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An den Euter, fertig, los! Wettmelken der Bürgermeister in Westerkappeln

Von Heinrich Weßling, Heinrich Weßling | 18.06.2018, 13:28 Uhr

An den Euter, fertig, los! Wer melkt in vier Minuten die meiste Milch in den Eimer? Bürgermeisterin Annette Große-Heitmeyer oder ihr Lotter Amtskollege Rainer Lammers? Die beiden Verwaltungschefs haben sich nun zum kuriosen Wettstreit auf dem Hof Schnepper getroffen. Die Zuschauer hatten jede Menge Spaß.

Ganz entspannt rollten Große-Heitmeyer und Lammers mit dem Fahrrad auf den Hof Alte Mühle 1. Die Schnaps- oder besser Milchidee wurde schon vor drei Jahren beim Sängerfest des MGV Seeste geboren. „Können sie überhaupt melken?“, hatte damals Friedhelm Witte die Bürgermeisterin gefragt. Aus einer lockeren Plauderei wurde nun ernst – nach etlichen Terminabsagen und -verschiebungen.

Kuh aus Mettingen

Die beiden Protagonisten hatten Zeit. Ebenso Familie Schnepper und die Familie Hunecke, die den Transport einer lebenden Kuh aus Mettingen vom Hof Heinrich Greve organisiert hatte. Dazu waren die Mitglieder der Nachbarschaft Haus Cappeln und Freunde erschienen.

Elly, so heißt die schwarz-bunte Kuh, der die Wettmelker zu Leibe rücken dürfen. Fünf Jahre alt und Mutter von drei Kälbern. Erst vor vier Monaten hat sie ein gesundes Kalb zur Welt gebracht. Mit prallvollem Euter und stoischer Ruhe stellt sie sich vor. 35 Liter Milch liefert Elly jeden Tag.

Anfeuerung für Lammers

Zuerst darf Lammers an die Zitzen. Er selbst kommt vom Land. „Zuhause hatten wir früher Pferde, Hühner, Schweine und eine Hofkuh. Aber mit Melken hatte ich nie etwas im Sinn“, gesteht der Lotter Bürgermeister. Nach einem kurzen Ein- und Anmelken läuft dann die Zeit für ihn. Lautstark wird Lammers von den rund 80 Gästen angefeuert. Elly hält still und die Milch läuft tröpfchenweise in den Eimer. Als die Zeit um ist, zeigt die Waage 400 Gramm an.

Große-Heitmeyer ist mit drei Geschwistern auf einem Bauernhof groß geworden. Schon als junges Mädchen hat sie das Melken gelernt. „Ob ich das heute noch kann?“, meint sie anfänglich skeptisch. Mit dem Wettkampf wolle sie aber auch ihre Verbundenheit zur Landwirtschaft zeigen und deutlich machen, mit welchem Einsatz die Landwirte heute arbeiten müssten. „Auch wenn die Technik sich im Melkstand rasant entwickelt hat, die Zeit muss der Landwirt noch aufbringen. Das läuft nicht alles von selbst“, betont die Bürgermeisterin.

Starke Melkleistung von Große-Heitmeyer

Und dann tickt die Uhr für Große-Heitmeyer. Rainer Lammers hält die Kuh am Schwanz fest, und mit ein wenig guten Zureden schießt die Milch in den Eimer. Große-Heitmeyer bringt es in vier Minuten auf stolze 1200 Gramm. Am Ende nimmt auch Wettpate Friedhelm Witte noch den Eimer und zieht der Kuh immerhin 500 Gramm Milch aus dem Euter.

Lammers zeigt sich als fairer Verlierer und gratuliert seiner Kollegin. Ob es am Ende an den zarten Fingern einer Frau gelegen hat, dass die Milch besser und schneller lief, oder ob Lammers kalte Hände hatte, das weiß wohl nur Elly. Unmittelbar nach dem Melken ging es für sie wieder zurück nach Mettingen in den Stall, wo sie an der Melkmaschine angeschlossen wird.

Auch noch Hemden gebügelt

Zum großen Finale dürften die beiden Rathauschefs noch ein paar Hemden bügeln, bevor alle sich mit einer Wurst und gekühlten Getränken stärken können.

Der Erlös des Abends aus dem Verkauf der Milch und dem Verzehr von Wurst und Getränken soll der Diakonie zugute kommen. Die ersten 100 Euro spendeten Lammers, Große-Heitmeyer und Witte.