Spareinlagen sind explodiert Volksbank Westerkappeln-Wersen: Bilanzsumme steigt

Von Frank Klausmeyer

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Aufwärtstrend: Die Entwicklung der Bilanzsumme der Volksbank Westerkappeln-Wersen ist positiv. Grafik: Jürgen ChristAufwärtstrend: Die Entwicklung der Bilanzsumme der Volksbank Westerkappeln-Wersen ist positiv. Grafik: Jürgen Christ

Westerkappeln. Für Kleinanleger ist derzeit bei den Banken nicht viel zu holen. Die Volksbank Westerkappeln-Wersen eG zahlt – ausgenommen für Altverträge – zwar auch keine Zinsen, „bei uns ist das Geld aber sicher“, erklärt Vorstandsmitglied Jörg Wehmeier.

Und das scheinen viele Kunden zu honorieren. „Denn die Kundeneinlagen sind bei uns vergangenes Jahr förmlich explodiert.“

Generalversammlung im Gartenkamp

„Wir haben, anders als die Direkt- und Großbanken, die Institutssicherung“, betont Wehmeier. Nicht wenige Anleger zögen ihr Geld deshalb von anderen Häusern ab und legten es lieber bei der Volksbank Westerkappeln-Wersen an. Wie sich diese Entwicklung in der Bilanz widerspiegelt, berichtete Wehmeier am Mittwochabend im Sportpark am Gartenkamp anlässlich der Generalversammlung. Bei den Einlagen der Kunden und Mitglieder verzeichnete die Volksbank Westerkappeln-Wersen 2016 gegenüber dem Vorjahr ein Wachstum um 8,8 Prozent auf 107,9 Millionen Euro. Vor allem die täglich fälligen Einlagen sind mit 51,5 Millionen Euro sprunghaft (+21 Prozent) gestiegen. „Viele Kunden legten ihre Ersparnisse kurzfristig an, um flexibel auf wieder steigende Zinsen reagieren zu können“, sagt der Bankvorstand.

Eine solche Wende scheint für Wehmeier keine Utopie mehr zu sein. Mario Draghi, Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), habe just ein Ende des Ankaufs von Staatsanleihen angekündigt. „Ganz Zinsdeutschland“ gehe deshalb von wieder steigenden Zinsen aus, „aber nicht sofort und sicher nur Schritt für Schritt“.

Kundenkredite mit bis zu 35 Jahren Laufzeit

Im Umkehrschluss bedeutet dies wohl auch, dass die Zinsen für geliehenes Geld vorerst auf niedrigem Niveau verbleiben. „Wir bieten Kundenkredite mit Laufzeiten bis zu 35 Jahren an“, erläutert Wehmeier. In der Bilanz schlägt sich das Kreditgeschäft der Volksbank wie im Vorjahr mit rund 108 Millionen Euro nieder.

Vor allem das florierende Einlagengeschäft hat die Bilanzsumme der Volksbank in die Höhe getrieben wie seit Ende des vergangenen Jahrzehnts nicht mehr. 145,2 Millionen Euro standen hier 2016 unter dem Strich (2015: 136,6 Millionen). Das betreute Kundenvolumen, in dem alle Geschäfte der Bank erfasst werden, stieg Wehmeier zufolge um 4,9 Prozent auf 277 Millionen Euro.

Drei Prozent Dividende beschlossen

Otto Normalkunde mag angesichts solcher Beträge schwindlig werden. Mit dem Bilanzgewinn kann er da sicher mehr anfangen: Der belief sich im zurückliegenden Geschäftsjahr auf 282000 Euro (+3,3 Prozent). Die 3606 Mitglieder mit 9347 Geschäftsanteilen profitieren davon laut Beschluss der Generalversammlung mit einer dreiprozentigen Dividende.

„Wir würden ihnen mehr gewähren, aber das geht nicht“, bat Wehmeier um Verständnis. Die Volksbank Westerkappeln-Wersen werde auch in Zukunft wachsen, deshalb müsse das Eigenkapital weiter aufgestockt werden. Dieses betrug zuletzt rund 8,9 Millionen Euro. Es nährt sich aus den Wertanteilen der Bankgenossen, welche im Durchschnitt ein Geschäftsguthaben von 863 Euro haben, und den Rücklagen, wohin wieder der Großteil des Gewinns fließt.

Bekenntnis zur Eigenständigkeit

Die Ertragslage bleibe angespannt, sagt Wehmeier, der auch in Namen seiner Vorstandskollegin Anita Kipp von einem „zufriedenstellendem Jahresergebnis“ spricht. „Weniger Zinsen können wir nicht zahlen, mehr Zinsen kassieren auch nicht.“ Die Politik der EZB und eine „überbordende Regulatorik“ machten die Situation weiter schwierig. In größeren Verbünden werde es jedoch nicht einfacher. „Großbanken haben die gleichen Probleme, nur größere“, meint der Vorstand, der einmal mehr ein Bekenntnis für die Eigenständigkeit der Volksbank Westerkappeln-Wersen abgibt. „Es gibt keinerlei Anlass für Fusionsgespräche.“ Auch die Schließung der Filiale in Wersen stünde „momentan“ nicht an.

Die Volksbank habe in ihre beiden Standorte investiert, verfüge über qualifizierte Mitarbeiter – 34, davon vier Auszubildende – und gute Produkte: „Wir sind für die weitere Zukunft gerüstet.“


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