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Gelegenheit für Schnäppchenjäger Großes Mehrfamilienhaus in Westerkappeln wird versteigert

Von Frank Klausmeyer

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Auf 1,73 Millionen Euro ist der Gesamtverkehrswert für das große Gebäude und das brach liegende Grundstück an der Bullerteichstraße vom Gutachter festgesetzt worden. Foto: Frank KlausmeyerAuf 1,73 Millionen Euro ist der Gesamtverkehrswert für das große Gebäude und das brach liegende Grundstück an der Bullerteichstraße vom Gutachter festgesetzt worden. Foto: Frank Klausmeyer

Westerkappeln. Wer auf der Suche nach einem Schnäppchen auf dem Immobilienmarkt ist, sollte am 23. Januar vielleicht beim Amtsgericht Tecklenburg vorbeischauen. Denn dort kommen an dem Tag das Gebäude und Grundstück Bullerteichstraße 10 unter den Hammer. Der von einem Gutachter ermittelte Gesamtverkehrswert beträgt 1,73 Millionen Euro. Je nach Verlauf des Bieterverfahrens könnte das Objekt aber auch für einen Bruchteil der Summe den Besitzer wechseln.

Das dreigeschossige Haus wurde 2009 errichtet. Darin gibt es elf zwischen 65 und 95 Quadratmeter große, barrierefreie und behindertengerechte Wohnungen sowie zur Straßenseite hin knapp 170 Quadratmeter Gewerbefläche, die derzeit von einem Ingenieurbüro und einer Fahrschule genutzt werden. Zur Versteigerungsmasse gehört außerdem ein rund 1600 Quadratmeter unbebautes und ziemlich verwildertes Grundstück.

Vorgeschichte

Die Liegenschaft hat eine lange und zuletzt tragische Vorgeschichte. Bis in die 1970er Jahre hinein war das Grundstück schon einmal bebaut. In den Anfängen gab es dort ein Speiselokal und sogar ein Casino. Später wurde das Haus unter dem Namen „Saxo“ als Diskothek genutzt. Bevor das Gebäude Anfang der 1990er abgerissen wurde, hatte die Gemeinde dort Asylbewerber einquartiert.

Bereits damals gab es Überlegungen, ein Hotel anzusiedeln. Andere Ideen zerschlugen sich genauso. So hatte die Bauhaus-Universität Weimar ein Konzept für eine Art Umweltzentrum erstellt, das sich nach Darstellung des damaligen Bürgermeisters Ullrich Hockenbrink aber nicht habe realisieren lassen.

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Verkaufsversuche

Brach liegen lassen wollten Rat und Verwaltung das Gelände, das in den Diskussionen aufgrund seiner Lage gelegentlich als „Sahnestück“ angepriesen wurde, aber auch nicht. Als dann die Finanznot der Kommune immer größer wurde, schrieb die Gemeinde das 3600 Quadratmeter große Areal 2004 im Rahmen eines sogenannten Investoren-Auswahlverfahrens zum Verkauf aus. Mit Erlösen zwischen 300.000 und 400.000 Euro rechneten die Verantwortlichen im Rathaus. Die Resonanz war jedoch gleich Null.

Vier Jahre später kam wieder Bewegung in die Angelegenheit. Dieses Mal fand die Gemeinde einen Käufer. Ein Westerkappelner Geschäftsmann erwarb das Terrain und errichtete bereits ein Jahr später das Mehrfamilienhaus, dessen klotzige Bauart auf manche Kritik stieß. Der Unternehmer bekam das Grundstück sogar erheblich ermäßigt, weil er sich verpflichtete, auf der Nordseite einen Übernachtungsbetrieb zu bauen. Rund 20 Fremdenzimmer waren angedacht, außerdem ein kleines Restaurant mit Zugang auch vom Freibad.

Versprechen gebrochen

Doch der Investor löste sein Versprechen nicht ein, weshalb die Gemeinde ihn vor den Kadi zog, damit er seiner Verpflichtung nachkommt. Am Ende gab es einen Vergleich, wonach der Beklagte die Differenz zwischen der geminderten Kaufsumme und dem ursprünglich verlangten Preis an die Gemeinde zahlen sollte. Von dem Geld hat diese jedoch bis heute nichts gesehen, wie Bürgermeisterin Annette Große-Heitmeyer bestätigt.

Dies hat aber auch wohl mit tragischen Umständen zu tun. Denn der Geschäftsmann ist 2015 verstorben. Im Zuge der Nachlass-Regelung wurde ein Insolvenzverfahren eröffnet, in dessen Folge es nun zur Zwangsversteigerung des Objektes an der Bullerteichstraße kommt. Zum Stand des Insolvenzverfahrens selbst gab es vom damit beauftragten Rechtsanwalt keine Stellungnahme. Die finanzielle Forderung der Gemeinde stehe in der Insolvenztabelle. Ob sie aber irgendwann noch beglichen wird, sieht Große-Heitmeyer skeptisch.

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Gemeinde will nicht mitsteigern

Die Bürgermeisterin schließt angesichts des hohen Verkehrswertes derzeit aus, dass sich die Gemeinde am Bieterverfahren beteiligt, wenngleich vor allem das brach liegende Grundstück durchaus für eine Verwertung interessant sein könnte.

„Die Frage ist, ob das Objekt als Komplex versteigert wird oder jede einzelne Wohnung beziehungsweise das Grundstück für sich. Der betreibende Gläubiger hat sich dazu noch nicht geäußert“, sagt Hartmut Meyer, der beim Amtsgericht Tecklenburg für Zwangsversteigerungen zuständige Rechtspfleger.

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Verkehrswerte

Der Verkehrswert der Brachfläche wurde vom Gutachter auf 170.000 Euro festgesetzt, der für die elf Wohnungen auf 99.000 bis 143.000 Euro. Das Teileigentumsrecht des Geschäftslokals ist mit 203.000 Euro veranschlagt.

Beim ersten Versteigerungstermin am 23. Januar muss von Amts wegen mindestens die Hälfte des Verkehrswertes geboten werden, auf Antrag des betreibenden Gläubigers sieben Zehntel. Wenn beim ersten Termin keine Gebote erfolgen, gelten die Grenzen laut Meyer auch bei einem möglichen zweiten Termin. Gebe es allerdings im Januar ein Gebot – auch eines unter fünf Zehntel – fielen die Grenzen weg. „Das Verfahren liegt aber in der Hand des Gläubigers. Dieser kann jederzeit einen Antrag auf vorläufige Einstellung des Verfahrens stellen“, erklärt der Rechtspfleger.

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