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Auswirkungen auf die Kinder unklar Wenig Lehrer: Frauenpower in Westerkappelns Schulen

22.09.2011, 14:34 Uhr

Weibliche Lehrerkräfte sind an den Schulen in der Überzahl. Zahlen des Landesamtes für Information und Technik Nordrhein-Westfalen zeigen die Dominanz der Frauen an den Schulen im Kreis Steinfurt. So waren 2009 exakt 69,2 Prozent der Lehrkräfte im Kreis weiblich. Noch gravierender ist die Zahl bei den Grundschulen. Hier sind die männlichen Lehrkräfte 2009 nur mit 9,5 Prozent vertreten gewesen.

Ein ähnliches Bild zeigt sich auch in Westerkappeln und Umgebung. An der hiesigen Realschule gibt es 25 Lehrerinnen und nur zehn Lehrer. An der Gemeinschaftshauptschule Lotte stehen 30 Lehrerinnen elf Lehrer gegenüber. Der Anteil weiblicher Lehrkräfte ist in Westerkappeln von 81 Prozent im Jahr 2009 sogar noch gestiegen, auf aktuell 82,6 Prozent.

Der Schulleiter der Realschule Westerkappeln, Ralf Kutschwalski, hat die Situation längst bemerkt, sieht aber noch keinen akuten Handlungsbedarf an seiner Schule. „Mit einem Drittel zu zwei Dritteln ist das noch gut handhabbar“, sagt Kutschwalski. „Ansprechpartner müssen allerdings in beiden Geschlechtern da sein“, so der Rektor, der das an seiner Schule absolut gewährleistet sieht.

Die Garantie, einen männlichen Ansprechpartner für die Kinder bereitzustellen, ist an den Grundschulen noch schwerer zu leisten. In der Grundschule Handarpe gibt es gerade mal eine männliche Lehrkraft, genau wie an der Peter-Pan-Schule. An der Grundschule Stadt gibt es sogar gar keinen männlichen Lehrer.

Die Studienzahlen der Universität Münster bestätigen, dass sich deutlich mehr Frauen für den Beruf der Grundschullehrerin interessieren als Männer. Im Sommersemester 2011 waren von den Lehramtsstudenten der Primarstufe 83 Prozent weiblich.

An der Grundschule Westerkappeln-Stadt sieht man sich in einer kniffligen Situation. Schulleiterin Anne Frickenstein findet den Mangel an männlichen Lehrkräften an ihrer Schule sehr bedauerlich. „Für Jungen ist es gut, wenn auch männliche Bezugspersonen da sind“, so Frickenstein. „Wir würden uns sehr freuen, wenn auch mal Männer ins Kollegium kämen.“ Das wäre ihrer Meinung nach für die Kinder sehr wünschenswert. Gleiches gilt für Kindergärten.

Ob die Abwesenheit männlicher Lehrkräfte wirklich Auswirkungen auf die Entwicklung gerade von Jungen hat, darüber gebe es allerdings bisher keine gesicherten empirischen Befunde, sagt Schulforscher Prof. Dr. Bernd Zymek aus Münster: „Das wird allenfalls in Fachkreisen diskutiert.“ Tatsächlich sei die Frauenquote im Schulbetrieb in anderen Ländern höher.

Eine Benachteiligung von Jungen erwartet er nicht. Sein Umkehrschluss: Dann hätten ja die Frauen, die in einem von Lehrern dominierten System aufgewachsen sind, auch keine Chance zum Aufstieg gehabt.

„100 Jahre wurde beklagt, dass Mädchen keine weiblichen Vorbilder hatten“, sagt Prof. Zymek, „heute ist es umgekehrt“. Die möglichen negativen Auswirkungen hält er für „riesig überschätzt“.