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Berauschende Klänge Konzertabend bei Kerzenschein im Kulturhof Westerbeck

Von Anne Spielmeyer | 29.07.2014, 20:59 Uhr

Raimund Beckmann hatte am Sonntag einmal mehr Außergewöhnliches zu bieten. Das siebte Konzert in diesem Sommer kündigte sich bereits durch ein ausladendes Marimbafon nebst Konzertpiano auf der Bühne des Kulturhofes an. Zuvor aber stellte Beckmann jene Künstler vor, die er für die Vernissage in seinem Westerbecker Kulturcafé versammelt hatte.

Mit leisen Tönen startete Juliane Deux auf ihrer Marimba in den Konzertabend bei Kerzenschein. Die zierliche Musikerin ist in Westerkappeln keine Unbekannte, bereits im vergangenen Sommer bewies sie ihre Virtuosität am Marimbafon. In diesem Jahr wählte sie sich Jazz-Pianist Simon Meininger als Partner für die Westerbecker Bühne.

Anmutig und mit viel Fingerspitzengefühl entlockte Deux ihrer Marimba die unterschiedlichsten Töne, erzeugte sperrige Klänge mit dem Cellobogen oder poetische Klangfolgen mit den eigenen Fingern. Dann wieder bearbeitete sie das knapp drei Meter lange Instrument mit ungebändigtem Temperament, die kraftvollen Rhythmen schlug sie dabei bisweilen so schnell, dass man die Schlegel kaum noch mit bloßem Auge voneinander unterscheiden konnte.

Jazz-Pianist Meininger wusste seine Partnerin kraftvoll zu ergänzen. Neben den Tempowechseln, die fein aufeinander abgestimmt waren, spielten sich die beiden auch gegenseitig musikalisch den Ball zu; und so dominierte mal Deux am Marimbafon, mal übernahm Meininger am Piano die Führung durchs Stück.

Das Duo präsentierte neben bekannten Stücken wie „In Spain“ von Chick Chorea oder „Glassworks“ von Philipp Glass auch eine Reihe Eigenkompositionen. Der aus Süddeutschland stammende Meininger gab einen musikalischen Einblick in den farbenfrohen Karneval seiner Heimat, während Deux mit „Dancing Caxixi“ eindrucksvoll die schmerzlich vermisste Katze mimte, von der sie bislang beim Marimbaspiel begleitet wurde.

Mit „Mystic“, das sich ebenfalls um eine Katze dreht, nahm das Duo sein Publikum endgültig für sich ein: Einer ungewöhnlichen Percussion folgte Deuxs temperamentvolles Spiel an der Marimba, welches Meininger kraftvoll am Piano übernahm.

Wie ein leichtfüßiger Tanz ließen sie die „Ballade für andre“ von Nils Rohwer und Jens Schlieker einfließen, gefolgt von einem fulminanten Abschluss: Mit Gerhard Stengerts „Meditation“ präsentierten die beiden Musiker noch einmal ihr ganzes Können und nahmen schließlich strahlend ihren Schlussapplaus entgegen.

Beckmann lobte das eindrucksvolle Klangerlebnis und beschenkte sie mit zwei Zeichnungen von Prof. Dr. Jan Cejka, was die beiden Musiker mit einer Zugabe von „Macedonia“ dankten.

Mit seinem Angebot hatte Beckmann wieder einmal ins Schwarze getroffen, das Publikum im restlos ausverkauften Kulturcafé war durchweg begeistert. Neben vielen Westerkappelnern waren darunter auch zwei Urlaubsstammgäste aus Wiesbaden. „Wir sind immer wieder erstaunt, dass sich hier in Westerkappeln so viel Kultur konzentriert“, ist Frauke Kettenbach begeistert. „Es ist schon toll, was Beckmanns hier machen“, lobte Ehemann Thomas das Engagement und dürfte damit wohl vielen in der Region aus der Seele sprechen.