Krasse Unterschiede bei Gebühren Steuerzahlerbund: Lotte und Westerkappeln günstig

Von Frank Klausmeyer

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Die Müllgebühren schwanken zwischen den Kommunen erheblich. Noch krasser sind die Unterschiede bei den Abwassergebühren.Foto: Werner WestdörpDie Müllgebühren schwanken zwischen den Kommunen erheblich. Noch krasser sind die Unterschiede bei den Abwassergebühren.Foto: Werner Westdörp

Tecklenburger Land. Mit der Wahl des Wohnortes lässt sich bei den Nebenkosten bares Geld sparen. Wer ins münsterländische Reken zieht, zahlt beispielsweise fürs Abwasser nur rund ein Fünftel der Summe, die in der Gemeinde Neuenkirchen-Seelscheid (Rhein-Sieg-Kreis) fällig wird.

Und in Neukirchen-Vluyn bei Wesel ist die Müllabfuhr beinah viermal so teuer wie in Lotte.

Nun wird sicher niemand die Wahl seines Wohnortes von den Entsorgungsgebühren abhängig machen, wenngleich es immense Unterschiede zwischen den Kommunen gibt. Das geht aus Berechnungen des Bundes der Steuerzahlen (BdSt) NRW hervor, der zum mittlerweile 26. Mal die Gebühren der 396 Städte und Gemeinden im Land verglichen hat.

Unterm Landesdurchschnitt

Die Westerkappelner können sich dabei halbwegs glücklich schätzen: Sowohl beim Abwasser als auch bei der Müllentsorgung zahlen sie weniger als der Durchschnitt der Haushalte in Nordrhein-Westfalen. Die unterschiedlichen Entgelte können verschiedene Gründe haben, beispielsweise andere Abfuhrrhythmen beim Müll oder Investitionen im Abwasserbereich, die ja in die Kalkulation einfließen müssen. So ist ein Vergleich der Entsorgungsgebühren zwischen den Kommunen nur bedingt möglich, aber dennoch aufschlussreich, zumal der BdSt beim Rhythmus für die Müllabfuhr sehr wohl differenziert.

Vier-Personen-Musterhaushalt

Bei der Unterscheidung der Abfallgebühren geht der Verband von einem Vier-Personen-Haushalt als Annahme aus. Die vierwöchentliche Entleerung der 120-Liter-Restmülltonnen und die vierzehntägliche Leerung der 120-Liter-Biotonnen kostet derzeit im Landesdurchschnitt knapp 206 Euro. Dabei legt der BdSt Papierabfall in haushaltsüblichen Mengen zugrunde, was in die Gebührenberechnung der Kommunen einfließt, da hierbei Erlöse erzielt werden.

Lotte besonders günstig

In Westerkappeln muss der Musterhaushalt 162,80 Euro zahlen. Das sind rund 20 Prozent weniger als im Landesdurchschnitt und auch etwas weniger als im Durchschnitt der elf Städte und Gemeinden im Tecklenburger Land (168,50 Euro). Die Gemeinde Lotte mit 128,70 Euro und die Stadt Ibbenbüren mit 130,20 Euro gehören dabei zu den preiswertesten Kommunen in NRW. Spitzenreiter ist Neukirchen-Vluyn, wo für den Musterhaushalt 450 Euro fällig werden.

120-Liter-Tonnen sind in Westerkappeln allerdings nicht die Regel. Die am häufigsten nachgefragte Behältergröße fasst beim Restmüll 80 Liter, beim Biomüll sind es sogar nur 40 Liter.

Unterm Durchschnitt auch beim Abwasser

Unter dem Landesdurchschnitt liegt Westerkappeln auch bei den Gebühren fürs Schmutz- und Regenwasser. Die vom BdSt angegebenen Zahlen beziehen sich auf einen Vier-Personen-Haushalt, der 200 Kubikmeter Frischwasser verbraucht und 130 Quadratmeter Grundstücksfläche voll versiegelt hat. Die Westerkappelner Familie zahlt dafür 611,60 Euro Gebühren im Jahr, in Lotte werden 789,20 Euro in Rechnung gestellt. Im Landesdurchschnitt werden für den Musterhaushalt 724 Euro fällig, im Altkreis Tecklenburg sind es durchschnittlich 684 Euro.

Zur Nachbargemeinde Mettingen mit einer Jahresgebühr von nur 318 Euro gibt es aber einen Kontrast. Damit liegt das Tüöttendorf im BdSt-Gebührenranking beim Abwasser auch auf Platz 2 der preiswertesten Kommunen.

In Tecklenburg werden für den Musterhaushalt dieses Jahr dagegen 811 Euro fällig. Die Festspielstadt hat die Gebühren dieses Jahr um 13 Prozent erhöht, womit sie beim BdSt zu den fünf größten Preistreibern in NRW zählt.

In Westerkappeln muss der Musterhaushalt dagegen vier Prozent weniger fürs Abwasser zahlen.

Unter dem Strich zahlt die Musterfamilie in Westerkappeln für ihren Müll und das Abwasser 210 Euro weniger als der Vier-Personen-Haushalt in Tecklenburg.

500 Euro Unterschied zwischen Mettingen und Tecklenburg

Für einen Umzug ist das sicher kein Argument. Aber zweimal lecker Essen gehen sollte möglich sein. Und der Mettinger Musterhaushalt ist gegenüber Tecklenburg sogar mit knapp 500 Euro im Vorteil. Damit ließe sich schon ein verlängertes Wochenende an der See finanzieren.


Bund der Steuerzahler kritisiert Informationspolitik

Eine wichtige Komponente bei den Abfallgebühren ist das Verbrennungsentgelt, also der Preis, den die kreisfreien Städte und die Kreise an die Betreiber von Müllverbrennungsanlagen (MVA) zahlen müssen. Doch diese Entgelte seien und blieben geheime Kommandosache, kritisiert der nordrhein-westfälische Bund der Steuerzahler (BdSt).

Es gebe kaum eine Möglichkeit, an diese Zahlen heranzukommen. So hätten bei einer Umfrage des Steuerzahlerbundes einige Kreise und kreisfreie Städte auf ein Gerichtsurteil verwiesen, wonach kein Auskunftsanspruch bestehe. Nicht einmal geantwortet hätten 18 Gebietskörperschaften, unter ihnen auch der Kreis Steinfurt.

Dabei müsse jeder Verbraucher, der seine individuelle Gebühr überprüfen möchte, doch wissen, wie sich der Betrag zusammensetzt, argumentiert der BdSt. Das könne er aber nicht, wenn das Verbrennungsentgelt unbekannt ist. So scheint nach den zumindest teilweise vorhandenen Daten nicht ausgeschlossen, dass die Müllgebühren im Kreis Steinfurt niedriger sein könnten, wenn dieser die MVA wechsele.

Beispiel: Der Kreis Herford lässt seinen Restabfall in der MVA Bielefeld verbrennen und zahlt dafür laut BdSt knapp 95 Euro pro Tonne. Der Kreis Unna lässt in Hamm verbrennen und zahlt dort mehr als das Doppelte pro Tonne.fk

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