahrzeug und die Ladung. Sitzt alles fest? Brennen alle Lichter? „Denn für den Transporter und für die Ladungssicherung ist der Fahrer verantwortlich“, betont Stahlhut. Seit elf Jahren sitzt er auf dem Bock. Aber ein Transport dieses Ausmaßes ist ihm auch noch nicht untergekommen.

Die Binder sind 49 Meter lang. Der ganze Zug misst 54 Meter und die vier aufeinander montierten Bauteile wiegen insgesamt 55 Tonnen. „Ja, Lampenfieber habe ich schon ein bisschen. Aber das ist vielleicht auch ganz normal, denn so eine Fracht lenkt man nicht jeden Tag“, meint der 33-Jährige.

Bei dem Transport wird nichts dem Zufall überlassen. Fahrtzeiten und -strecke und die Haltepunkte sind genau festgelegt. Vom Werksgelände geht es mit Begleitfahrzeug zunächst an der Anschlussstelle Lotte/Velpe auf die A 30 in Richtung Schüttdorf. Von dort fährt Stahlhut über die A 31 in Richtung Oberhausen. „Aufgrund des Gewichts müssen wir eine Route durch das Ruhrgebiet wählen“, sagt Speditionskaufmann Andreas Laumeyer.

Nach gut 300 Kilometern und 4,5 Stunden Fahrtzeit ist eine Pause vorgesehen. Das ist mit der Autobahnpolizei bereits genau abgestimmt. Denn mit einer Länge von 54 und einer Breite von 4,40 Metern kann Mike Stahlhut nicht auf jeden Rastplatz fahren.

Die Fahrtgeschwindigkeit liegt auf der Autobahn zwischen 50 und 70 Kilometern pro Stunde. Der Transporter hat vorne fünf und hinten vier Achsen. Dabei wird der hintere Wagen elektronisch aus dem Führerhaus gesteuert. Denn Stahlhut kann wegen der gebogenen, 4,40 Meter breiten Binder nicht sehen, was hinten passiert. Der Fahrer des folgenden Begleitwagens hält mit ihm ständigen Funkkontakt. „Das ist ein eingespieltes Team“, sagte Andreas Laumeyer.

Als es am Donnerstagmorgen hell wird, muss Stahlhut seinen Zug das nächste Mal auf einen Rastplatz lenken. Denn fahren darf das Ungetüm nur nachts. Bei Einbruch der Dunkelheit geht es am Donnerstagabend ausgeruht und vollgetankt weiter. Am Freitagmorgen soll der Transport pünktlich auf dem Stuttgarter Messegelände eintreffen.

Insgesamt transportiert die Spedition Laumeyer im Auftrag von Poppensieker & Derix 47 Binder für die Erweiterung der Messehalle. In dieser und der kommenden Woche werden jeweils zwei Touren mit je vier Bindern auf die Reise geschickt. Mitte August soll der Rest geliefert werden, berichtet Laumeyer, der die Kosten dafür auf rund 100000 Euro beziffert.